Er ist circa 1,80 Meter groß, zweitürig und fasst 342 Liter. Er wiegt knapp 100 Kilo. Eine LED-Anzeige ziert sein silbernes, metallisches Gewand und er trägt würdevoll das Siegel der Energie-Effizienz-Klasse A+. Ich spreche von einem Geschoss, dessen Bezeichnung es geschafft hat, mein ganz persönliches Unwort des Jahres 2017 zu werden: Der Kühlschrank! Dass ich je über einen Kühlschrank schreiben würde, hätte ich niemals gedacht. Aber ich hätte auch niemals gedacht, dass ein Kühlschrank mal für so viel Furore sorgt. Ich wurde eines Besseren belehrt …! Denn ein Kühlschrank ist es, der dafür gesorgt hat, dass eine syrische Familie ihren lang ersehnten Umzug in eine passendere Wohnung um ein paar weitere Tage verschieben muss. Er steht in der begehrten Wohnung. Felsenfest. Wie angenagelt. Er gehört nicht zum Inventar, sondern verweilt dort aufgrund eines zuvor geplatzten Mietvertrages. Noch nie wurde er eingeschaltet. Noch nie hielt er Lebensmittel frisch und kühlte Tiefkühlkost. Aber er ist da. Sein Besitzer? Den scheint es nicht zu stören. Er legt eher ein bockiges Verhalten an den Tag, offensichtlich erbost darüber, dass sein Vertrag platzte. Nicht einsichtig über die in seiner Verantwortung liegenden Gründe. Tja - und so bleibt der achtköpfigen Familie nichts anderes übrig als geduldig darauf zu warten, dass ein vom Vermieter engagierter Spediteur den standhaften Silberpfeil aus der Wohnung entfernt. Nicht, dass wir ihn nicht selbst heraus schaffen könnten - aber er steht nun einmal im Eigentum eines anderen. Und dem möchte man natürlich keine Steilvorlage für einen Haftpflichtschaden liefern. Kann ich verstehen. Zwei Abende und einen Nachmittag beschäftigte ich mich nun mit diesem Kühlschrank - versuchte Lösungen zu finden, Absprachen zu treffen und das bevorstehende Wochenende dazu zu nutzen, der Familie beim Umzug zu helfen. Zwei Abende und einen Nachmittag mit dem Ergebnis, nichts von alledem auch nur ansatzweise erreicht zu haben. Sogar an meinem Geburtstag blieben mehr oder minder erfolgreiche Telefonate rund um das silberne Geschoss nicht aus. Der Kühlschrank ist und bleibt hartnäckig. Er will von starken und versicherten Spediteuren rausgetragen werden. Er besteht auf “sein Recht”, allein in der Wohnung zu verharren, bis sich der Besitzer bequemt, ihn in sein Reich aufzunehmen. Und die Familie? Nun, die muss warten! Das Pfingstwochenende steht vor der Tür und damit drei nun absolut nutzlose Tage auf gepackten Kartons und zurecht geschnürten Säcken. Nun gut. Ist so - lässt sich nicht ändern! Dennoch: Ich habe mich noch nie so ausführlich mit der Daseinsberechtigung eines Kühlschranks beschäftigt … und ich hoffe, dass ich das auch nie wieder muss!