Da meine Vorbereitung dieses Jahr nicht so zielgerichtet war, wie in den letzten beiden Jahren (Tempo, Tempo, Tempo!), war ich mir bis zum 400er nicht so richtig über meinen Trainingszustand im Klaren. Da lief’s aber richtig gut, aber der Reihe nach:
Den 200er bin ich diesmal mit gemeinsam mit Christian in Südbayern gefahren, für ihn war es das erste offizielle Brevet. Die Strecke wurde kurzfristig um eine Kontrolle gekürzt, da ein heftiger Wintereinbruch die ursprüngliche Route heimgesucht hatte. Die Höchsttemperatur war an diesem Tag 6–7°C! Trotzdem und obwohl es leicht nieselte, fand ich es nicht übermäßig kalt. Für einen Neuling sicher nicht die besten Bedingungen, aber Christian fuhr die Strecke tapfer und in ordentlicher Zeit! Sein Training hat sich auf jeden Fall bezahlt gemacht. Im Nachhinein kamen mir allerdings Zweifel, ob der ACP vielleicht Probleme mit der zu kurzen Distanz machen würde. Doch irgendwann war dann auch die Homologationsnummer da, das einzig entscheidende für die Wertung und die finale Anmeldung für Paris-Brest-Paris.
Anstatt Geburtstag altersgemäß zu fahren, bin ich den 300er in Treuchtlingen gefahren, mit dem Anspruch morgens mit der Bahn anzureisen und abends wieder zurückzufahren. Ohne Thomas hätte ich das wohl nicht ganz geschafft, der mich netterweise bis zur vorletzten Kontrolle gezogen hatte. Ich musste permanent an Thomas die Lokomotive denken! Beim Radeln kommen einem schon manchmal ulkige Gedanken. Im Ziel war dann dank Brevetmutter Heidi sogar noch Zeit für ein Stück Kuchen mit Kerze und ein Ständchen.
Beim 400er lief es anfangs so gut, dass ich mich von Tobias, der einfach schon deutlich mehr Kilometer in den Beinen hatte (er ist vorher schon einen 600er und Belchen satt in einer erstklassigen Zeit gefahren), zur Unvernunft verleiten ließ. Wir hatten bis zur ersten Kontrolle nach 135 km etwa 100 Randonneure überholt, die bis zu 25 Minuten vor uns gestartet waren! Dann musste ich erst mal was essen und habe gelernt: Rhabarberkuchen vertrage ich beim Radfahren eher weniger. Danach bin ich dann doch lieber mein eigenes (langsameres) Tempo gefahren. Später traf ich wieder auf Thomas, mit dem ich das Ich-zieh-Dich-Du-ziehst-mich-Spiel wiederholte. Bei der Kontrolle bei Familie Loy wollte er dann aber partout den ganzen Senf aufessen. Das dauerte mir zu lang, also bin ich den letzen Stich über die Ludwigshöhe bei Weißenburg alleine gefahren.
Beim 600er war ich dann noch unvernünftiger und bin den ersten Anstieg noch schneller hochgedrückt, schließlich war Tobias auf Strava vor mir! Bis Prien (Bild) war eher Rückenwind angesagt und so habe ich auch wieder Thomas eingeholt mit dem ich bis Bad Tölz gemeinsam fuhr. Die Bedingungen waren tags und in der hereinbrechenden Nacht so gut (nicht zu warm, nicht zu kalt), dass ich das Gefühl hatte, die Nacht durchfahren zu können. Als dann aber zwischen Wessobrunn Landsberg der Regen ernsthaft anfing, überkam mich eine so heftige Müdigkeit, dass ich nur noch rumgeeiert bin und dankbar die nächste Bank für ein Nickerchen nutzte. Da ich aber schon ziemlich durchnässt war, war nach ein paar Minuten nicht mehr an Schlafen zu denken, ich fror. Also rappelte ich mich auf und da ... stand Thomas wieder vor der Tür! Gemeinsam ging es dann bis Landsberg, dort sammelten wir noch zwei Mitstreiter ein und es ging zügig durch den Niesel Richtung Norden. Ab der Donau ließ sich sogar wieder die Sonne blicken und so trudelten wir bei bestem Wetter zu viert in Treuchtlingen ein. Als Überraschung hat uns dort Karl höchstpersönlich empfangen, der krankheitsbedingt leider sein eigenes Brevet nicht mitfahren konnte.
Karl hat die Homologationsnummer schon veröffentlicht, damit darf ich offiziell nun auch in Paris starten (und mich fünffacher Superrandonneur nennen). Vorher gibt es aber noch eine Benefizradtour mit Christian nach Karlsruhe (dazu später noch mehr) und eins meiner Lieblingsbrevets, die 1000km bei Karl.