März 2020
Corona und die Schule im Home Office
Montag, 16.03.2020
Am Morgen informiert uns die Schulleitung über den Ablauf der folgenden Tage – bestehende Arbeitsaufträge zum Selbstlernen (sogenannte “Lernjobs”) weitermachen, ansonsten kann Material heute und morgen noch abgeholt werden. Alles Weitere soll per Mail oder andere Kommunikationswege gestaltet werden. Wir haben alle eine Dienstmailadresse, weil bestimmte sensible Daten nicht auf den Servern privater Mailanbieter landen sollen, die zum Teil nicht mal in Deutschland liegen.
Ich habe eine Ko-Klassenleitung, mein Kollege ist heute nicht da. Also setze ich mich dran, eine Mailingliste zu erstellen, um den Kindern Arbeitsaufträge zukommen zu lassen. Diese Tätigkeit wird meinen gesamten Vormittag in Anspruch nehmen, ohne dass ich überhaupt dazu komme, irgendwelche Arbeitsaufträge aufzubereiten und zusammenzustellen. Stattdessen hänge ich stundenlang am Telefon:
1. Obwohl am Freitag allen Kindern gesagt wurde, dass sie vorsichtshalber ihre Sachen für Deutsch, Mathe und Englisch mitnehmen sollen, haben es einige einfach mal vergessen. Ein paar Kinder waren Freitag auch nicht da, weshalb ich ohnehin telefonieren muss, damit die Kinder heute noch zur Schule kommen und ihre Sachen abholen.
2. Ich habe nur von einer Handvoll Eltern eine E-Mail-Adresse. Also telefoniere ich herum und lasse sie mir geben. Bei zwei Kindern stelle ich fest, dass die Festnetznummer nicht mehr gültig ist. Handynetze sind zum Teil stark überlastet, so dass ich mehrere Eltern gar nicht erreichen kann.
Zum Glück gibt es aber auch noch unsere Elternpflegschaftsvorsitzende. Sie hat eine Whatsapp-Gruppe für die Eltern der Klasse. Sie fragt in der Gruppe nach E-Mail-Adressen und ob irgendjemand seine Schulsachen vergessen hat. Sie ist mein Engel. Und es kommen auch tatsächlch einige Mailadressen zusammen. Doch dann kommt das dritte Problem:
3. Der Mailserver für die Schulen ist überlastet. Ich kann eine Mailingliste erstellen, aber Mails rausschicken oder empfangen geht gar nicht, oder nur stark verzögert. Offenbar hat niemand damit gerechnet, dass es Auswirkungen auf den Server haben könnte, wenn landesweit Tausende von Lehrer*innen ins Home Office geschickt werden.
Dienstag, 17.03.2020
Einige Mails sind über Nacht wohl tatsächlich angekommen, doch es läuft sehr schleppend, der Server bricht immer wieder zusammen. Ich gehe wieder in die Schule und versuche, die restlichen E-Mail-Adressen zusammenzubekommen. Außerdem haben noch ein paar Kinder immer noch nicht ihre Sachen abgeholt.
Gleichzeitig stehe ich in ständigem telefonischen Kontakt mit meinem Kollegen. Wir überlegen, eine Plattform zu öffnen, wo wir mit den Kindern direkt Kontakt halten können, auch ohne E-Mails. Er testet ZUMPad aus, doch deren Server scheint auch gerade überlastet zu sein, also wechseln, wir zu YourPart.eu, welches auf europäischer Ebene läuft und ein bisschen besser erreichbar ist.
Am Abend habe ich endlich alle Mailadressen und Material zusammen und kann die erste Rundmail abschicken.
Mittwoch, 18.03.2020
Ich mache drei Entdeckungen:
1. Der E-Mail-Server hat mir nachträglich Mails von Montag zugestellt – besser spät als nie.
2. Ich habe zwei E-Mail-Adressen falsch eingetippt und darf es nun neu ändern, bzw. die Mail neu verschicken. Das klappt nur leider nicht direkt, denn …
3. Der Mailserver kann ab 8 Uhr nur bedingt als einsatzfähig bezeichnet werden. Beste Arbeitszeit ist also in den frühen Morgenstunden. Vielleicht steige ich erst mal auf Nachtschicht um.
(stormydaeny)












