Zweite Oktoberhälfte 2020
Der Kartoffelautomat von Pittenweem (bereitet uns Freude)
Wir haben unsere Einkaufsgewohnheiten der Pandemie angepasst: Einmal die Woche gehe ich zum Bioladen im Dorf. Dort gibt es nur haltbare Lebensmittel, nichts Frisches, aber dafür ist man meistens allein im Laden. Ich trage dabei eine FFP2-Maske und benutze einen Einkaufszettel, denn alles Vergessene muss eine Woche warten. Einmal die Woche tätigt Aleks eine “Click & Collect”-Bestellung im mittelgroßen Supermarkt im Nachbarort. Man darf nur maximal 30 Dinge bestellen, muss also ebenfalls gut planen. Die Abholung ist etwas suboptimal gelöst, man muss trotzdem den Supermarkt betreten und dort eine Mitarbeiterin finden, die man bitten kann, einem die Bestellung aus dem Lager zu holen, aber das Infektionsrisiko ist sicher niedriger als bei einem regulären Einkauf. Aleks muss inzwischen nicht mal mehr seinen Namen nennen bei der Abholung, was bedeuten könnte, dass er der Einzige ist, der von “Click & Collect” Gebrauch macht. Liefern lassen ist nach wie vor keine Option, die liefernden Supermärkte sind alle überlastet.
Manche Bauernhöfe der Umgebung haben eigene Farmshops, von denen ich mir erhoffe, dass man dort vielleicht frische Lebensmittel kontaktlos kaufen könnte. Einer ist ein richtiger Laden, das kommt also nicht in Frage. Einer ist eine kleine Hütte an der Straße, in der man laut Facebook manchmal auf Ehrlichkeitsbasis einkaufen kann. Bei unserem Besuch arbeitet dort leider eine Person und wir gehen weiter. Aber ein dritter enthält nur Automaten:
Man kann dort Kartoffeln kaufen, Eier, Erdbeeren, ein fertiges Gemüsesortiment aus Broccoli, Möhren und Zwiebeln sowie Erdbeersirup, den ich für ein selbstgemachtes Nebenprodukt des Erdbeeranbaus halte. Später wird er sich als billige Mixtur aus Zucker, Aroma und Farbstoff erweisen.
Exkurs: Schottland hat, was man nicht unbedingt erwartet, viel einheimischen Erdbeer- und Himbeeranbau, der mit Hilfe osteuropäischer Arbeitskräfte in Plastiktunnels stattfindet. Diese Plastiktunnels befinden sich zwar auf Äckern, mit dem vorhandenen Ackerboden hat das Anbausystem aber nichts mehr zu tun.
Der Erdbeeranbau funktioniert dank des milden Klimas offenbar bis in den November hinein. Der Bauernhof mit dem Verkaufsautomaten heizt seine Erdbeertunnels zusätzlich mit einem “biomass system”. Die meisten Bauernhöfe der Umgebung haben außerdem eigene Windkraftanlagen. Biologische Landwirtschaft gibt es hier praktisch nicht, es kommt alles aus konventionellem Anbau.
In allen Supermärkten und sonstigen Läden hängen Schilder, die aus Hygienegründen um meistens kontaktlose, auf jeden Fall aber bargeldlose Bezahlung bitten. Hier benötigen wir jetzt zum ersten Mal seit Monaten Bargeld. Aber wir sind vorbereitet und haben welches mitgebracht.
Nachdem ich versehentlich zwölf Eier statt zwei Packungen Erdbeeren gekauft habe, finde ich heraus, dass es in dieser Hütte zwei separate Automaten mit separaten Bedienpanels gibt. Die Nummern der Fächer sind doppelt vergeben und man muss beim Kauf besser aufpassen als ich. Aber! Der zweite Teil des Automaten akzeptiert auch kontaktlose Kartenzahlung. Beim nächsten Mal weiß ich Bescheid. Mit Erdbeeren, Eiern, Erdbeergeschmackssirup und Kartoffeln beladen treten wir den Heimweg an. Ohne zusätzliches Infektionsrisiko ist es uns gelungen, frische Lebensmittel zu erwerben. Die Erdbeeren schmecken nicht gut genug, um ihre Anbaubedingungen zu rechtfertigen, die Eier stammen bestimmt nicht von glücklichen Hühnern, aber die Kartoffeln sind gut und würden uns, wenn wir dieselbe Menge im “Click & Collect”-Verfahren kaufen wollten, nicht nur mehr Geld, sondern auch 6 von den zulässigen 30 Items kosten.