Gar hÀufig kommt uns vor der Fall,
dass man mit vielem Wissensschwall
sich quÀlt, wo es nur gilt, ohne Zagen
die Sache selber zu befragen.
Vom Schreiner brachte man zu jemand eine Truhe.
Das saubere StĂŒck war eine rechte Augenweide,
und jeglicher hat daran seine Freude.
Ein JĂŒnger der Mechanik tritt hinzu;
der sieht die Truhe an und ruft: »Ah, ein Geheimnis!
Jawohl, sie hat kein Schloss ...
nun, nun, ich öffne sie Euch ohne SÀumnis.«
»Seht mich nicht an so groĂ!
Ich finde es schon heraus,
ich öffne Euch die Truhe,
in der Mechanik habe ich was los,
das lÀsst mir keine Ruhe.«
Er macht sich an die Truhe flugs,
er spÀt nach allem wie ein Luchs,
er quÀlt sein Hirn, oh Jammer,
drĂŒckt auf 'nen Nagel bald
und bald auf eine Klammer.
Wer so sein Tun erblickt,
hĂ€lt ihn fĂŒr halb verrĂŒckt,
man flĂŒstert und man lacht,
er aber murmelt immer sacht:
»Hier nicht, so nicht da nicht.«
Sein Eifer wÀchst,
er schwitzt und schwitzt
und meint, es sei verhext.
Und wie seine Kraft zu Ende geht,
lÀsst er die Truhe, wie sie steht.
Die saure MĂŒhe konnte ihn wohl verdrieĂen;
die Truhe war nĂ€mlich nicht zum VerschlieĂen!
Die Truhe · Iwan Krylow · Gedicht
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