Wir reisen nach Mumbai, um nach Mittelerde zu reisen
Um den ersten Film der Herr-der-Ringe-Trilogie auf Englisch sehen zu können, melden wir uns am 2. März 2020 für eine einwöchige Probemitgliedschaft bei Amazon Prime für einen Euro an. Aber der Film ist lang, und wir sind müde, und nach etwas mehr als der Hälfte unterbrechen wir den Film gegen 22:00 Uhr.
Am nächsten Morgen um 07:30 Uhr planen wir den Tag und wollen nachsehen, wieviel vom Film noch übrig ist. Obwohl unsere Probemitgliedschaft weiter läuft, wird der Film uns in Amazon Prime nur zum Kauf angeboten. Auch ein Blick ins "Wer streamt es"-Verzeichnis bestätigt, dass der Film auf Amazon nicht verfügbar ist. Wir hatten also einerseits Glück, den Film noch am letzten Tag der Verfügbarkeit zu finden, aber gleichzeitig auch Pech, weil wir ihn nicht zu Ende gesehen haben.
Den Amazon-Kaufpreis von 9 Euro für nur knapp eine verbleibende Stunde des Films wollen wir aus Prinzip nicht bezahlen. Wenn wir das gestern gewusst hätten, hätten wir ja gar nicht erst usw. Illegales Streaming schließen wir ebenfalls sofort aus, unter anderem wegen der schönen Kulissen im Film, die wir bei schlechter Videoqualität einfach nicht ausreichend genießen könnten.
Wir haben in den letzten Wochen einige Male mithilfe eines VPN-Dienstes das Netflix-Angebot aus anderen Ländern zu uns nach Hause geholt. Sobald man dem Endgerät erfolgreich vorgaukelt, es würde sich in Boston oder Tokyo befinden (“geospoofing”), kann man diejenigen Inhalte streamen, deren Rechte Netflix für die USA oder Japan erworben hat, aber nicht für Deutschland. Leider müssen wir feststellen, dass im USA-Netflix nur der zweite und dritte Film der Trilogie enthalten sind. Macht nichts, dann reisen wir einfach nach Belgien... oder die Niederlande ... oder Schweden ... oder Irland ... oder Zypern ... oder Australien ... oder Spanien ...
Jetzt sitzen wir zu zweit nebeneinander auf dem Sofa und wählen uns mit je einem Endgerät in verschiedene Länder ein, um per Hand zu prüfen, ob der gewünschte Film verfügbar ist oder nicht. Das dauert lange und nervt. Gelegentlich muss man die Netflix-App ordentlich von allen Cache-Daten und sonstigen Erinnerungen an den jeweils letzten Aufenthaltsort säubern, das nervt ebenfalls. Nachdem ich einige Länder, die ich schon immer mal bereisen wollte, erfolglos ausprobiert habe, suche ich im Browser explizit nach der Information, in welchen Ländern unser Film auf Netflix zu finden ist. Dabei muss ich darauf achten, wann jede Seite, die ich besuche, zuletzt aktualisiert wurde, denn veraltete Informationen helfen mir ja nicht weiter.
In Mumbai werde ich fündig. Das indische Netflix hat den Film. Hurra! Da wir zwischen gestern und heute den Streamingprovider gewechselt haben, müssen wir selbst die Stelle wieder finden, an der wir zuletzt waren (was man früher beim Abspielen lokaler Videodateien übrigens immer selbst machen musste, weswegen ich mir fast automatisch gemerkt habe, dass wir bei 1:53 aufgehört hatten). Die Ladezeiten und die Bildqualität beeindrucken uns nicht sehr, aber wir finden uns jetzt damit ab, weil wir froh sind, den Film überhaupt zu Ende zu sehen.
Als der Film etwa 20 Minuten vor dem Ende dann doch etwas hängt und der Lüfter vom Laptop hörbar aufdreht, stellen wir fest, dass mein Laptop nebenher heimlich die Datenleitung noch für andere Dinge benutzt hat. Für unser Fernseh-Setup mussten wir diesmal einen Computer verwenden, der nicht oft in Windows bootet, und so hat das Betriebssystem die Gelegenheit genutzt, erstmal alle Updates der letzten zwei Monate herunterzuladen. Ich pausiere die Updates jetzt, aber die letzten 20 Minuten des Films bleiben trotzdem ein bisschen verschwommen.
Für den zweiten und dritten Film reisen wir dann nach Dänemark oder so. Die Rechte für diese beiden Filme sind jedenfalls in viel mehr Ländern vorhanden, und es muss nicht immer eine Indienreise sein.