Zurück zur Fusion-Musik der 1970er Jahre
Die Jazzatttack-Sessiion entpuppte sich als CD-Präsentation des Gitarristen Markus Wienstroer.
Die aktuelle Ausgabe der Sessionreihe Jazzattack im Jazzkeller war eine Mogelpackung. In der Werbung hieß es, der Organist Alexander Schimmeroth stehe mit seiner Hammond-Orgel im Mittelpunkt, aber eigentlich drehte sich alles um dem Mann an der E-Gitarre. Das war der Neusser Markus Wienstroer, der von Andrea Berg bis Marius Müller-Westernhagen, von Roland Kaiser bis Purple Schulz schon alle möglichen Popstars im Studio und bei Tourneen begleitet hat.
Der Mann im Licht: Markus Wienstroer. Foto: kMs.
Ein musikalisches Chamäleon ist dieser Wienstroer. Sein Renommee in Musikerkreisen ist groß. Dass die Leute, die Andrea Berg zujubeln, aber wissen, wie der Mann hinten rechts auf der Bühne heißt, kann bezweifelt werden. Aber natürlich hat der Multiinstrumentalist, der noch alle möglichen anderen Zupfinstrumente gut bedienen kann und auch als Violinist eine gute Figur machen soll, eine Jazzvergangenheit, sonst hätte ihn Jazzattack-Gastgeber Stefan Rademacher kaum eingeladen.
Im letzten Jahr hat es Wienstroer endlich geschafft, eine erste Platte unter eigenem Namen zu veröffentlichen. „8 pm“ heißt das Album und in dessen Besetzungsliste finden sich auch Organist Schimmeroth und Wienstroers Sohn Jan-David am Schlagzeug. Letzterer war nun der Vierte im Bunde bei der Jazzattack. Kein Zufall war es dann, dass bei der Session bis auf eine Ausnahme ausschließlich Kompositionen von Winstroer, alle auf „8 pm“ enthalten, als Improvisationsgrundlage dienten.
E-Bassist Stefan Rademacher, als einziger Musiker des Abends nicht auf „8 pm“ zu hören, hat mit Wienstroer zusammen im Quintett des Saxophonisten Frank Kirchner gespielt. Das war in den 1990er Jahren. Noch weiter zurück aber reichen die Wurzeln der Musik von „8 pm“.
Fusion-Musik der 1970er Jahre war offensichtlich prägend für Wienstroer. Seine Stücke weisen deutliche Bezüge zu Chic Coreas Band Return to Forever, dem Trio des Gitarristen John Abercrombie mit Jan Hammer und Jack DeJohnette sowie in Ansätzen zu John McLaughlins Mahavishnu Orchestra auf.
Rademacher, der mit einer weiteren Ikone aus diesem Umfeld zusammengespielt hat, dem Schlagzeuger Billy Cobham, fühlte sich hörbar wohl mit dieser Musik. Die Themen verlangten ihm teils kompliziertere Linien ab, als er sie sonst bei der Jazzattack spielen muss. Dass er gefordert war, zahlte sich dann in etlichen gelungenen Soli aus.
Der Mann im Hintergrund: Alexander Schimmeroth. Foto: kMs.
Organist Schimmeroth bediente ein Keyboard des Herstellers Korg, das den Orgelsound der im wahren Wortsinn schwergewichtigen und deshalb schlecht zu transportierenden Hammond-Orgel zufriedenstellend kopiert. Diese weitere Mogelei war verzeihlich. Aber der Mann, der angeblich im Mittelpunkt stehen sollte, blieb musikalisch weitgehend blass. Da er permanent knapp unter dem mittleren Soundpegel seiner Kollegen blieb, wirkten seine Soli dynamisch flach und ausstrahlungsarm.
Wienstroer dominierte mit seinen Gitarrensoli das Geschehen. Der Mann kann alles spielen, das hörte man. Allerdings hörte man auch, dass Wienstroer trotz aller Virtuosität kein auffällig eigenes Klangbild gefunden hat. Vielleicht ist das das Schicksal eines Hochbegabten, der seine Kunst zu häufig in den Dienst anderer Musiker gestellt hat.
Sohn mit brillanter Technik: Jan-David Wienstroer. Foto: kMs.
Wienstroers Sohn, Schlagzeuger Jan-David Wienstroer, spielte den passenden Stil zur Musik seines Vaters. Er agierte druckvoll, eher rock- als jazzorientiert, dabei aber sehr abwechslungsreich und flexibel, und das mit einer brillanten Technik. Viel Applaus für die teils recht laute Session, keine Zugabe.
Markus Wienstroer wurde 1959 in Düsseldorf geboren. Bereits mit elf Jahren war er Jungstudent an der Düsseldorfer Musikhochschule. Wolfgang Petry, Heino, Tommy Engel und Wolf Mahn sind weitere Popstars, die er begleitet hat. Im Jazz war er unter anderem mit der Band Das Pferd, dem Klaus König Orchestra und Lalo Schifrin aktiv.