April 1995 (wiederentdeckt im Februar 2024)
Der Telekom Codesender 1 funktioniert auch nach 29 Jahren noch
Beim Aufräumen des Schreibtischs einer Kollegin gefunden, die nach über 25 Jahren in der Firma in Rente ging: Ein „Telekom Codesender 1“
Dieses Gerät erzeugt beim Drücken der Tasten die zugehörigen DTMF-Töne und gibt sie auf der Rückseite aus einem Lautsprecher aus. Der wurde auf die Mikrofonmuschel des Telefonhörers gelegt, damit diese Signale übertragen werden. Das wurde bis in die frühen 2000er zum Fernabfragen eines Anrufbeantworters verwendet.
Auf dem Codesender steht hinten „4.95“ als Produktionsdatum drauf. Zu der Zeit war das Impulswahlverfahren über mechanische Impulse (vom Wählscheibentelefon) bei Analoganschlüssen noch stark verbreitet. Erst Ende der 1990er waren alle Vermittlungsstellen umgestellt, dass sie das Mehrfrequenzwahlverfahren mittels DTMF-Tönen unterstützten. DTMF ist nur die englische Abkürzung für Dual-Tone Multi-Frequency.
Bei DTMF werden bei Drücken einer Taste zwei Sinustöne aus dem hörbaren Bereich überlagert abgespielt. Das lässt sich über eine Telefonleitung mit eingeschränktem Frequenzbereich übertragen.
Bis Ende der 1990er war das Mobilfunknetz noch nicht stark verbreitet, aber dafür stand an quasi jeder Ecke eine Telefonzelle. Daheim hatten viele einen Anrufbeantworter. Jetzt gab es das Bedürfnis, diesen Anrufbeantworter von einer Reise oder aus dem Büro abzuhören.
Dazu konnten die Anrufbeantworter DTMF-Töne decodieren und damit bedient werden. Nach dem Überspringen der eigenen Ansage durch einen Tastendruck wurde in der Regel ein vierstelliger* Code abgefragt. Erst danach gelangte man in das Hauptmenü des Anrufbeantworters. Mittels der Nummerntasten konnten Nachrichten abgehört, weiter und zurück gesprungen oder Nachrichten gelöscht werden. Schließlich war der Speicherplatz sehr begrenzt.
* Unter dem Originalbeitrag bei Mastodon kommentiert Stefan Baur: "Vierstellig? Bwahaha. Zweistellig, nur die neueren hatten drei Stellen. Vier Stellen höchstens bei Software-AB (Telekom-Komfortmerkmal bzw. Mobilfunk-Voicemail)."
Telefonzellen waren oft noch mittels Impulswahl angeschlossen. Deshalb konnte deren Tastenfeld nicht zur Generierung der DTMF-Signale verwendet werden. Also wurden solche kleinen Geräte als Zusatzprodukt verkauft. Teilweise so klein, dass sie an einem Schlüsselbund passten.
Heute wird DTMF immer noch zum Wählen und in den Kundenmenüs von Hotlines verwendet. Der Codesender kann 29 Jahre später weiterhin eingesetzt werden. Er funktioniert noch einwandfrei. Im Büro haben wir keine Verwendung mehr dafür.
Jedoch würde er daheim meinem FeTAp 611 Wählscheibentelefon (in orange) neues Leben einhauchen, denn seit ein paar Jahren unterstützt die FritzBox kein Impulswahlverfahren mehr. So kann ich nur Gespräche annehmen, aber nicht damit raus telefonieren.
(Lars, zuerst veröffentlicht hier: https://chaos.social/@pylon/111958333998651235)













