Kiloweise Weinempfehlungen - ein sächsischer Blick in die aktuellen Weinführer
Kiloweise haben die Fachverlage in den vergangenen Wochen wieder Weinführer unter die interessierten Genießer gebracht. Dresdenwein.de hat sich vier davon angeschaut. Zumindest auf Sachsen bezogen, ist im Vergleich zu den Vorjahresausgaben nicht viel an Neuigkeiten zu entdecken. Aufgepeppt und in Hardcover gebunden, hat der DLG-Verlag seinen „Wein-Guide 2015“.
Schon immer der glaubwürdigste aller Weinführer lohnt sich das Werk für Laien und Branchenkenner gleichermaßen. Genau genommen ist der unabhängige Wein-Guide der DLG ein kleines Lehrbuch, das weit über die reinen Weinbeschreibungen der
Bundesweinprämierungen
hinausgeht. Wohltuend: Auf subjektive Werturteile verzichten die Autoren und halten sich eher an Fakten.
Empfohlen werden unter anderem das Weingut Drei Herren aus Radebeul als Bundesehrenpreisträger in Bronze sowie die Sächsische Winzergenossenschaft Meissen. An der Bundesweinprämierung haben vergangenes Jahr ferner die Weingüter Hoflößnitz, Schloss Proschwitz und Schloss Wackerbarth teilgenommen.
Darf in fast keinem Weinführer fehlen: das Weingut Schloss Proschwitz des Prinzen zur Lippe.
Für viele noch ein Muss: der Gault Millau. Andere sehen den Stern des Klassikers zumindest in der gedruckten Version schon sinken. Wie eh und je nehmen sich die Autoren die Weine der Güter vor, die nach ihrer Meinung relevant sind - und die beim Gault Millau noch mitmachen wollen. Der Kenner der regionalen Weinszene, der gebürtige Dresdner Matthias Dathan, hat immerhin 14 sächsische Betriebe ins Buch gehoben. Sie dürfen sich zu den 1.000 besten Weingütern Deutschlands zählen – freilich nach der subjektiven Bewertung des Gault Millau. Spitzenbetriebe bleiben demnach Klaus Zimmerling und Schloss Proschwitz, gefolgt von Martin Schwarz und Schloss Wackerbarth sowie Karl Friedrich Aust. Hierbei haben in der Bewertung Zimmerling, Schwarz und Aust zugelegt und verdienen nach Ansicht von Matthias Dathan besondere Aufmerksamkeit in ihrer Klasse. Frédéric Fourré, Drei Herren, die Hoflößnitz, Vincenz Richter und das Rothe Gut sowie Haus Steinbach dürfen sich mit einer Traube als „zuverlässige“ Betrieb schmücken.
Überregional bekannt für Weine höchster Güte: das Weingut von Klaus Zimmerling.
Ein Weinblatt als Empfehlung hat der der Gault Millau an Kastler-Friedland, Lutz Müller und Andreas Kretschko verliehen. Ausgewählte Weine von vier weiteren Betrieben aus dem sächsischen Anbaugebiet – die Namen dieser Winzer sind dresdenwein.de bekannt – wurden nach Angaben von Sommelier Dathan ebenfalls noch verkostet. Diese Bewertungen sollten eigentlich in der für Käufer des Buches kostenlosen Internetausgabe erscheinen. Rückfragen beim Verlag ergaben jedoch, dass nun doch darauf verzichtet wird. Bleibt diesen Weingütern die Erkenntnis, dass sie offenbar umsonst auf Anforderung ihre Weine eingeschickt haben.
9.400 Weine aus 850 Gütern hat der Eichelmann für seine 2015er Ausgabe nach eigenen Angaben verkostet. Sachsen kommt allerdings in dem dicken, gelben Wälzer wieder ziemlich kurz weg. Zwei Sterne gibt es für Schloss Proschwitz und anderthalb für das Weingut Vincenz Richter, beide Betriebe gelten damit als „gute Erzeuger“, sind aber weit von der Fünf-Sterne-„Weltklasse“ als höchste Bewertung dieses Weinführers entfernt. Das Staatsweingut Schloss Wackerbarth ist mit einem Stern ein „zuverlässiger Erzeuger“ und „scheint im Aufschwung begriffen“, schreibt Eichelmann. Andreas Ketschko ist nach Meinung des Weinführers noch immer für den Außenbetrieb verantwortlich, was nach unserem Stand nicht mehr so ganz aktuell ist.
Der Eichelmann sieht Wackerbarth im Aufschwung.
Das Traditionsgut Vincenz Richter unter Führung von Thomas Herrlich sei „immer eine sichere Bank“, schreibt der Eichelmann. Weiter heißt es: „Drei große Erzeuger dominieren in Sachsen, für kleinere Betriebe ist es schwer, außerhalb der Region Aufmerksamkeit zu finden.“ Das kann man so oder auch anders sehen. Es kommt auf den Anspruch der Betriebe an und auf die Menge, die überhaupt verfügbar ist für einen Vertrieb außerhalb Sachsens. Gewöhnungsbedüftig bleibt im Eichelmann die alphabetische Sortierung der Güter über alle 13 Anbauregionen hinweg.
Schließlich flatterte Anfang dieses Jahres noch der falstaff Weinguide 2015 ins Haus, der 1800 Weinempfehlungen von 320 Weingütern beinhaltet und zudem 150 Gasthäuser in den Weinregionen vorstellt. Im Einführungstext zu Sachsen widmet sich Autor Axel Biesler wie im zuvor im falstaff-Heft bereits den Klassikern: Klaus Zimmerling, Karl Friedrich Aust, Georg zur Lippe, Anja Fritz und Martin Schwarz werden bedacht und folglich empfohlen.
Der falstaff-Weinguide gibt dem Weißburgunder aus dem Weingut Jan Ulrich 88, dem Goldriesling 90 von 100 Punkten.
Tim Strasser vom Rothen Gut hat der Autor als „Shootingstar des Weinszene in Sachsen“ ausgemacht, was mengenmäßig für den jungen Betrieb zweifelsohne unumstritten gilt. Aber auch bei der Qualität ernten Strasser und sein Kellermeister Martin Biedermann viel Lob. Dem Jungwinzer Matthias Schuh bescheinigt der Autor „einen grünen Daumen und ein feines Gespür für den Grauburgunder“. Auch was im Keller der Schuhs aus Regent heranwächst, sei vielversprechend. Bewertet sind ausgewählte Weine von Aust, Drei Herren, Loose, Proschwitz, Strasser, Schuh, Schwarz, Wackerbarth, Ulrich und Zimmerling. Damit bietet das Buch einen angemessenen Überblick über die sächsische Weinwelt. Empfohlene Gasthäuser sind übrigens die Karpfenschänke in Diera-Zehren, Charlotte K. und die Villa Sorgenfrei in Radebeul sowie das Lipp´sche Gutshaus in Zadel. Im Vergleich zum Gault Millau und zum Eichelmann kommt der falstaff-Weinguide erfrischend modern daher, die Texte sind weniger belehrend als im Gault Millau und weit weniger trocken als im Eichelmann.
Es bleibt bei den drei kommerziellen Weinführern letztendlich aber immer die Frage, wie glaubwürdig und unabhängig von kommerziellen Erwägungen die Bewertungen sind und wie (un)voreingenommen die Autoren – zumal teilweise offen verkostet wird.
Ganz sicher käuflich zu erwerben sind alle Bücher:
· DLG Weinguide für 19,90 Euro
· Gault Millau für 29,99 Euro
· Eichelmann für 29,95 Euro
· falstaff Weinguide für 19,90 Euro
Text/Fotos: Lars Müller
Hinweis: Die Weinführer wurden dresdenwein.de für die Berichterstattung von den Verlagen zur Verfügung gestellt.














