26. September 2023
Tafelwerke, so sehen sie also aus
Ich räume einen Stapel Bücher mit Logarithmentafeln von dem Hocker in Roger Stapletons Büro, auf den ich mich setzen will, und schlage das oberste Buch auf. Auf jeder Seite sind Zahlenreihen. Ich kenne so was nur aus anderen Büchern. Im Zusammenhang mit der Entdeckung von Benfords Gesetz werden Bücher voller Logarithmen oft erwähnt, weil offenbar die Seiten, auf denen die Zahlen mit 1 beginnen, nach langer Benutzung schmutziger werden als die übrigen Seiten. Ich betrachte Rogers Bücher, der Schnitt ist aber bei allen gleichmäßig vergilbt und nicht irgendwo auffälliger verschmutzt als woanders.
Ich sage, dass ich so was noch nie gesehen habe. "Ich auch!", sagt Rogers Kollege Peter Adamson begeistert. Ich gucke ihn überrascht an, weil er über 70 ist. Vielleicht wurden Logarithmenbücher viel früher abgeschafft, als ich bisher dachte? "Ich habe noch nie welche mit vierstelligen Zahlen gesehen, nur welche mit fünf-, sechs- und siebenstelligen", erklärt Peter. "Ach so", sage ich, "ich meinte, ich habe überhaupt noch nie welche gesehen." Rogers Büro, in dem dieses Gespräch stattfindet, liegt im "Napier Building" der Universität St Andrews, benannt nach einem der Erfinder des Logarithmus.
Als ich später Aleks (Jahrgang 1975) davon erzähle, sagt er: "Wir hatten in der Schule noch ein Tafelwerk, so hieß das. Aber schon keinen Rechenschieber mehr. Ein paar Jahrgänge vor mir hat man noch mit dem Rechenschieber rechnen gelernt, aber wir haben dann in der achten Klasse direkt den Schulrechner bekommen." – "Einen Taschenrechner?" – "Schulrechner hieß das. Der SR1."
(Kathrin Passig)











