Wende dich nicht denen zu, die sich abwenden, wer bei dir sein will, läuft dir entgegen.
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Wende dich nicht denen zu, die sich abwenden, wer bei dir sein will, läuft dir entgegen.
🇩🇪
Ich bin ostdeutsch, nicht wütend.
Eigentlich bin ich gar nicht wütend.
Und ich glaube, viele Menschen hier im Osten sind das auch nicht.
Es ist etwas anderes.
Resignation.
Diese leise Müdigkeit, die sich langsam in die Menschen frisst, wenn man jahrzehntelang dabei zusieht, wie Dinge verschwinden, die einmal selbstverständlich waren.
Ich bin auf einem Bauernhof in Mecklenburg-Vorpommern groß geworden. Zwischen Kälbern, Schwalben im Stall und diesem besonderen Licht am frühen Morgen, wenn der Nebel noch über den Wiesen hängt und der Tag langsam nach Gras, Arbeit und Sommer riecht.
Und gleichzeitig bin ich in einer Zeit groß geworden, in der gefühlt jedes Jahr irgendwo etwas geschlossen wurde.
Kurz nach meiner Einschulung wurde unser Kindergarten dichtgemacht. Damals war das ein riesiger Aufschrei im Dorf. Menschen waren wütend. Es gab Diskussionen, Proteste und Unverständnis.
Später wurden zwei Grundschulen zusammengelegt. Wieder Protest. Wieder Diskussionen.
Buslinien verschwanden.
Ämter wurden zusammengelegt.
Ärzte gingen in Rente und kamen nie wieder.
Heute pendelt der ÖPNV hier teilweise alle vier Stunden.
Der Schulbus fährt morgens hin und nachmittags einmal zurück. 14 Uhr. Danach ist Schluss.
Und wissen Sie was heute passiert?
Nichts mehr.
Die Eltern organisieren Fahrgemeinschaften.
Die Großeltern springen ein.
Irgendwie wird es geregelt.
Pragmatismus und Resignation gehen hier mittlerweile Hand in Hand.
Und genau das verstehen viele Menschen außerhalb des ländlichen Ostens nicht.
Diese Entwicklung kam nicht plötzlich. Sie kam langsam. Jahr für Jahr. Immer ein kleines bisschen weniger Infrastruktur. Immer ein kleines bisschen weniger Staat. Immer ein kleines bisschen mehr Eigenorganisation.
Und irgendwann gewöhnt man sich daran.
Vielleicht liegt genau darin auch ein Teil des Problems.
Viele Menschen hier sind nach der Wende mit einem großen Versprechen groß geworden:
Wenn ihr euch anstrengt, wird alles besser.
Und vieles wurde besser. Keine Frage.
Die Häuser wurden saniert.
Straßen gebaut.
Betriebe modernisiert.
Menschen haben gearbeitet wie verrückt, sich Wohlstand aufgebaut und versucht, nach vorne zu kommen.
Aber gleichzeitig verschwand Stück für Stück vieles von dem, was früher gesellschaftlich selbstverständlich war.
Kindergärten.
Busverbindungen.
Dorfläden.
Ärzte.
Treffpunkte.
Sicherheit.
Man kann über die DDR sagen, was man möchte, und da gibt es genug zu kritisieren. Aber viele Menschen waren an einen Staat gewöhnt, der überall präsent war. Nicht immer frei. Nicht immer gerecht. Aber präsent.
Und nach der Wende kam Schritt für Schritt die Realität der Marktwirtschaft.
Was sich nicht lohnt, wird geschlossen.
Was keinen Gewinn bringt, wird eingespart.
Was wirtschaftlich keinen Nutzen hat, verschwindet.
Das ist kapitalistisch logisch. Aber menschlich hinterlässt es Spuren.
Denn ein Dorf ist keine Excel-Tabelle.
Ein Kindergarten rechnet sich vielleicht nicht immer.
Eine Buslinie auch nicht.
Ein Jugendclub erst recht nicht.
Aber wenn all das verschwindet, verschwindet irgendwann mehr als nur Infrastruktur.
Dann verschwindet das Gefühl, dass sich jemand kümmert.
Verantwortung
Was mir mittlerweile wirklich Angst macht:
Immer weniger Menschen wollen Verantwortung übernehmen.
Nicht, weil sie schlechte Menschen sind. Sondern weil Verantwortung heute oft bedeutet, sich freiwillig ins Kreuzfeuer zu stellen.
Eine Gemeinde ohne Bürgermeister.
Ein Verein ohne Vorstand.
Eine freiwillige Feuerwehr ohne Nachwuchs.
Das passiert längst nicht mehr nur irgendwo weit weg. Das passiert direkt vor unserer Haustür.
Und ehrlich gesagt wundert mich das kaum noch.
Unsere Debattenkultur ist seit Jahren komplett entgleist. Spätestens seit Flüchtlingskrise, Pandemie und Ukrainekrieg gibt es oft nur noch Schwarz oder Weiß.
Entweder bist du dafür oder dagegen.
Entweder Held oder Verräter.
Entweder links oder rechts.
Zwischentöne?
Kaum noch vorhanden.
Und wer heute Verantwortung übernimmt, bekommt selten Respekt dafür. Stattdessen steht man permanent unter Beschuss. Von allen Seiten.
Jeder weiß alles besser.
Jeder hat sofort eine Meinung.
Aber wenn es darum geht, selbst anzupacken, wird es plötzlich erstaunlich ruhig.
Aus sicherer Deckung meckern ist eben leichter.
Wie ein Heckenschütze mit WLAN.
Wer glaubt, alles besser zu können, soll bitte antreten.
Selbst kandidieren.
Selbst nachts zum Einsatz fahren.
Selbst Jugendtrainer werden.
Selbst Verantwortung übernehmen.
Denn genau diese Menschen halten Deutschland zusammen.
Die freiwillige Feuerwehr.
Der Vater, der nach Feierabend noch die F-Jugend trainiert.
Die Frau im Gemeinderat.
Die Leute vom DRK.
Die Landwirtin morgens um fünf im Stall.
Ohne Ehrenamt wäre Deutschland längst zusammengefallen wie ein morscher Gartenzaun im Herbststurm.
Und genau in diese Müdigkeit hinein stößt die AfD.
Mit einfachen Antworten auf komplizierte Probleme.
Alles ist plötzlich ganz simpel:
Die anderen sind schuld.
Die Ausländer sind schuld.
Die Politik ist schuld.
Europa ist schuld.
Und genau das macht mir Sorgen.
Denn Politik ist selten einfach. Gesellschaft schon gar nicht.
Aber einfache Antworten fühlen sich gut an, wenn Menschen müde, frustriert und enttäuscht sind. Genau deshalb funktioniert diese Rattenfänger-Mentalität gerade so gut.
Nicht weil plötzlich alle Menschen radikal geworden sind. Sondern weil viele aufgehört haben zu glauben, dass ihnen überhaupt noch jemand zuhört.
Vielleicht regt mich deshalb diese politische Entwicklung gerade so auf. Diese Karten im Fernsehen, auf denen Ostdeutschland mittlerweile fast komplett blau eingefärbt wird, als wäre hier nur noch Wut übrig geblieben.
Klar, für Populisten ist das ein Fest.
Aber vergessen wird dabei gerne:
Die Mehrheit hier wählt immer noch demokratische Parteien.
Das Land besteht nicht nur aus den Lautesten.
Ich werde den Aufschrei jedenfalls nie vergessen, als bekannt wurde, dass ich in die SPD eingetreten bin.
„Wie kannst du nur?“
„Bist du irre geworden?“
„Dieser Sauhaufen?“
Und nein.
Ich bin nicht eingetreten, weil ich Karriere machen möchte oder irgendwann in Berlin in einer Talkshow sitzen will.
Ich bin eingetreten, weil ich überzeugt bin.
Weil ich glaube, dass Solidarität kein Schimpfwort sein darf.
Weil ich überzeugt bin, dass ein Land nur funktioniert, wenn starke Schultern mehr tragen als schwache.
Und weil ich finde, dass Parteien nicht nur aus Akademikern und Politiksprech bestehen dürfen.
Auch Menschen mit Gummistiefeln dürfen politische Haltung haben.
Gerade kommunalpolitisch hat mich die SPD-Basis beeindruckt. Da sitzen Menschen nach Feierabend in irgendwelchen Gemeinderäumen und diskutieren ernsthaft darüber, wie man einen Kindergarten rettet, den Busverkehr erhält oder Sportvereine unterstützt.
Nicht glamourös.
Nicht perfekt.
Aber ehrlich.
Und vielleicht ist genau das etwas, das der Politik heute oft fehlt:
Ehrlichkeit.
Ich habe Herbert Wehner und Regine Hildebrandt nie selbst erlebt. Dafür bin ich zu jung. Aber ich mag diese Klarheit, die beide hatten. Dieses Gefühl, dass dort Menschen gesprochen haben und keine Pressesprecher in Menschengestalt.
Politiker mit Haltung. Mit Fehlern. Mit Temperament. Aber eben auch mit Rückgrat.
So richtig bewusst erlebt habe ich eigentlich erst Martin Schulz. Und ja, heute lachen viele darüber. Aber damals war da plötzlich etwas, das lange gefehlt hat:
Hoffnung.
Endlich mal jemand, der nicht geschniegelt wirkte wie ein Unternehmensberater aus einem Motivationspodcast. Sondern wie ein Mensch.
Denn genau das ist doch die eigentliche Krise.
Nicht nur kaputte Straßen oder fehlende Lehrer.
Sondern dass viele Menschen das Gefühl verloren haben, überhaupt noch gehört zu werden.
Jeder schreit.
Niemand hört mehr zu.
Und irgendwo dazwischen sitzen die Menschen, die einfach nur ein vernünftiges Leben führen wollen.
Mit Arbeit, die reicht.
Mit Schulen, die funktionieren.
Mit Dörfern, die nicht verschwinden.
Mit einem Staat, der unterstützt statt nur verwaltet.
Und vielleicht bin ich genau deshalb nicht wütend.
Sondern traurig darüber, wie viel verloren gegangen ist.
Und gleichzeitig beeindruckt davon, wie viele Menschen trotzdem jeden Tag weitermachen.
Vielleicht ist das die eigentliche ostdeutsche Eigenschaft:
Nicht die Wut.
Sondern dieses stoische:
„Hilft ja nichts. Machen wir weiter.“ 🌾🖤
🇬🇧
I’m East German, Not Angry.
Truthfully, I’m not angry at all.
And I think many people here in Eastern Germany aren’t either.
It’s something else.
Resignation.
That quiet exhaustion that slowly settles into people when they spend decades watching things disappear that once felt completely normal.
I grew up on a farm in Mecklenburg-Western Pomerania. Between calves, swallows flying through the barn, and that unique morning light when fog still hangs over the fields and the day slowly begins to smell like grass, work, and summer.
At the same time, I grew up in a period where it felt like something closed down every single year.
Shortly after I started school, our kindergarten was shut down. Back then, the entire village was outraged. People protested. They argued. They cared.
Later, two elementary schools were merged into one. Again there was outrage.
Bus lines disappeared.
Public offices were merged.
Doctors retired and were never replaced.
Today, public transport in some places only runs every four hours.
The school bus comes once in the morning and once in the afternoon. 2 PM. That’s it.
And do you know what happens now?
Nothing.
Parents organize carpools.
Grandparents step in.
People somehow make it work.
Pragmatism and resignation now walk hand in hand.
And that is exactly what many people outside rural Eastern Germany fail to understand.
This decline did not happen overnight. It came slowly. Year after year. A little less infrastructure. A little less state presence. A little more self-organization.
And eventually, people get used to it.
Maybe that is part of the problem.
After reunification, many people here grew up with a promise:
If you work hard, everything will get better.
And many things did improve.
Houses were renovated.
Roads were rebuilt.
Businesses modernized.
People worked incredibly hard, built a life for themselves, and tried to move forward.
But at the same time, many things that once felt socially guaranteed slowly disappeared.
Kindergartens.
Bus connections.
Village shops.
Doctors.
Community spaces.
Security.
You can criticize the GDR for many things, and rightly so. But many people were used to a state that was always present. Not always free. Not always fair. But present.
And after reunification came the reality of the free market.
If something isn’t profitable, it gets closed.
If it doesn’t generate revenue, it gets cut.
If it has no economic value, it disappears.
That may make sense economically. But emotionally, it leaves scars.
Because a village is not an Excel spreadsheet.
A kindergarten may not always be profitable.
Neither is a bus line.
Or a youth club.
But when all of that disappears, something bigger disappears too:
The feeling that someone still cares.
Responsibility
What genuinely worries me today is this:
Fewer and fewer people are willing to take responsibility.
Not because they are bad people. But because taking responsibility today often means voluntarily stepping into a battlefield.
A municipality without a mayor.
A sports club without a board.
Volunteer fire departments with no new recruits.
This is no longer happening somewhere far away. It’s happening right in front of us.
And honestly, I understand why.
Public debate has completely deteriorated over the last years. Since the refugee crisis, the pandemic, and the war in Ukraine, everything has become black and white.
You are either for something or against it.
Either hero or traitor.
Either left or right.
Nuance barely exists anymore.
And people who step up and take responsibility rarely receive respect for it. Instead, they are attacked from every direction.
Everyone knows better.
Everyone has an opinion.
But when it comes to actually doing something themselves, things suddenly become very quiet.
Complaining safely from behind a screen is easier.
Like being a sniper with WiFi.
If people believe they can do everything better, then they should step forward.
Run for office.
Coach the youth team.
Drive to emergencies at night.
Take responsibility.
Because these are the people holding Germany together.
Volunteer firefighters.
Parents coaching children after work.
Women in local councils.
The Red Cross volunteers.
Farmers in the barn at five in the morning.
Without volunteer work, Germany would have collapsed long ago.
And into this exhaustion steps the AfD.
With simple answers to complicated problems.
Suddenly everything becomes easy:
The others are to blame.
Immigrants are to blame.
Politicians are to blame.
Europe is to blame.
And that worries me deeply.
Because politics is rarely simple. Society certainly isn’t.
But simple answers feel comforting when people are exhausted, frustrated, and disappointed. That is exactly why this populist “pied piper” mentality works so well right now.
Not because everyone suddenly became radical.
But because many people stopped believing that anyone still listens to them.
And maybe that is why these election maps on television upset me so much. The ones painting East Germany almost entirely blue, as if only anger remains here.
For populists, it’s a perfect image.
But people forget:
Most people here still vote for democratic parties.
This region is not just the loudest voices.
I will never forget the outrage when people found out I joined the SPD.
“How could you?”
“Are you insane?”
“That corrupt mess of a party?”
But no.
I did not join because I want a political career or dream of sitting in Berlin talk shows.
I joined because I believe in something.
I believe solidarity should never become a dirty word.
I believe a country only works when stronger shoulders carry more than weaker ones.
And I believe political parties need more than academics and polished political language.
People in rubber boots deserve a political voice too.
Especially at the local level, the SPD grassroots genuinely impressed me. People sitting in community halls after work discussing how to save kindergartens, maintain bus routes, and support local clubs.
Not glamorous.
Not perfect.
But honest.
And maybe honesty is exactly what politics is missing today.
I never personally experienced Herbert Wehner or Regine Hildebrandt. I’m too young for that. But I admire their clarity. The feeling that actual human beings were speaking, not media-trained spokespersons.
Politicians with convictions. With flaws. With temperament. But also with backbone.
The first politician I truly experienced consciously was Martin Schulz. And yes, people laugh about it today. But back then, something suddenly returned that had been missing for a long time:
Hope.
Finally someone who did not look like a corporate consultant from a motivational podcast. But like a real person.
Because maybe this is the real crisis.
Not just broken roads or missing teachers.
But the fact that many people no longer feel heard at all.
Everyone is shouting.
Nobody is listening.
And somewhere in between are ordinary people who simply want a decent life.
Work that is enough.
Schools that function.
Villages that survive.
A state that supports instead of merely managing decline.
And maybe that is why I’m not angry.
I’m sad about how much has been lost.
And at the same time deeply impressed by how many people still keep going every single day.
Maybe that is the true East German characteristic:
Not anger.
But this stubborn attitude of:
“Well… no use complaining. We keep going anyway.” 🌾🖤
BY THE WAY!!!!!! IF U EVEN CARE!!!!
What’s left from 89 ? #leipzig #1989 #wende #3rdviewphotographyberlin #urbanphotography #thelastwall #schwarzweissfotografie (hier: Leipziger Innenstadt) https://www.instagram.com/p/CQXsoFKDzpO/?utm_medium=tumblr
Calypso: Today I had 800 mg caffeine, exercised for two hours, literally ate 80 pizza rolls and took a long, relaxing bath.
Wende: The line between self-care and self-destruction is a fine one, but boy, do you walk it hard.
@no-luck-styn
Wendepunkt
Wie schön ist es doch
Am Wendepunkt zu stehen.
Dem eignen Sein
Nun wieder mehr
Entgegen zu gehen.
Ich denke an die
Somnersonnwende
Die wie in unsrem
Seelenheil
Den längsten Tag
Ermöglicht.
Free As A Bird, Paper Cut Out . #cutouts #paperworks #handmade #ddr #rosifeist #illustration #design #brd #wende #gorbatschow #paperart #artwork #honecker #deutscheeinheit #wirsinddasvolk #9november #freiheit #mauerfall #40jahreddr #antifaschistischerschutzwall #staatssicherheit #deutschedemokratischerepublik #grenze #mauer #berlinermauer #bird #vogel #gdr #berlin #30jahremauerfall (hier: Berlin, Germany) https://www.instagram.com/p/B4o8ZRrir3h/?igshid=1s92qnkgeqhzc