Support your local ...Senfmühle
Bisher wurde in diesem Haushalt nahezu ausschließlich auf Senf aus Monschau gesetzt. Doch seit dem Sommer des letzten Jahres haben die Produkte aus der Eifel mitten in Köln ernstzunehmende Konkurrenz bekommen...
2 belgische Senfmühlen aus dem Jahr 1810, entdeckt auf einem Trödelmarkt in Holland, waren 1997 der Beginn der Karriere von Wolfgang Steffens als Senfmüller. Er hat die Maschinen eigenhändig restauriert, eine versieht seit 1999 ihren Dienst (inzwischen in Cochem an der Mosel), die zweite seit letztem Jahr am Rande der Kölner Altstadt und - für touristische Laufkundschaft äußerst günstig gelegen - in Sichtweite von Kölns meistbesuchtem Museum, dem Schokoladen-Museums.
Was das eigentlich über den kulturellen Entwicklungsstand Gesellschaft aussagt, dass das meistfrequentierte Museum einer Stadt eines für Kolonial-Süßwaren ist - und das, obwohl diese Stadt neben einer recht sehenswerten und umfassenden Sammlung moderner Kunst in eigens dafür errichtetem Hause noch über ein mindestens ebenso sehenswertes Haus mit mittelalterlicher und klassisch-neuzeitlicher Kunst verfügt - was das also über eine Gesellschaft aussagt, wäre auch durchaus einmal eigene längere Überlegungen wert...
Äh, wo war ich noch gleich? Ach ja, bei der Senf-Mühle. Über der prangt in etwas zu laut schreienden Lettern "Historische Senfmühle Anno 1810". Einerseits verständlich, schließlich steht das Schokoladenmuseum auf der anderen Seite einer an dieser Stelle 6spurigen Straße und wenn man sich müht, wenigstens einen kleinen Teil der dort fließenden Besucherströme zeitweilig zu sich umzuleiten, muss man eben auch berücksichtigen, dass sich die Krankenkassen schon seit geraumer Zeit nicht mehr nennenswert an der Finanzierung von Sehhilfen beteiligen.
Andererseits aber ist diese Namensgebung in Anbetracht der Tatsache, dass es sich mitnichten um eine Mühle handelt, die an dieser Stelle seit "Anno 1810" ihren Dienst versieht, von einem ganz leichten Haut Gout umspielt. Mann mag das lässlich finden, vor allem in direkter Nachbarschaft der wild historisierenden Kölner Altstadt, die selbst ja spätestens seit den Verwüstungen des 2. Weltkrieges eher eine disneyland-artige Simulation ist, aber ein leichtes Stirnrunzeln kann ich dennoch nicht ganz vermeiden.
Denn das ist genau jene Art Bauernschläue, die mich, so ich ihr in Zusammenhang mit Dingen begegne, die mir verkauft werden sollen, stets sehr, sehr aufmerksam, wenn nicht gar etwas skeptisch werden läßt. Immer stacheldrahtet dann im Hintergrund der unschöne Gedanke herum, der potentielle Handelspartner könne es vielleicht auch in anderen Fragen, wie zum Beispiel denen der Qualität oder der angemessenen Preiskalkulation, nicht ganz so genau nehmen oder die Dinge gern und ausführlich zu seinem Vorteil auslegen.
Dabei sind diese Bedenken im konkreten Fall völlig unnötig. Denn was diese Mühle produziert, kann sich durchaus sehen lassen. Insgesamt werden 10 verschiedene Senfsorten hergestellt, darunter eine - zur Eroberung der Herzen der Eingeborenen sicherlich nicht ungeschickt - unter Verwendung eines sehr guten hiesigen Bieres. Daneben finden sich diverse senfaromatisierte Fruchtaufstriche und weitere senfhaltige Produkte im Angebot. Alles ist von tadelloser bis ausgezeichneter Qualität, wovon man sich übrigens auch vor Ort kostenlos überzeugen kann. Meine persönlichen Favoriten waren nach ausgedehntem Probieren der nach einem Rezept aus dem 15. Jahrhundert hergestellte Senf, sowie die Apfel- und Birnen-Senf-Fruchtaufstriche.
Schrieb ich im Absatz zuvor "...können sich sehen lassen"? Zu diesem Stichwort muss man allerdings noch ein paar Sätze verlieren. Denn die - man traut sich eigentlich kaum, den Begriff in diesem Zusammenhang in den Mund zu nehmen - CI des Ladens ist... äh... von ganz eigener Qualität, um das einmal sehr zurückhaltend zu bewerten.
Um hier nicht falsch verstanden zu werden: Mir geht der nach wie vor allgegenwärtige Trend zum designerischen Overkill, der versucht, auch noch die letzte alltägliche Banalität unter massivem Einsatz von kühl-hipper Typographie und noch mehr substanzlosem Marketing-Chichi zum next big Luxusding hochzujazzen, in aller Regel auf den Zeiger. Aber die Ladengestaltung dort wirkte auf mich derartig dürftig, zusammengebastelt und - ich kann es leider nicht anders sagen - billig (trotz Einsatz' einer sehr schönen, alten Ladentheke), dass ich mich tatsächlich anstrengen mußte, den doch recht erschütterten Eindruck nicht sofort auch auf die Produkte zu übertragen.
Was aber, wie schon erwähnt, wirklich nicht angebracht wäre. Denn der Senf selbst ist ohne Fehl und Tadel. Deshalb empfehle ich der geneigten Leserschaft auch, sich selbst mit einem Besuch vor Ort einen Eindruck sowohl von der Produkt- als auch von der Gestaltungsqualität des Ladens zu verschaffen. Wer aber vorab eine Ahnung der sich ihm dann bietenden Eindrücke erhalten möchte, dem lege ich den Besuch der Website der Senfmühle ans Herz. Weisse Bescheid, ne?
Historische Senfmühle
Holzmarkt 79-83 (gegenüber Schokoladenmuseum) Mo - Fr 10 -18 Uhr Sa, So Feiertags 11 - 19 Uhr
www.senfmuehle-koeln.de













