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Irgendeine Frau: wie heißt du denn meine Kleine
Mara: Also rückwärts heiß' ich Aram
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Irgendeine Frau: wie heißt du denn meine Kleine
Mara: Also rückwärts heiß' ich Aram
Tag 97 / Hefte raus! Vokabeltest!
7.30 Uhr Meine Katze übergibt sich auf den Fußboden. Auf der Kuscheldecke ist noch viel mehr Erbrochenes.
Was nun?
Radikale Akzeptanz: Ich kann das nicht ändern. Menschen werden krank. Tiere werden krank. Die Katze hat erbrochen. Die Situation ist, wie sie ist.
Entscheidung für den neuen Weg: Ich helfe meiner Katze nicht, wenn ich wieder trinke. Im Gegenteil. Ich helfe auch mir nicht, wenn ich wegen der kranken Katze wieder trinke.
Innere Bereitschaft: Ich tue, was zu tun ist. Wische das Erbrochene weg. Schmeiße die Decke in einen Müllsack. Ich versuche, die Katze zu beruhigen, was ja gleichzeitig auch mich beruhigt. Den Termin heute vormittag sage ich ab, den am Nachmittag nehme ich wahr.
Telefonjoker: Muss ich jetzt jemanden von AA anrufen? Werden die dann in oder nach einem Meeting zu mir sagen: "Da hättest du aber mit AA Kontakt aufnehmen sollen" ? Nein. Ich darf auch noch mit Mitte 30 meine Mutter anrufen, denn sie kennt mich, meine Katze, den Tierarzt und hatte selbst mehr als 15 Jahre eine Katze im Haus.
Gelassenheit: Schlaf ist die beste Medizin. Für die Katze und für mich. Wir legen uns nochmal ein Weilchen hin.
Selbstfürsorge gekoppelt mit entgegengesetztem Handeln: Ich lade mich selbst nach meinem Nachmittagstermin zum Essen ein. Natürlich ist mein Impuls, so schnell wie möglich nach Hause zur kranken Katze. Doch je gestärkter ich bin, desto besser kann ich alles, was gleich, am Abend oder in der Nacht auf mich zukommen könnte (wieder Erbrochenes?, Durchfall?, Tierklinik?) durchstehen. Denn ich will das trocken und nüchtern.
Tag 38 / Selbstverarschung
Wie oft macht das mein Gehirn denn noch mit, wenn ich mir den ganzen Tag sage "Ja, heute Abend genehmigst du dir einen Wein" und ich dann letzten Endes doch entgegengesetzt handele? Auf jeden Fall ist das viel weniger anstrengend als die 16 bis 17 wachen Stunden permanent im inneren Dialog-Modus von Wunsch zu Verbot zu Wunsch zu Verbot zu pingpongen. Also, es lässt mich relativ entspannt durch den Tag gehen, wenn ich das volle Weinglas in meiner Hand schon vorm inneren Auge habe, bei allem, was ich tue. Ich kann jemanden treffen, der mich fast mein halbes Leben kennt, den ich aber mehr als ein Jahr nicht gesehen habe. Ich kann fast ohne eine Träne zu vergießen zugeben, dass sich nicht nur im letzten Jahr, sondern auch in den letzten fünf Jahren keine herausragende Weiterentwicklung (Karriere, Familienplanung, Gesundheit) bei mir ergeben hat. Andererseits, vielleicht ist es ja eine herausragende innere Weiterentwicklung, das einfach mal so vor jemandem konstatieren zu können, bei dem sich im gleichen Zeitraum ziemlich viel Positives ergeben hat. Weiterhin mit dem Gedanken an das abendliche Weintrinken, kann ich mich zu meiner hassgeliebten angeleiteten Gruppe schleppen. Und das Geile ist wirklich, das rate ich jedem Alkoholiker, Dinge zu machen, an Orte zu gehen, mit denen man während des Trinkens nicht besonders viel anfangen konnte. Und Leute wiedersehen in so einem geschützten Rahmen, zeitlich begrenzt. Sich dann zu denen mal ins Verhältnis setzen. In Bezug auf einen Anwesenden hatte ich das tolle Gefühl, mich mehr aus dem Suchtnebel heraus begeben zu haben. Von meinem gestrigen inneren Kampf gegen den Suchtdruck habe ich berichtet, und die "Gruppenleiterin" hat sich sehr gefreut für mich. Und leider ist sie nicht kompletto plemmiplemmi. Denn sie hat schon irgendwie gespürt, dass da in mir dieser Rückfallwunsch heute so stark ist. Dann ziehe ich mir auch noch einen weiteren Termin rein. Krankenkasse. Mein Gehirn schüttet schon den ganzen Tag Dopamin aus, weil ich ja denke "Der Tag geht, der Rotwein kommt", "Wenn mir also Gutes (oder was auch immer) widerfährt, dann ist das schon einen Rückfall wert". Ich stehe also schon "unter Droge" ohne konsumiert zu haben. Vorfreude kann man das auch nennen. Und dann, kurz bevor ich den Schritt in den S-Bahnhof tue, durch den ich zur U-Bahn gehen werde, die mich dann ziemlich dicht am Supermarkt mit dem Weinregal ausspuckt, ziehe ich meinen Telefonjoker. Der weiß zum Glück die richtige Antwort: "Nicht trinken". So "einfach" ist das. Ich gehe lächelnd, mich über meine Selbstverarschung amüsierend nach Hause. Tag 38 geschafft.