Häuschen des Strandkorbwächters 2
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Häuschen des Strandkorbwächters 2
Fuck the System by OliverAgit
Sissy Boys Hideaway (a.k.a. SB Noord)
Weine, deren Genussfaktor sich im wesentlichen ausschließlich aus der Differenz zwischen der Lufttemperatur und der des Weins im Glas errechnet, dazu Pommes, Toasties, Bitterballen oder Pannkoeken. So präsentieren sich in kulinarischer Hinsicht fast alle Strandpavillions bei unseren nordwestlichen Nachbarn.
Aber geht auch anders, um nicht zu sagen: besser. Hier zum Beispiel...
Die SB Noord liegt - nomen est omen - am nördlichen Rand des Strandes von Bergen an Zee und ist eine echte Ausnahmeerscheinung unter den Häusern ihrer Zunft. Schon beim Betreten des Innenraums fällt auf: hier ist etwas anders. Alles wirkt heller und lichter, die bunte Sammlung an von der Decke hängenden Kronleuchtern zeigt Gestaltungswillen und Liebe zum Detail. Das ist in sofern auch nicht weiter verwunderlich, als das diese Bude von der designorientierten niederländischen Mode- und Interior-Kette "Sissy Boy" betrieben wird.
Der Blick in die Karte bestätigt erfreulicherweise sofort den guten äußeren Eindruck: sicher, die holländischen Strandklassiker aus der Fritteuse gibt es auch hier, aber dazu auch eine Menge mehr. Wie zum Beispiel Penne mit gegrilltem Radiccio in Blauschimmelkäse-Sauce. Oder das hier...
Lammkarree mit Risotto-Kroketten, grünem Wok-Gemüse und Sauce von roter Paprika.
Oder das hier...
Rotbarsch mit Kartoffelstampf, grünem Spargel und Safran-Sahnesauce
Um keine falschen Erwartungen zu wecken: große Küche ist auch das alles nicht und die aus der Küche geschickten Teller sind auch beileibe nicht alle fehlerfrei (so hätte beispielsweise die Safran-Sahnesauce zum Rotbarsch um einiges heißer sein dürfen) - aber in Anbetracht der Tatsache, dass viele andere Strandbuden schon an der Zubereitung eines einfachen Apfelpfannkuchens scheitern, ist die SB Noord wirklich ein einsamer Leuchturm in tiefer kulinarischer Finsternis.
Für diejenigen, die am Strand nicht ganz so opulent einsteigen wollen, finden sich diverse Kleinigkeiten, wie z. B. Quiches und Terrinen auf der Karte. Zugegeben, nachgeschmissen bekommt man das alles nicht, die Hauptgerichte liegen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - durch die Bank oberhalb der 20 € Grenze. Aber angesichts der unglaublich schönen Lage am direkt am nach Westen ausgerichteten Strand und den damit verbundenen atemberaubenden Sonnenuntergängen ist das Essen mehr als nur sein Geld wert. Zumal auch in anderen Strandbuden durch die Bank amtliche Tarife aufgerufen werden (Portion Vlaamse Friet: 4€).
Wen es also in die Nähe der größten Düne der Niederlande verschlagen sollte, dem empfehle ich einen Besuch (idealerweise am Abend zum Sonnenuntergang) bei:
SB Noord, Zeilerboulevard 3, Bergen aan Zee
bis November täglich von 09:00 bis nach Sonnenuntergang
Brückentage... (a.k.a. Seaside Days)
Im letzten Jahr war's noch Paal 29 und ein Gläschen Rosé. Diesmal blieb mein Herz nur ein paar Kilometer weiter südlich zurück , nämlich hier...
Der Wein war übrigens restsüß, Abschluß eines gelungenen Essens und stammte von der Loire (Coteaux du Layon). Nein, nichts Großes, um da nicht falsch verstanden zu werden. Aber ich meine, eine holländische Strandbude mit Gosset als Haus-Champagner und - unter anderem - 2 (!) verschiedenen offenen Süßweinen im Angebot. Das bekommn hierzulande - lassen wir die Sansibar einmal beiseite (Sylt ist ja ohnehin irgendwie nicht Deutschland) – selbst viele Restaurants mit Anspruch nicht hin.
Übrigens (für Strandpavillion-Verhältnisse) überraschend brauchbares Essen haben die auch noch. Aber dazu mehr im nächsten Eintrag...