Scenes and sunsets of Togean Islands, Sulawesi, Indonesia

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Scenes and sunsets of Togean Islands, Sulawesi, Indonesia
Insel Nr. 2
Nach zwei Tagen wird Kadidiri trotz aller Schönheit langweilig, weswegen wir entscheiden, die letzte Nacht noch auf einer der anderen Inseln zu verbringen, bevor uns morgen früh eine Fähre nach Ampana und somit wieder auf das 'Festland' bringt. Allerdings haben wir die Größe des Insel-Archipels und die damit verbundenen einzurechnenden Fahrzeiten deutlich unterschätzt. Nach einigem ergebnislosen Hin- und Herwälzen unserer Möglichkeiten finden wir uns schon beinahe damit ab, noch einen Tag hier zu verbringen, als der Familienvater der Fischerfamilie, die unser Resort betreibt, mit der Idee eines Charter-Boots aufwartet. Für 500.000 Rupias fährt er uns persönlich auf die eine Stunde entfernt liegende Insel Katupat. Fehlen nur noch einige Mitfahrer. Wir wissen, dass unsere vier Holländer die gleiche Insel anpeilen, bisher allerdings mir der Fähre am späten Nachmittag, die für uns aus Zeitgründen nicht mehr in Frage kommt. Froh über die komfortable Alternative bedarf es bei ihnen nicht viel an Überzeugungsarbeit und wir sitzen schon eine Stunde später mit angezogenen Knien in dem schmalen Holzboot und tuckern unter ohrenbetäubendem Motorenlärm, der jedes Gespräch im Keim erstickt, gen Katupat. Ich stelle fest, wie schnell das uns umgebende Paradies zur Normalität wird. Oh, noch eine einsame Insel mitten im Meer mit weißen Traumstränden und einer eigenen Hängematte vor jeder Hütte. Vor einigen Jahren hätte ich noch Poster mit eben jenem Motiv aus BRAVO und Co. ausgerissen um sie mit viel Tesa über mein Bett zu kleben, jetzt bin ich plötzlich selber mittendrin in dieser Postkarten-Idylle und versuche zu realisieren, dass all das wirklich echt ist. Nach einem kleinen Mittagessen erkunden Jessica und Thorsten die Insel und wir fordern Yentl und Dan zu einer Runde Beach-Volleyball auf. Nach einer Stunde, während der der Bodenkontakt unseres Balles die Zeit, die er in der Luft verbracht hat, kolossal überbietet, kann ich mit Sicherheit sagen, dass sich zumindest an meiner Begabung für Volleyball nichts geändert hat. Zum Glück bekleckern sich auch die anderen drei nicht mit Ruhm und so springen wir nach einem eindeutigen Unentschieden ins Meer. Die Erfrischung bleibt aus, aber daran haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Dunkle Gewitterwolken ziehen auf und es dauert nicht mehr lange, da setzt der allnachmittägliche tropische Regenschauer ein, heute begleitet von grollendem Donner und hin und wieder einem hellen Blitz. Wir sitzen unter der hölzernen Pergola und während ich, wie so oft, damit beschäftigt bin, meinen Blog auf einen einigermaßen aktuellen Stand zu bringen, hat sich jeder mit einem Buch (ergo e-Reader) in seine Ecke verzogen. Später verabschieden wir uns-diesmal, wie es aussieht, endgültig-von Thorsten und Jessica, die noch heute weiter nach Malenge fahren, um ihrer letzten Fähre, die sie in zwei Tagen zurück ans Festland bringt, ein wenig näher zu kommen. Über zwei Stunden sitzen wir nach dem Abendessen, dass die mittelmäßigen Mahlzeiten der letzten Tage wieder mehr als gut gemacht hat, noch zusammen mit Yentl und Dan um den großen Holztisch und trinken White Coffe (der laut der Packung aus den berühmten Kopi- Luwak-Bohnen, die ihren Namen der Wildkatze, von der sie vor Verarbeitung bereits einmal verdaut und ausgeschieden wurden, verdanken, hergestellt wurde), während die Gesprächsthemen von dem richtigen Zeitpunkt, Kinder zu kriegen (Yentl ist 27) über künstliche Befruchtung, frühzeitige Diagnose von etwaigen Behinderung und Abtreibung bis hin zu Adoption gehen. Worüber man sich auf einer einsamen Insel eben so unterhält. Als allen allmählich die Augen zufallen, verabschieden wir uns auch hier ein letztes Mal, tauschen sorgfältig Telefonnummern und Email Adressen aus und stolpern dann durch die Dunkelheit in unsere Hütten. Insgeheim würde sich wohl keiner wundern, wenn wir uns während den letzten Tagen auf Sulawesi noch einmal begegnen würden, immerhin haben die beiden exakt die gleiche Route, lediglich ein wenig zeitversetzt.
Faulenzerei
Unser Tatendrang hält sich heute ausnahmsweise in Grenzen, was angesichts der zwar paradiesischen aber was Unternehmungen angeht doch eher eingeschränkten Umgebung sehr gelegen kommt. Wir verbringen den Tag mit viel lesen und schreiben und schorcheln stundenlang durch die angrenzende Bucht, wobei ich meinen ohnehin schon demolierten Beinen in den dichten Korallenfeldern noch einige zusätzliche Schrammen verpasse. Ich scheine eine spezielle Begabung dafür zu haben, im Gegensatz zu Linus, der bisher lediglich einmal von einer Feuerqualle gebrandmarkt wurde. Apropos Linus: Ohne es zu merken, habe ich mich während dem Schorcheln bis an das weit entfernte Ende der Bucht vorgearbeitet und als ich mich von dort schließlich umblicke, ist von Linus weit und breit nichts mehr zu sehen. Der Gedanke, dass er einfach ohne mich zurück geschwommen sein könnte erscheint mir abwegig und so verbringe ich eine halbe Ewigkeit damit, die Bucht nach ihm abzusuchen, wobei jede in der Ferne treibenden Kokosnuss meine Fantasie anfacht, bis ich schließlich aufgebe und zurück ans Ufer schwimme, nur um Linus seelenruhig lesend auf der Terrasse des nächstgelegenen Resorts zu finden. Am frühen Abend zieht abermals ein Gewitter auf und bald fallen dicke Tropfen vom Himmel auf die bis dahin spiegelglatte Wasseroberfläche während gleißende Wetterleuchten den dunklen Himmel durchzucken. Im wohlig warmen Uferwasser liegend beobachten wir das Schauspiel noch eine ganze Weile bevor der Regen nachlässt und wir zurück zum anderen Ende des Strandes und unserem Resort schwimmen. Beim Abendessen lernen wir vier deutsche Studentinnen kennen, die sich gerade in den letzten Wochen ihres Auslandssemesters auf Java befinden. Nichtsdestotrotz ziehen wir für den Nachtisch wieder zu Black Marlin um, wo ich glücklich eine Schüssel Obstsalat löffle und Linus seiner Schokoriegel-Sucht fröhnt. Wie schon am Vorabend sitzen wir abermals am Holländer-Tisch und unterhalten uns mal hier, mal dort bis wir uns irgendwann verabschieden und über den Strand zurück zu unserer kleinen Holzhütte, schlendern, um nach diesem höchst anstrengenden Tag vom leisen Meeresrauschen und einer weit entfernten Lagerfeuer-Gitarre in den Schlaf gewiegt zu werden.
Fast zu viel des Guten
Dem Lärm unter Deck zum Trotz schlafe ich erstaunlich tief. Um sieben werde ich von Linus geweckt und stehe mir eine halbe Ewigkeit die Beine in den Bauch, bevor endlich eine der wenigen Toiletten frei wird. In einer Mischung aus Nieselregen und Sonnenstrahlen stehen wir anschließend an Deck und sehen den Inseln entgegen, die immer näher rücken. Kleine und größere Eilande, von dichtem Dschungel bewachsen und türkis-blauem Wasser umgeben, machen den Anfang, bevor wir auf einigen der größeren Insel die ersten Holzhütten entdecken. Kurz darauf legen wir im Hafen von Wakai, der Hauptinsel der Togeans, an und werden, sobald wir die Fähre verlassen, von einer Horde von Guesthouse-Besitzern in Beschlag genommen. Unerklärlicherweise schaffen es Indonesier aber selbst dabei, freundlich zu bleiben. Wir entscheiden uns schließlich für die laut Lonely Planet 'charming Baju family' mit 'pretty rustic bungalows but dreamy setting', die zusammen mit zwei anderen Resorts auf der kleinen Insel Kadidiri liegt. Mit dem Speed-Boot werden wir zusammen mit den Holländern, die sich jeweils eines der anderen beiden Resorts ausgesucht haben, auf die Insel gebracht und befinden und kurze Zeit später in einer postkartenreifen Umgebung mit weißen Stränden, hohen Kokosnuss-Palmen und einem gradezu klischeehaft langen Holzsteg, der weit in das kristallklare Wasser hinausreicht und unter einem kleinen, reetgedeckten Unterstand endet. Wir beziehen unsere schlichte, helle Holzhütte und bekommen ein verspätetes Frühstück serviert, dass aus Fertig-Nudeln mit Spiegelei besteht und mich auf Besserung hoffen lässt. Am Nachmittag erledigen wir, wie Thorsten es ausdrückt, das Touri-Programm und fahren zusammen mit Yentl, Daniel, dem Österreicher Ferdinand und einem gutmütigen Indonesier, der momentan Ferien im eigenen Land macht, zum Jellyfish-Lake. Dieser wurde irgendwann weit in der Vergangenheit durch ein Erdbeben oder einen Vulkanausbruch vom übrigen Meer abgetrennt und ist seitdem bekannt für seine unnatürlich hohe Dichte an Quallen, die aus Mangel an natürlichen Fressfeinden ihr Nesselgift und somit die Fähigkeit, anderen Lebewesen Verbrennungen zuzufügen, verloren haben. Hellblau oder rötlich schimmernd und von einer Konsistenz, die sich wohl als puddingartig beschreiben lässt, lassen die Quallen auch bei näherem Hinsehen nicht die geringste Spur eines Organismus erkennen. Es ist mir ein Rätsel, wie so etwas überleben kann. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Stopp am Karina Beach, einem kleinen, paradiesischen Strand mit weitläufigem Riff und riesigen Fischschwärmen, die sich, selbst wenn man direkt über ihnen treibt, wenig beeindrucken lassen. Eine halbe Ewigkeit schnorcheln wir durch das badewannenwarme Wasser und lassen uns im einsetzenden Nieselregen zurück an das leuchtend-weiße Ufer treiben. Wir legen uns in das seichte Wasser und lassen den Regen auf unsere Köpfe prasseln, während der übrige Teil des Körpers von dem unverändert warmen Wellen umspült wird. Der Rückweg ist angesichts der in der untergehenden Sonne glitzernden Regentropfen, dem leuchtend roten, teils von dunklen Wolken verhangenem Himmel und den zwei Regenbogen, die sich in zwei perfekt vollendeten Bögen am Horizont wölben, eine reine Überflutung der Sinne mit beinahe klischeehafter Schönheit. Das Abendessen ist, ebenso wie die Tischgespräche, recht langweilig und so ziehen wir für den Rest des Abends in das direkt anschließende Black Marlin Resort, wo wir an einem Tisch mit Jessica und Thorsten sowie vier weiteren Holländern als Deutsche eindeutig in der Unterzahl sind. Meine durch jahrelange Skiferien-Erlebnisse geprägten Vorurteile gegenüber Holländern musste ich hier in Indonesien schon sehr schnell begraben und Amsterdam ist zu einem der vielen nächsten Ziele auf meiner Reise-Wunschliste geworden.
Togeans stormy Awakening by jebob on Flickr.
Lunchbreak. Togean Islands. #keepondreaming #lastyear