29. Juni bis 4. Juli 2019
Das Paket ans Reparaturzentrum ist bereits gepackt und frankiert, als mein Blick unter das Sofa fällt
Früher hatten wir einen Roomba-Staubsaugroboter, aber der ist schon lange defekt – ich habe mich nur noch nicht dazu durchringen können, ihn endgültig zu verschrotten. Seine Funktion wird mittlerweile im Wesentlichen von einem Putzmann übernommen, der den ganz normalen Staubsauger schwingt, aber natürlich auch viele andere nützliche Dinge tut. Zudem haben wir uns von den Schwiegereltern einen Akku-Handstaubsauger schenken lassen und ihn auf den Namen "die Sauge" getauft.
Das Gerät wird hauptsächlich verwendet, um rasch mal die Krümelspuren und Sandhäufchen zu beseitigen, die aus einem kleinen Kind jederzeit unvermittelt herausrieseln können. Nun scheint auch dieses Ding Probleme zu haben – der Akku ist erkennbar leer, der Motor leiert nur noch matt, aber ans Netzteil angeschlossen lädt das Maschinchen nicht mehr auf. Ich finde sogar noch ein anderes Netzteil mit demselben Spannungswert und passendem Stecker, aber auch damit leuchtet nicht einmal die blaue LED, die normalerweise anzeigt, dass der Akku aufgeladen wird. Aufschrauben, um mal nachzuschauen, ob nur irgendwo ein Kabel lose ist, lässt sich das Gehäuse leider nicht.
Die Gattin sagt "schau mal, wann wir das Ding angeschafft haben. Es müsste doch noch Gewährleistung drauf sein." Das ist gut möglich, aber gekauft haben es ja die Schwiegereltern. Ich rufe also meinen Schwiegervater an, wir überlegen ein wenig hin und her und dann teilt er mir einfach vertrauensvoll am Telefon seine Amazon-Zugangsdaten mit. Ich soll selbst die Bestellung raussuchen und schauen, wie man den Defekt reklamieren kann.
Ich verkneife mir alle Witze der Sorte "Oh, endlich mal wieder nach Herzenslust Schuhe schoppen!" und mache mich auf die Suche. Damit ich mich in seinen Account einloggen kann, muss er mir allerdings noch den Sicherheitscode weiterleiten, den Amazon an sein Telefon geschickt hat, nachdem ich versucht habe, mich von meinem Laptop aus einzuloggen.
Die Sauge wurde offenbar zu Weihnachten 2017 bestellt und Amazon bietet einen Kundenservice. Der besteht darin, dass man das Gerät kostenlos an ein Servicecenter schicken kann, wo es dann innerhalb einiger Tage inspiziert und ggf. repariert oder ausgetauscht werden soll. Klingt vernünftig.
Für die Einsendung muss ich ein Versandetikett anfordern, welches ich direkt an meine Maildresse schicken lassen kann. (Der Schwiegervater bekommt es allerdings auch nochmal geschickt und leitet es mir ebenfalls weiter.) Ich finde im Keller sogar noch den Originalkarton und so ist bald ein Päckchen gepackt und mit dem ausgedruckten Etikett frankiert und liegt dann ein paar Tage wegbringbereit im Wohnzimmer.
Da allerdings auch ohne funktionsfähige Sauge ein bisschen geputzt werden muss, fällt mein Blick währenddessen unter das Sofa und dort auf ein weiteres Netzteil. Wo zum Teufel gehört das denn nun wieder hin? Es sieht den beiden, die ich an der Sauge ausprobiert habe, ziemlich ähnlich. Im Unterschied dazu ist aber die Ausgangsspannung auf dem Etikett nicht mit 12 Volt, sondern mit 28,0 Volt angegeben.
In mir keimt ein Verdacht. Sollte dies das richtige Netzteil für die Sauge sein? Das würde wohl erklären, warum diese sich mit den Netzteilen mit schwächerer Spannung nicht aufladen ließ. Aber sollte es woanders hingehören, könnte ich die Sauge unter Umständen damit rösten. Aber dann wäre sie ja eh defekt gewesen. Soll ich mich auf das Risiko einlassen, sie Amazon mit Schmauchspuren zurückzuschicken und dafür ein freundliches "Selbst schuld!" zu ernten?
Ich hatte allerdings zuvor schon online nach Ersatzteilen geschaut und dabei auch das zugehörige Netzteil gesehen. Man kann tatsächlich weit genug in die Produktfotos hineinzoomen (wobei ich selbstverständlich "Enhance!" murmele), um auch dort die Angabe 28.0 V zu erahnen.
Der Rest ist rasch erzählt. Ich habe das Paket wieder ausgepackt, konnte die Sauge mit 28 Volt ohne Schmorbrand und Funkenschlag aufladen und meinen Schwiegervater mit der Wendung der Geschichte erheitern.
Später am Tag habe ich dann noch einige der vielen kleinen schwarzen Netzteile beschriftet.