Talent trifft auf ausgebufften Meister
Axel Fischbacher hatte zur Jazzattack die junge Sängerin Charlotte Illinger eingeladen.
„Wir kennen uns jetzt live so drei Stunden, aber das klappt doch schon ganz gut“, meinte Gitarrist Axel Fischbacher nach dem ersten Stück. Ja, das klappte schon ganz gut, und ja, so ist das bei einer Session: Kaum hat man sich kennengelernt, schon steht man gemeinsam auf einer Bühne. Die noch sehr junge Sängerin Charlotte Illinger war jetzt zu Gast bei der Reihe Jazzattack im Jazzkeller.
Illingers Talent hat sich schon herumgesprochen. Als 15-Jährige bereits hat sie bei „Jugend musiziert“ gewonnen, inzwischen hat sie auch ein Musikstudium absolviert und tritt mit einem eigenen Quartett auf. Aber sie ist ein noch relativ unbeschriebenes Blatt. Sie ist jetzt wohl in ihren frühen Zwanzigern, und das mag erklären, warum sie sich stilistisch ziemlich weit zurück orientiert, nämlich in eine Zeit weit vor ihrer Geburt.
Foto: kMs.
Der Mainstream des Modern Jazz der 1950er und 1960er Jahre ist die Blaupause, an der sich Illinger ausrichtet. Damit kann man sich die Grundlagen für zeitgenössischere Ausdrucksformen erarbeiten. Altmodisch klingt Illinger dennoch nicht, denn ihre klare Altstimme mit Luft nach oben ist lyrisch, offen, ausdrucksstark, intonationssicher, kurz: von zeitloser Qualität. Es fehlt ihr nur noch ein wenig der Mut, oder fehlte er ihr nur im Jazzkeller?
Da traf sie mit Fischbacher natürlich auf einen ganz Ausgebufften. Der inzwischen 60-Jährige spielt seit geraumer Zeit auf dem besten Niveau seines bisherigen Musikerlebens. Nicht zum ersten Mal bei einer Jazzattack-Session begleitete Fischbacher eine Sängerin sehr einfühlsam, aber in seinen Soli zeigt er dann auch viel von seinem meisterlichen Können. Er mischt nach Belieben mit dem Plektron angeschlagene Melodielinien und gezupfte Akkorde, verbindet stilistisch die Welt des Modern Jazz mit der der Fusion, läßt seine E-Gitarre auch mal rockig jaulen, dann wieder klar erklingen, kurz: ihm steht eine sehr, sehr farbenreiche Palette an Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung.
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Jazzstandards oder standardartige Kompositionen von Illinger und Fischbacher bildeten das Programm. Am Anfang improvisierte Illinger nach den Themen noch verhalten, aber – Fischbacher mag sie dazu angeregt haben – im Laufe des Abends wurden ihre Scatpassagen länger und freier. Sollte sich Illinger weiter entwickeln, was sehr wahrscheinlich ist, darf man gespannt sein, wohin ihr Weg sie noch führen wird. Sie möge bitte in zwei Jahren wieder in den Jazzkeller kommen.
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Nico Brandenburg am Kontrabass und Tim Dudek am Schlagzeug begleiteten Illinger und Fischbacher versiert, lebendig und einfallsreich. Brandenburg ist ein bodenständiger Routinier, Dudek kann variantenreich triolisch swingen, binäre Latin- und Fusion-Grooves gehen ihm genauso locker von der Hand. Dudek ist ein Schlagzeuger der einen elegant-leichten Touch mit viel Drive zu paaren weiß, den würde man in Krefeld gerne auch mal mit einer eigenen Band sehen.
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Info:
Die nächste Session der Reihe Jazzattack im Jazzkeller ist am Donnerstag, den 2. März, um 20.30 Uhr. Es spielen: Falk Grieffenhagen, Saxophon, Martin Schulte, Gitarre, Harald Ingenhag, Schlagzeug und Stefan Rademacher, Bass.








