2020-05-01
Brettspielabend auf Distanz
K. wird 60, das möchten wir gerne feiern. Wir können sie aber nicht besuchen. Zum Glück gehört sie zu der Sorte Sechzigjähriger, die ganz gut mit Maus und Tastatur umgehen können, deshalb probieren wir einfach mal was aus: Wir kaufen ein Viererpaket Lizenzen für das Computerspiel Tabletop Simulator und leiten sie per Videochat an, wie sie das Spiel installieren kann. Einen Steam-Account legt sie sich voller Vorfreude schon ein paar Tage vor unserem verabredeten Treffen an, dann schenken wir ihr eine der Lizenzen, eröffnen einen Spielraum und loggen uns ein. Wir sind zu dritt in zwei Haushalten, aber R. und ich sitzen in verschiedenen Zimmern der gleichen Wohnung - teilweise aus Gründen der Audiohygiene, aber ein bisschen auch, damit K. sich nicht im Vergleich zu uns noch isolierter vorkommt.
Wir sitzen also in verschiedenen Zimmern und sind alle im Spiel eingeloggt. Parallel dazu führen wir ein Whatsapp-Videotelefonat, für das wir alle unsere Handys jeweils neben unseren Computern platzieren. R. und ich tragen je ein Headset, K. hört und spricht frei.
Der Simulator selbst bringt übrigens hauptsächlich die Physik mit. Die einzelnen Spielsets laden wir uns separat im Steam Workshop herunter. Nur der Host muss diese Erweiterungen installieren.
Für den Anfang spielen wir eine Runde Uno. Dabei verirren sich einige Ungeheuer auf den Spieltisch. Leider kann nur der Host diese Monster erstellen, aber die anderen können sie immerhin fröhlich durch die Gegend schieben.
Nach ein paar Runden beschließen wir, etwas Ernsteres zu spielen, nämlich Malefiz. Ich kenne das nicht von früher und muss mir die Regeln erklären lassen. Im Simulator kann man ganz normal schummeln, aber das machen wir natürlich nicht. Stattdessen lenken wir uns gegenseitig ab. Ich habe zum Beispiel ein besonders furchteinflößendes Profilbild.
Während des Spiels lasse ich ab und zu einzelne Figuren ungeduldig auf und ab hopsen, mit der gleichen Taste, die normalerweise den Würfel würfelt. Wenn ich ein Figürchen rauswerfe, werfe ich es in hohem Bogen vom Tisch (es erscheint kurz darauf am Tischrand wieder).
Während die anderen beiden sich eine erbitterte Schlacht liefern, probiere ich die Schreib- und Malfunktion aus. Jemand anders radiert alles später wieder weg.
Nach drei Stunden ist unsere Runde immer noch nicht fertig. Wir speichern den aktuellen Zustand des Spielfelds und verabreden uns, morgen weiterzuspielen. Dann probieren wir alle die Funktion “Tableflip” aus und schmeißen jeder mal alles runter. Morgen geht es dann weiter.
(Esther Seyffarth)











