Woche 8
Es ist dunkel, undeutliches Gemurmel schwebt über dem Raum mit dem unheilschwangeren Namen «Vortragssaal». Erst als die Lautsprecher verstummen, verstummen auch die Stimmen im Dunkel. Ganz so zahlreich wie es hätte erscheinen können, ist das Publikum nicht erschienen, aber – immerhin – einige Stühle sind besetzt und es befindet sich mindestens eine Alumna unter den Besuchern, meine Freundin I.
Aufmerksam richten sich Augenpaare nach vorne als B.v.d. die Bühne betritt und ihren Film anmoderiert. Ein Screening wird es sein mit anschliessender Fragerunde. Die Stippvisite meiner Freundin I. ist leider schon zu Ende, bevor die Veranstaltung richtig losgeht. Was wirklich schade ist, hätte sich doch zur Denkleistung auch in fremden Zungen beitragen können.
Da steh ich nun... Der Film startet und nach etwa einer Stunde mag man sich denken: «Da sitz ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.» Das stimmt dann aber doch nicht so ganz, wie man schnell feststellen soll, wenn man sich nur mal auf dem Nachhauseweg befindet und Zeit und Musse hat, die Gedanken kreisen zu lassen.
Das, nämlich, war während der mehr als peinlichen Fragerunde nicht ansatzweise möglich. Bemühte, mühsam vorgebrachte Anliegen unterbrachen die Gedanken immer und immer wieder, so dass man – unfähig eine klare Frage zu formulieren – lieber still sitzt und darauf wartet, man möge endlich entlassen werden.
Unter all den bemühten, mühsam vorgebrachten Fragen und Selbstdarstellungen hat es denn auch nur einen klugen Beitrag gehabt: «War es Absicht, dass die ganzen grossen Denker und Philosophen aus der alten Welt, also Europa, stammen und die ganzen technik-verrückten Mediennarren aus der neuen und der asiatischen Welt?» B.v.d. ist überrascht, vielleicht ein bisschen irritiert, aber auch amüsiert und antwortet: «No, it wasn't deliberate. But you're right.»
Textsorte: Kurzer Erlebnisbericht mit Elementen der Rezension






