Ich trete vor die Tür und - PLATSCH! - ein fetter Regentropfen landet auf einem meiner Brillengläser. Dir auch einen guten Morgen, Welt! Ein saftiger Landregen erwartet mich. Es ist nicht kalt. Wachswetter. Ich gehe zu meiner Arbeit im Heimbüro.
Mein Weg führt mich durch saftiges Grün. Eine schöne Zeit ist das. Die Stadt riecht ungewöhnlich gut. Alles mögliche blüht.
Eigentlich also viele Gründe für gute Laune. Nicht so am Anleger. Dort blicke ich in finstere und gespannte Gesichter. Die Herrschaften vom Flusskreuzfahrtschiff wechseln in den Reisebus. Mit Unmut und Ungeduld sortiert man sich, denn für besonders Fußlahme sind Plätze vorn im Bus reserviert, was nicht jedem passt. Gerangel im Eingang. Man hat keine Zeit. Man ist schließlich im Urlaub!
Vielleicht haben sie auch alle einen Kater von den Ausschweifungen bei Musik und Tanz in der vergangenen Nacht, wer weiß das schon?
Ich setze meinen Weg fort und meine Nase führt mich zu einem gelb leuchtenden Rosenbusch jenseits der Rheinuferstraße. Vorüberhastende Passanten mustern mich misstrauisch, während ich meine Nase in die Blüten versenke.
Auf dem Weg zum Rosengarten passiere ich die leere und frisch gemähte Hundewiese. Im Hintergrund macht jemand Klimmzüge am Fahrradständer. Ich mag es, bei Regen durch die Stadt zu gehen - zumindest mit der Aussicht auf ein trockenes Heimbüro. Einzig umbrandet vom Rauschen der Einfallstraßen ist der Park eine grüne Insel der Ruhe.
Im Rosengarten stehen die Rosenblüten kurz vorm Platzen. Noch ein Sonnenstrahl und es geht rund. Niemand da, selbst meine beiden Morgenbekanntschaften, der Rosengartenhüter und der Stadtflaneur, sind nicht zu sehen. Ein Eichhörnchen hopst vorüber. Die Amseln machen Kontrollgänge auf den Wiesen und lauern unaufmerksamen Würmern auf.
Beim Hinausgehen mache ich ein Bild vom Festungsstaub. Hier stehen noch die Reste eines preussischen Forts, Teil des ehemaligen Festungsrings der Stadt Köln. Mit dem Staubbild grüße ich das Museum Burg Posterstein und Wolfgang Stöcker, Staubarchivar und Künstler aus Köln.
Auch die Stockrosen warten nur noch auf ein Zeichen der Sonne, um loszulegen. Am Büdchen ein Bild der Ruhe. Städte ohne Büdchen müssen traurige Orte sein. Denn an diesen Orten trifft sich die Nachbarschaft auf neutralem Boden und man hält ein gepflegtes Schwätzchen. Das tut allen gut.
„In der Provinz ist schon Regen eine Zerstreuung.“ (Edmond Huot de Goncourt)
Meine innere Provinz und ich platschen noch einmal frohgemut durch eine der Pfützen. Gut gelüftet, mit roten Wangen und erfüllt vom Grün öffne ich die Haustür. Ich vermisse ihr “Huch?!”. Ob der Nachbar, der hier mit WD40 am Werke war, es nun auch vermisst?
Garbage sah das mit dem Regen schon immer anders. Aber das Lied mag ich trotzdem immer noch: I’m only happy when it rains.