InfoFreitag, heute: Auf in die Manege!
Heutzutage häufig nur noch mit Tierquälerei-Vorwürfen behaftet, ist der Besuch eines Zirkus ein Vergnügen, das sich schon die Menschen im 18. Jahrhundert gönnten. Man konnte dort artistische Kunststücke bestaunen, über die Scherze von Clowns lachen oder wilde Tiere dabei beobachten, wie sie durch brennende Reifen sprangen. Vor allem letzteres steht in der Kritik – und das zurecht, obwohl laut EU-Abstimmung von 2005 Tierdressuren offiziell zum kulturellen Erbe des Zirkus gehören.
Den Zirkus gibt es schon lange, könnte man mutmaßen. Das stimmt, aber mit seinem Namensvetter, dem „Circus Maximus“ ist er dann doch nicht so eng verwandt wie man denken könnte. Auch in diesem architektonischen Meisterwerk römischer Baukunst stellte man sich wie im heutigen Zirkus zur Schau. Dort fanden Wagenrennen und Tierkämpfe statt, in denen sich Gladiatoren oftmals nicht freiwillig mit wilden Tieren messen mussten. Für die Menschen im antiken Rom war das auch Unterhaltung, allerdings eine ganz andere Art von Zeitvertreib als in der heute bekannten Form des Zirkus. Dieser fand in seinen Anfängen zwar oftmals auch in Gebäuden statt – das Zelt als Veranstaltungsort gab es erst im 20. Jahrhundert – aber dort ging es um die humorvolle Unterhaltung des Publikums. Der Besucher sollte staunen, fasziniert sein und nicht der antiken Form der Formel 1 oder dem blutigen Vergnügen eines Kampfes auf Leben und Tod beiwohnen.
Obwohl die Tierdressur heute ziemlich in der Kritik steht, begann der Zirkus wie wir ihn heute kennen tatsächlich im England des 18. Jahrhunderts mit der Pferdedressur. Mensch und Pferd führten spektakuläre Kunststücke auf und unterhielten damit ihr zahlendes Publikum. Irgendwo von musste man ja leben. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Programmpunkte dazu, sodass eigentlich für jeden Geschmack das passende dabei war. Denn die Besucher sollten staunen über diese fremde Welt voller Zauber, Menschen, die Unmögliches leisteten, zum Lachen brachten und Tieren, die nicht nur durch ihre Exotik punkteten, sondern auch dadurch, dass sie Kunststücke aufführten. Dadurch, dass Zirkusse in Europa oftmals familiengeführte Wanderzirkusse waren, mussten die Menschen auch keine weiten Strecken auf sich nehmen, um Teil dieses Vergnügens zu werden, sondern der Zirkus kam zu ihnen. Das war in Zeiten, wo die Menschen noch nicht so mobil waren wie heute – immerhin können wir uns einfach in Auto, Zug oder Bus setzen und damit rein theoretisch bis ans Ende der Welt fahren – ziemlich praktisch.
Was jetzt nach einer glorreichen Zeit voller Wunder und Abenteuer für die Besucher und einem aufregenden Wanderleben für die Zirkusmitarbeiter klingen mag, war es vielleicht auch. Zwar wurden die Darsteller oftmals sehr schlecht bezahlt und die Vorwürfe der Tierquälerei kommen nicht von ungefähr, doch das tat der Beliebtheit von Zirkussen keinen Abbruch. In Amerika gab es ab Anfang des 20. Jahrhunderts noch die sogenannte Freakshow, die oftmals in kleineren Zelten neben dem eigentlichen Zirkus stattfanden. Dort stellten sich Kleinwüchsige, bärtige Damen, stark Tätowierte oder andere „Freaks“ zur Schau. Die Tätowierten zum Beispiel erzählten bei ihren Auftritten gerne bunte Geschichten wie sie zu der Kunst auf ihrer Haut gelangt waren – oftmals in jeder Stadt etwas anderes.
Bis heute ist der Zirkus – vielen wohl durch das jährliche Zirkusfestival von Monte Carlo – uns allen ein Begriff. Clowns sind manchmal gruselig (verständlich), Artistik erstaunlich (wie die durch die Lüfte fliegen!) und Tierdressuren faszinierend, aber auch ziemliche Tierquälerei. Dennoch bleibt der Zauber bestehen – und wenn wir ehrlich sind, der Zirkus ist immer noch eine beliebte Unterhaltung.












