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Hallo verkehrte Welt - Hallo Sweater Form of Interest Stell dich auf den KOPF und ändere deine Betrachtungsweise!
überschätz dich nicht, denn der verlust eines einzigen menschen kann dich komplett aus der bahn werfen.
Info-Freitag: Der Erste Weltkrieg
Kaum wenige Tage ist es her, dass weltweit an das Ende des Ersten Weltkriegs erinnert wurde. Viele Länder haben den 11. November gar zu einem ihrer Feiertage auserkoren. Andere wiederum, verbinden jenen entscheidenden Tag mit der eigenen Unabhängigkeit. Ganz andere wiederum feiert an diesem Datum den Beginn einer ganz besonderen Jahreszeit, die mit viel Alkohol und Kostümierung lockt. Viele unterschiedliche Gefühle vereinen sich auch heute noch mit den Ereignissen aus dem ersten großen Krieg, der die ganze (industrialisierte) Welt in Atem hielt. Und doch bleibt die Frage, was an diesem verheerenden Krieg so bedenkenswert sei.
Wir könnten an dieser Stelle tausende Zahlen und Statistiken zu Rate ziehen, die in den letzten bald hundert Jahren zu diesem Bereich der Geschichte entstanden sind. Aber es macht nicht viel Sinn. Es sind Dimensionen, die weit hinter der menschlichen Vorstellungskraft liegen.
Mit einem überflüssigen Attentat hat der ganze Mist angefangen. Nationales Ehrgefühl wurde verletzt. Bündnisse aus längst vergangener Zeit wurden wieder hervorgekramt, nur, um endlich mal einen Krieg zu führen. Denn in Europa war es die letzten knapp dreißig Jahre recht ruhig geworden, was das Säbelrasseln anging. Vielmehr taten es auch die letzten entstandenen Königreiche, wie Deutschland oder Italien, ihren großen Vorbilder Großbritannien, Niederlande oder Frankreich gleich. Man trieb das wirtschaftliche Wachstum der eigenen Länder voran anstatt mal wieder einen richtig sinnlosen Krieg zu führen. Hinzu gesellte sich etwas, dass den widerwärtigen Namen „Nationalgefühl“ trug und bis dato recht unbekannt gewesen war. Sicher, man konnte sich auch vorher als Deutscher, Franzose, Brite, Österreicher oder Prinzessin Lilifee fühlen. Doch die mentale Abgrenzung von anderen soeben erst entstandenen Staatsgrenzen und der eigene Erfolg, in Afrika und Asien andere Völker unterworfen zu haben, steigerte diese krankhafte Selbstverherrlichung. Man war etwas, weil man vermeintlich etwas konnte. Wie ihr seht: Auch damals konnte man sich wunderbar selbst verarschen. Wer am lautesten krähte, war zwar laut, aber besaß noch lange kein Recht wie die Axt im Walde zu agieren.
Neben diesem übersteigerten Egotrip hatten die technischen Errungenschaften um die Jahrhundertwende ganz spannendes Kriegsgerät hervorgebracht, welches noch nie zuvor getestet worden war. Nun machte die Gelegenheit Diebe. In kürzester Zeit konnten nun Dank Flugzeugen, U-Booten oder Panzer weite Strecken hinter sich gelassen werden. Und dies brachte den Krieg auch in unbekannten Dimensionen. Nicht nur auf Kontinentaleuropa, sondern auch weit darüber hinaus konnten Elend und Verderben den Menschen nähergebracht werden. Natürlich latschten immer noch Soldaten quer durch Europa. Aber die Art und Weise, wie dank Technik nun Krieg geführt werden konnte, war neu. Denn auch der jahrhundertelang praktizierte Mann-gegen-Mann-Einsatz war nun vorüber. Schnellfeuerwaffen und Giftgas überwanden eine weitere Distanz und konnten gar mit einem Mal mehrere Menschen töten. Welch grausame Spielzeuge alle Kriegsbeteiligten sich da hatten einfallen lassen…
In vier Jahren verhärteten Stellungkriegs starben schätzungsweise rund 14 Millionen Zivilisten und Soldaten. Weitere mindestens 21 Millionen Menschen wurden in diesem Zusammenhang verwundet. Soweit an dieser Stelle nun doch eine nüchterne Zahl für alle Statistik-Junkies. Nord- sowie Zentralfrankreich und Belgien wurden als Hauptkriegsschauplatz bald komplett dem Erdboden gleichgemacht. Wie viele Menschen in den Nachkriegsjahren in Folge von Zerstörung noch unter Missernten, Eigentumsverlust oder Existenzaufgabe litten, sagen die Statistiken nicht. Sie sprechen genauso wenig von allen traumatisierten Zivilisten und Soldaten. Genauso wenig wird auf die politischen Verantwortlichen eingegangen. Alle wollten den Krieg. Die einen mehr, die anderen vielleicht weniger. Aber letztlich ging es ihnen allen um ein Kräftemessen in Europa.
Und heute? Nächstes Jahr feiern wir das Ende des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal. Viele Dokumentationen, Filme, Bücher, Veranstaltungen oder auch Kundgebungen werden uns daran erinnern, welchen Bockmist frühere Generationen verzapft haben. Wir werden alle daran erinnert, wie gut wir es heute haben. Auch wenn wir es zum Glück nicht nachvollziehen können, wie sich Krieg anfühlen muss, so werden wir still den Toten gedenken. Doch vielleicht sollten wir uns lieber Gedanken darübermachen, das Krieg immer noch sehr präsent auf der Welt ist. Auch wenn wir in Europa einer Friedenszeit beiwohnen, so sterben Menschen an anderen Ecken der Welt jeden Tag. Und der Erste Weltkrieg, was brachte er der Welt? Viele autoritäre Regime, die kaum eine Generation später einen weiteren Weltkrieg anzettelten. Vielleicht war die Zeit noch nicht reif genug für unsere vielgeschätzten Demokratien. Vielleicht mussten die Menschen nochmals merken, was es heißen mochte, die eigene Nation über andere stellen zu wollen. Doch vielleicht sind wir hier in Europa unserer heutigen Ruhe auch nur zu sicher.
Der Erste Weltkrieg ist immer noch präsent. Fern der Städte gammeln Tonnen von alter Munition und Kriegsgerät in Frankreich und Belgien dahin. Teils unter einer notdürftigen Erdschicht, teils einfach dort wo die Schlachten tobten, laufen täglich giftige Stoffe in das Grundwasser. Man hat sie einst dort zusammengetragen und der Witterung überlassen. Man war schlicht überfordert, sie vernünftig zu entsorgen. Sie sind stille Mahner für den Frieden. Und doch auch stumme Zeugen für weitere Kriege, vor denen wir uns heute stets zu sicher fühlen.