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PERSON 6 WARTET, OHNE DAS HANDOUT ZU LESEN; SAGT: „DANKE“ BEIM GEHEN
PERSON 5 (UGF. 11 J.) „WORAUF WARTEST DU DENN?”; RUFT MAMA AN, UM ZU FRAGEN, OB SIE SPÄTER NACH HAUSE KOMMEN DARF; WARTET MIT MIR
PERSON 3 „HI“; SETZT SICH NEBEN MICH, LIEST DAS HANDOUT UND WARTET
PERSON 2 LIEST DAS HANDOUT; „ICH KANN DIR SAGEN WORAUF ICH WARTE: AUF DEN TOD!“; GEHT UND KOMMT NACH EINIGER ZEIT MIT EINER BLUME WIEDER; SCHREIBT MIR PER E-MAIL EINEN LÄNGEREN TEXT
WARTE MIT MIR interaktive Performance März 2022
Dauer: ca. 8h
Ort: Neustädter Markt, Dresden
Fotos: Philipp Hille
An einem Montagmorgen setze ich mich um 8:15 Uhr auf eine Bank. Links und rechts von der Bank hängen zwei Stoffe mit den Fragen: „Was sind deine Aufgaben?“ und „Bist du mit deinen Aufgaben zufrieden?“. Einen ganzen Arbeitstag lang sitze ich auf der Bank und warte. Passant*innen sind dazu eingeladen, sich neben mich zu setzen und mit mir zu warten. Wie reagieren die Menschen auf mich? Wer kann sich von seinen Aufgaben lösen und trifft die Entscheidung, mit mir zu warten? Wie fühlt es sich an keiner Aufgabe nachzugehen? Wie fühlt es sich an, zu warten ohne auf etwas zu warten? Was tun die Menschen um uns herum?
Auf einem Handout steht geschrieben, dass ich nichts verändern, nichts vorantreiben, nichts bewegen möchte - so bleiben und im Stillstand sein. Ich bitte darum, nicht angesprochen zu werden. Eine E-Mailadresse ist angegeben, damit es dennoch die Möglichkeit gibt, eigene Gedanken, das Gesehene und Erlebte, mitzuteilen. Werde ich angesprochen, antworte ich nicht.
Sechs mir unbekannte Personen setzen sich neben mich mit auf die Bank. Nach sieben Stunden kommt eine Person auf mich zu, teilt mir mit, sie habe mich heute morgen schon sitzen sehen und fragt, warum ich denn immer noch hier säße, jetzt wo sie am Nachmittag ein zweites Mal an mir vorbeigeht. Ihr Bedürfnis mich anzusprechen, bewegt mich. Ich möchte wissen, was sie mir zu sagen hat - sie wirkt verärgert über mein provokantes Verhalten. Die Menschen im Unverständnis darüber, weshalb ich nicht auf sie reagiere, gehen zu lassen, löst mit der Zeit eine Unzufriedenheit in mir aus. Intuitiv entscheide ich mich, wider meines Konzepts zu handeln und mit ihr zu sprechen. Wir sitzen auf der Bank und diskutierten eine ganze Weile. Für die Frau und für mich wäre alles andere nicht zufriedenstellend gewesen.
Zwei Personen schreiben nachträglich eine E-Mail.