"Die kybernetische Subjektivität, die nur noch ökologisch als Integration verschiedener psychischer, kollektiver und technisch-medialer Subjektivierungsmilieus zu beschreiben ist, folgt auf die lang dauernde skriptuale Subjektivität der Epoche der Schrift. Auf den überkommenen subjektiven Transzendentalismus des Schriftzeitalters folgt die transzendentale Technizität einer ökotechnologische Prozesskultur, die bereits unsere heutige Erfahrung grundiert. Sie ist jedenfalls der Fluchtpunkt der bereits von Guattari eingeräumten 'erstaunlichen Ausbreitung einer computergestützten Subjektivität', mit der sich schließlich — im Verbund von Informationstechnologien und kognitiven Kapitalismus — ein technologisches Modell von Subjektivierung und auch des Unbewussten durchsetzt. Das Unbewusste kann, das war schon Guattaris Pointierung der sinngeschichtlichen Transformation, nur noch jenseits des überkommenen, der Schriftkultur entstammenden psychoanalytischen Rahmens und nicht länger als eine Sache intrapsychischer Wesen und in Begriffen des linguistischen Signifikanten gedacht werden, vielmehr als Gefüge verschiedenster semiotischer und pragmatischer Dimensionen, die aus den unterschiedlichsten existenziellen, medientechnisch durchdrungenen Territorien stammen."
— Erich Hörl, Die technologische Bedingung. Zur Einführung, in: Erich Hörl (Hg.), Die technologische Bedingung. Beiträge zur Beschreibung der technischen Welt, Suhrkamp, 2011, S. 33.