Anyway, have some pathetic Wespe <3
Wespe lag auf seinem Bett und fühlte sich erbärmlich. Was tatsächlich erst in zweiter Instanz damit zu tun hatte, dass er vor wenigen Stunden eine signifkante Strecke einen Abhang hinunter gekugelt war und dabei, so schien es ihm zumindest, auch wirklich jeden Maulwurfshügel, größeren Stein und herumliegenden Ast mitgenommen hatte. Das hatte er davon, dass er immer wieder losrannte, wenn ihn vier gewisse Jugendliche kontaktierten. Ihm tat jeder Knochen weh und spätestens am nächsten Tag würde er mit einer Sammlung von blauen Flecken aufwarten können, die den Verdacht häuslicher Gewalt nahe legte.
Am Ende des Abhangs hatte er außerdem zielsicher die einzige verdammte Matschpfütze im Umkreis von hundert Metern gefunden, und auch wenn er glücklicherweise nicht mit dem Kopf voran eingetaucht war, sein Pullover war nach dem Abenteuer vermutlich reif für die Mülltonne.
Was ihn zurück zu dem eigentlichen Grund brachte, warum er sich ein wenig erbärmlich fühlte.
Denn offensichtlich hatte er so miserabel ausgesehen, dass es sogar Schalavsky Mitgefühl entlockt hatte. Der hatte ihm zwar die gesamte Rückfahrt zum Präsidium einen Vortrag gehalten, warum ungefähr alles an seinem Verhalten dumm (und streng genommen gegen die Dienstordnung) gewesen war und dass ihm das eine Lehre sein sollte, besagte Jugendliche mit Informationen zu versorgen, doch er hatte Wespe auch ungefragt einen Pullover aus seinem eigenen Sortiment an Wechselklamotten in die Hand gedrückt. (Wespes eigener Vorrat war vor Kurzem dezimiert worden, aus Gründen, die ausnahmsweise nichts mit neugierigen Jugendlichen zu tun hatten. Und er war noch nicht dazu gekommen, wieder Sachen nachzulegen.)
Der graubraune Pulli, der ganz unübersehbar nicht aus seinem eigenen Kleiderschrank stammte, hatte Wespe ein paar belustigte Blicke und Kommentare eingebracht, aber trotzdem hatte er sich nicht dazu bringen können, ihn wieder auszuziehen. Konnte er immer noch nicht.
Nicht, weil das Ding besonders stylisch war - war es wirklich nicht. Auch nicht, weil es so bequem war - tatsächlich kratzte die Wolle mehr als nur ein bisschen. Und es war auch nicht so, dass der Pullover besonders gut roch - eine Mischung aus Waschmittel und einem Hauch von Zigarettenrauch.
Und trotzdem war es der Geruch, der Schuld daran trug, dass Wespe sich einfach nicht dazu bringen konnte, den Pulli wieder auszuziehen.
Weil das gottverdammte Mistding nun einmal nach Schalavsky roch.
Wespe konnte sich wirklich bessere Optionen vorstellen, wenn er schon einem Kollegen hinterhergucken musste. Vielleicht wäre nicht jeder besser, der nicht Schalavsky war, aber doch sicherlich jeder Zweite. Nicht zuletzt, weil seine Chancen mehr als unterirdisch standen.
Aber das war leider so ein... Muster, wenn es um ihn und Männer ging. Bei Frauen hatte er größtenteils das Glück, dass es ihn erwischte, wo er zumindest realistisch auf Erwiderung hoffen konnte und selbst entscheiden konnte, ob er einen Versuch unternehmen wollte oder nicht. Und auch wenn sich die Gelegenheit zu einer schnellen Nummer in der Toilette eines Clubs oder einer Nacht im Bett eines Bekannten durchaus gab und von ihm genutzt wurde, bei den Männern, die ihn wirklich interessierten, kam er meistens nicht über ein Ansehen aus Distanz hinaus.
Der Dozent, mit dem er sich zwar häufiger nach dem Seminar unterhalten hatte, bei dem er sich aber nach wie vor nicht sicher war, ob der ihn überhaupt als Menschen (und nicht nur als beliebigen Studenten) wahrgenommen hatte. Der Kollege in seinem Nebenjob während des Studiums, der ihm zwar manchmal völlig unnötig die Hand auf die Schulter gelegt hatte, ihn jedoch auch regelmäßig amüsiert-resigniert als "Kind!" bezeichnet hatte. Der Ausbilder, der Frau und Kinder gehabt hatte und angeblich trotzdem weiblichen Auszubildenden nicht abgeneigt gewesen war.
Und jetzt offenbar: Kommissar "Das wäre gegen die Dienstordnung" Schalavsky, den zu ärgern zwar viel mehr Spaß machte, als Wespe zugeben würde, und der inzwischen auch schon merklich weniger genervt auf ihn reagierte als früher, der jedoch auch ungefähr so viel Interesse an ihm erkennen ließ wie daran, TKKG zu seinem Geburtstag einzuladen.
Daran änderte auch dieser Pullover nichts, in dessen Stoff Wespe die Nase unwillkürlich noch ein wenig tiefer vergrub.
Trotzdem stand er nicht auf, um sich endlich etwas anderes anzuziehen, sondern blieb lieber auf dem Bett liegen und fühlte sich weiter erbärmlich.









