„Weltproben - Eine Versammlung“ beim ASPHALT-Festival
Am Freitag, 15.07.2016 fand die Düsseldorfpremiere von Drama Kölns „Weltproben - Eine Versammlung“ im Rahmen des ASPHALT-Festivals statt. Die Ankündigung versprach eine Theaterperformance im öffentlichen Raum, eine Auseinandersetzung mit möglichen inszenierten Teilen des Alltags, eine Spielwiese in der Realität, ein teilnehmendes Beobachten. Eine vielversprechene Mischung, vor allem für Zuschauer, denen Konzepte von Kollektiven wie machina eX oder der geheimagentur vertraut sind.
An der Abendkasse wurden die Zuschauer, welche später selbst Akteure sein sollten, zum Oberbilker Markt geschickt und nahmen gegen Nennung eines Kennwortes an verschiedenen Orten (Kiosk, Kneipe etc.) Funkkopfhörer entgegen - kurzes Agentenfeeling im urbanen Raum und die spannende Frage, was als nächstes auf einen zukommt. Ein ebenfalls erhaltener Brief informierte über den groben Ablauf und die Regeln der folgenden Stunden. Über den Kopfhörer würden die Akteure des Stadtraumkommandos dem Publikum Informationen und Anweisungen geben und sie so zum Teil der Performance werden lassen.
Das oberste Gebot war hierbei ein möglichst unauffälliges Verhalten. Jeder auf dem Platz könnte Teil der Performance und Inszenierung sein, doch diese spannende Prämisse wurde recht schnell ausgehebelt. Wer eigene Ohrstöpsel dabei hatte, konnte diese in den großen Kopfhörer einstecken und das klobige Utensil in der Tasche verschwinden lassen. Wer auf diese Möglichkeit nicht zurückgreifen konnte, nahm mit einem leider sehr auffälligen Accessoire an der Performance teil; eine kurze Vorabinfo bei der Kartenreservierung hätte das vermeiden können.
Die Zuschauer wurden nach Beginn der Performance in Gruppen aufgeteilt und absolvierten verschiedene Stationen, die durch Ansagen über die Kopfhörer angekündigt und erklärt wurden. Mal ging es darum, eine Sequenz auf dem Platz zu beobachten, seine Eindrücke zu schildern und zu vermuten, was echt und was inszeniert war, ein anderes Mal wurde man in ein nahe gelegenes Hotel geleitet und erhielt dort kleine Performance-Aufträge und Requisiten.
Die Umsetzung des spannend klingenden Konzeptes hinkte an ein paar Stellen. Die einzelnen Stationen und Performance-Aufträge wirkten zum Teil beliebig und der Abend war schließlich eine Stunde länger als angekündigt. Ein Mal landete die Gruppe sogar in einer Sackgasse, als sie den Weg eines beschriebenen alten Mannes nachspielen und in der St.-Josef-Kirche eine Kerze entzünden sollte, aber ohne Funkempfang vor verschlossenen Türen endete.
Ein starker Moment war der Besuch einer verlassenen Kfz-Werkstatt in einem Hinterhof in der Josefstraße. Hier bildeten der Ort und eingespielte Anrufbeantworter-Nachrichten eine dichte Atmosphäre und ließen mehr von der Geschichte des erwähnten alten Mannes erahnen. Als Zuhörer und Performer wünschte man sich mehr solcher Momente, mehr miteinander verbundene Geschichten und etwas mehr Theater.
Obwohl der Oberbilker Markt Herzstück der Performance sein sollte und am Ende der Platz und alle Akteure und Passanten einen Applaus mitsamt ausgerolltem roten Teppich erhielten, erzeugten eher genau die Aufträge Spannung, welche die Zuschauer vom Platz weg gehen und an anderer Stelle etwas erfahren oder erledigen ließen.
(dp)












