Ich wuchs mit dieser Band auf. Natürlich auch mit anderen, mit Mozart, mit Violinen und Klavier. Doch das war die Musik meiner Mutter und die ihres Vaters. Diese klassische Musik war untrennbar verbunden mit den Lügen meiner Mutter, mit ihren Vorwürfen, ihren Tränen.
Und so zog ich ihr Green Day vor. Sie vereinten die Musik meines Vaters. Sie waren verbunden mit stundenlangen Autofahrten, lautem und falschem Gesang, mit dem tiefen Gelächter meines Vaters, mit nassem Asphalt, mit heißer Käsleberkässemmel mit Senf von der Tankstelle, mit Glück.
Und so kratzte ich mein letztes Geld zusammen, als ich erfuhr, dass sie nach Wien kommen würden. Inzwischen hörte ich Musik, die in eine ganz andere Richtung ging und war von den neuen Alben milde ausgedrückt wenig begeistert. Doch das war egal. Ich würde meinen besten Freund nehmen und Billy Joe Armstrong (es hatte doch jeder mal einen Promi-Schwarm, ich war zwar aus dem Alter schon raus, aber die Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen.) mit meinen eigenen Augen sehen und seine Stimme mit meinen eigenen Ohren hören.
Das Konzert war wunderbar und dich mir der vom Moshpit geplatzten Lippe zu küssen genauso schmerzhaft, wie schön.
Schon sonderbar, wie sich die Bedeutung der Musik mit den Personen ändert, mit denen man sie teilt.
Früher war es Glück, heute sind die Lieder eine verpasste Chance, unerwiderte Liebe, zärtliche Hände auf meinen zerschrammten Knien, die nie wieder dorthin zurückfinden werden.