LiteraTour d’Horizon: «Deshalb ist Demokratie niemals Zeitverschwendung»
Rezension zu «Zwischen Welten»
«… es ist toll, wie offen du bist. Und ja, ich verstehe dich. Ich glaube, wir sind uns (nicht nur du und ich, sondern die Gesellschaft im Ganzen) ziemlich einig, was die Ziele betrifft. Die Frage ist nur, wie man dahin kommt. Und, ob es um jeden Preis sein darf. Aus meiner Sicht, ist um jeden Preis immer falsch. Man muss immer nach den Kosten fragen, immer eine Abwägung vornehmen. Deshalb ist Demokratie niemals Zeitverschwendung.»
Zwanzig Jahre liegen zwischen dem letzten Treffen von Kuhschwester79 und Mercurius, die eigentlich Theresa und Stefan heissen. Sie haben sich jetzt an der Aussenalster wiedergetroffen (zufällig), sind dabei aneinander geraten (weniger zufällig) und versuchen nun, ihre Lebenswelten wieder in Einklang zu bringen und vielleicht sogar die alte Freundschaft wieder zu beleben. Theresa hat damals ihr Studium in Münster abgebrochen, ist einigermassen überstürzt zurück in die ostdeutsche Provinz, hat dort den viel zu grossen und viel zu defizitären Hof ihres verstorbenen Vaters übernommen. Wobei «Hof» nicht ganz treffend ist, denn es ist ein grosser Betrieb mit vielen Kühen und einigen Angestellten, die alle auch ihr eigenes Leben und ihre eigenen Probleme haben. Stefan hingegen hat noch zu Studienzeiten das Magazin Heftig gegründet, ein linkes Aktivistending, das ihm den Weg in die Chefetage des traditionell-liberalen Flaggschiffs Bote geebnet hat. Dort ist er zum Zeitpunkt des Wiedersehens stellvertretender Chefredaktor, nutzt den Genderstern, denkt über veganen Lifestyle nach, arbeitet und trinkt zu viel.
Nach ihrem verheerenden Wiedersehen an der Hamburger Aussenalster trennen sich die Wege der beiden ehemaligen Wohngemeinschaftsgenossen wieder, aber sie beginnen, sich zu schreiben. Das Autorenduo Juli Zeh und Simon Urban wählt für die Form des Erzählens einen modernen Briefwechsel: Erst schreiben sich Theresa und Stefan ausführliche E-Mails, wechseln dann zu Messengerdiensten wie WhatsApp und später Telegram und – aus Gründen – verschlüsselten Diensten.
Buch und Geschichte funktionieren gut. Die Handlung ist klar, stimmig und trägt zuverlässig durch die Seiten. Überzeugend ist auch die Charakterentwicklung. Man kann beide irgendwie ganz gut verstehen. Der Plot selbst überrascht nicht ständig, und das ist gut so. Gerade darin liegt die Qualität des Romans: «Zwischen Welten» interessiert sich weniger für spektakuläre Wendungen als für das oft anstrengende Aushalten von Differenz. Theresa und Stefan stehen nicht für Gut und Böse, sondern für zwei legitime, allerdings nur schwer vereinbare Perspektiven auf Gegenwart und Verantwortung. Der Roman zeigt, wie schnell Verständigung in moralische Überhöhung kippt und wie viel Anstrengung und Willen es braucht, wieder zur Sache zurückzukehren. Demokratie wird wie nebenbei mitgeschrieben, nämlich als Haltung.
Bisweilen wirkt die gewählte Form zu gesucht, etwa wenn Theresa in einer Mail an Stefan ausführlich erzählt, wie sie ihr Wiedersehen erlebt hat, auch wenn nicht alles in aller Deutlichkeit ausgesprochen – ausgeschrieben – wird, wirkt die Unterhaltung gerade in den ersten Korrespondenzen stellenweise unnatürlich, wenn auch für die Leserschaft wichtig: «…und da stehst du plötzlich in der U-Bahn vor mir und breitest deine Arme aus. Wenn das kein Schicksal war. Danach ist das Ganze allerdings ziemlich aus dem Ruder gelaufen.» Gleichzeitig passt gerade diese Umständlichkeit zur Sache. Demokratie vollzieht sich nun mal selten in pointierten Dialogen, sondern in langen, mitunter umständlichen Erklärungen, in Missverständnissen, in Rücknahmen, in Anpassungen und feinen Justierungen. Dass nicht jede Mail literarisch elegant wirkt, ist vielleicht weniger Schwäche als Konsequenz der gewählten Perspektive: Wer sich wirklich verständigen will, muss sich wiederholen, rechtfertigen und muss – eben – aushalten.
«Zwischen Welten» ist weniger ein Roman über zwei Menschen als über die Zumutung der Gegenwart. Er zeigt, wie brüchig Verständigung geworden ist und wie notwendig sie bleibt. Wer wissen will, warum Demokratie anstrengend ist und gerade deshalb keine Zeitverschwendung, findet hier einen literarischen Versuch, der klüger ist als so manche politische Debatte.
Juli Zeh, Simon Urban: Zwischen Welten; Luchterhand Literaturverlag, München 2023; ISBN 9783630877419; 448 Seiten
LiteraTour d’Horizon | Was ist das?
«LiteraTour d’Horizon»: Was ist das? Tour d’Horizon bedeutet so viel wie «Überblick, Blickfeld», und die Literatour ist eine Wortschöpfung aus der Literatur und – eben – der Tour.
In loser Folge erscheinen in der LiteraTour d’Horizon Buchbesprechungen, meist von Wiederentdeckungen, hin und wieder auch von Neuerscheinungen und -entdeckungen. Dabei geht es mir nicht darum, brillante Verrisse zu schreiben, sondern das, woran ich Gefallen finde, zu erzählen. Für die Besprechung der Werke werde ich nicht bezahlt und auch sonst in keiner Weise unterstützt. Die LiteraTour d’Horizon ist vielmehr ein Liebhaberprojekt und der Versuch, schöne Werke aus den Bücherkisten zu holen und zugänglich zu machen.
Lese- und Besprechungstipps nehme ich allerdings gerne entgegen. Wer mag, darf mir auch Leseexemplare schicken, wobei ich mir ausdrücklich vorbehalte, von einer Besprechung abzusehen.
Weiter, immer weiter nur!
Folge besonnen der Spur
Folge ihr über Stock und Stein
Folge ihr durch Wald und über Wiese
Folge ihr durch Schluchten der Stadt
Folge ihr auf Gipfel und Grat
Folge ihr durch finstre Täler, hinaus aus dem Abgrund;
sie verliert dich nicht.
Folge nur,
folge deiner Spur
«Der Rabe wachte über mich, bis das Tageslicht kam. Dann flog er davon und liess mich allein mit den Toten zurück. Er wusste nicht, dass er mich vor dem Licht beschützen sollte, nicht vor der Dunkelheit.»
In ihrem Roman «Das Tal der Blumen» entführt uns die grönländische Autorin Niviaq Korneliussen in eine Landschaft von karger Schönheit und existenzieller Wucht: nach Ostgrönland, wo der titelgebende Ort – ein Friedhof – als Symbol für Trauer, Erinnerung und gesellschaftliche Verdrängung steht.
Die namenlose Protagonistin bewegt sich in einer seltsamen Mischung aus Gleichgültigkeit und tiefem Erleben durch die, durch ihre Geschichte. Sie taumelt, scheinbar unberührt und doch von jedem Augenblick tief durchdrungen, bis zum Ende. Dieses Schweben zwischen Nähe und Distanz macht die Lektüre gleichermassen intensiv wie verstörend. Der Ton ist direkt, frisch, ungeschönt. Korneliussen ist dabei niemals sentimental, sondern behält stets eine starke, unmittelbare Klarheit bei. Stossend ist, dass in der deutschen Übersetzung von Franziska Hüther stets von «Selbstmord» gesprochen wird, ist dieser Begriff doch stark negativ belastet. Immerhin rückt er den Suizid in die Nähe eines der schlimmsten Verbrechen, das verübt werden kann: Mord. Dabei ist der Suizid an sich wertfrei, er ist lediglich eine mögliche Handlungsoption des Menschen. Ansonsten scheint die Übersetzung aus dem Dänischen den unmittelbaren Ausdruck Korneliussens zu bewahren und dessen schonungslose Offenheit zu transportieren.
Dass die Autorin für «Das Tal der Blumen» als erste grönländische Autorin überhaupt mit dem Nordischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde, ist ein Zeichen dafür, dass eine Stimme zu hören ist, die nicht nur literarisch überzeugt, sondern auch gesellschaftlich dringend notwendig ist.
Denn das Buch ist mehr als eine individuelle Erzählung. In, aber vor allem zwischen den Zeilen klingt eine deutliche Kritik an: Grönland leidet seit Jahrzehnten unter einer erschütternd hohen Suizidrate – so sehr, dass es dafür gar einen eigenen Wikipedia-Eintrag gibt. Die Autorin benennt dies nicht mit Anklage, sondern mit literarischer Konsequenz. Indem sie nämlich das Schweigen der Gesellschaft in ihre Prosa übersetzt, legt sie zugleich den Finger in die Wunde, die das Nichtstun hinterlässt. Der Roman wirkt wie ein Schreiben gegen das kollektive Verstummen, gegen Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht. «Tulukkat qaqortippata» – erst, wenn die Raben weiss werden – sagen die Grönländer*innen und meinen damit das Unmögliche. Und genau darin liegt die Hoffnung des Romans: Dass es auch für das Unverständliche Worte gibt, dass das Schweigen gebrochen werden kann, dass Heilung möglich ist.
So wird «Das Tal der Blumen» zu einem fast schon radikalen Erlebnis. Der Roman hält uns dazu an, auszusprechen, was sonst lieber verschwiegen wird. Und er erinnert daran, dass Literatur nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch Räume öffnet, in denen verdrängte Wirklichkeiten und verschüttete Lebenswelten sichtbar werden.
Niviaq Korneliussen: Das Tal der Blumen; Übersetzung aus dem Dänischen von Franziska Hüther; btb, 2023; ISBN 978-3-442-76239-2 281 Seiten
LiteraTour d‘Horizon | Was ist das?
«LiteraTour d‘Horizon»: Was ist das? Tour d‘Horizon bedeutet so viel wie «Überblick, Blickfeld», und die Literatour ist eine Wortschöpfung aus der Literatur und – eben – der Tour.
In loser Folge erscheinen in der LiteraTour d‘Horizon Buchbesprechungen, meist von Wiederentdeckungen, hin und
wieder auch von Neuerscheinungen und -entdeckungen. Dabei geht es mir nicht darum, brillante Verrisse zu schreiben, sondern das, woran ich Gefallen finde, zu erzählen. Für die Besprechung der Werke werde ich nicht bezahlt und auch sonst in keiner Weise unterstützt. Die LiteraTour d‘Horizon ist vielmehr ein Liebhaberprojekt und der Versuch, schöne Werke aus den Bücherkisten zu holen und zugänglich zu machen.
Lese- und Besprechungstipps nehme ich allerdings gerne entgegen. Wer mag, darf mir auch Leseexemplare schicken, wobei ich mir ausdrücklich vorbehalte, von einer Besprechung abzusehen.
Die alte Frau: «Halbtax. Gilt da no?»
Herr P.: «Jojo, wenn Sie nö säged, Sie wöns nüme, werds afach verlängered. Wie bine Zitig.»
Die alte Frau: «Aha, denn muni mer ke Sorge mache es sig abgloffe?»
Herr P.: «Nanei. Irgendwann chunt denn amel d'rechnig, abo do müend Sie au nö pressiere, sind amel au nö die Schnellste.»
Die alte Frau: «Ah guet.»
Herr P.: «Für die eine ischs guet, für die andere nöd eso. Sch wie bim Handy au: Do chame au nö säge, me sind im Usland gsi...»
Die Aufzeichnende: «Chame scho, da intessierts afach nö.»
Herr P.: «Hehe, jo! Schöne Sunntig!»
Frühmorgens im Pendlerzug. Er, frisch aus dem Ei gepellt, etwa Mitte 40, Steuerspezialist bei einer Grossbank mit versagender Geschäftsleitung. Sie ist womöglich pädagogisch wertvoll, solariumgebräunt und peroxidblond.
Er: «Nee, für ein Mal nicht in der Schweiz. Hab' schliesslich auch schon andere Partyorte besucht.»
Sie: «Wie?»
«Ich hab' schon andere Partyorte besucht!»
«Ach? Wo denn?»
«Na, Südtirol. Warnwa jetzt ja das erste Mal.»
«Ach! Du fährst Ski?»
«Joa.»
«Also, ihr fahrt richtig runter? Kein Langlauf, ne?»
«Nee, wir fahren richtig runter.»
«Ach.»
«Ja. Du?»
«Nee, ich hab dieses Jahr wieder ausgesetzt.»
«Na ja, ich habs auch erst spät gelernt. Mit 25.»
«Mit 56 wär' das ja auch kein Thema, nich'?»
«Nö.»
«Ich hab' ja alles.»
«Ach?»
«Ja, Skier im Keller, Stöcke, Schuhe ... Hose? Ja, 'ne Hose hab' ich auch.»
Zurücklehnen. Durchatmen.
Sie: «Wo arbeitest du?»
Er: «Ich bin Steuerspezialist. Bei einer Grossbank.»
«Ach?» Flüsternd, vornübergebeugt: «Und wie heisst die Grossbank?»
«UBS.»
«Wie?»
«UBS.»
«Ach! Das ist die, die ...»
«Joa.»
«... die, die fusioniert hat?»
«Joa. Die Geschäftsleitung hat versagt ...»
«Ach ... Das kann schon mal passieren ...»
Zurücklehnen. Durchatmen.
Sie: «Du bis' aber nich' alleine da?»
Er: «Nee, nee, wir sind etwa 30.»
«Ach. Das is' ja auch ganz schön viel ...»
«Na ja ...»
«So lange die anderen wissen, was sie zu tun haben, gehts ja.»
«Ach ...»
Wenn Nebelschwaden wabern, Blattwerk zum Farbfeuerwerk werden und ergraut-gestandene Männer so tun als gehörten sie zur Dorfjugend, dann ist Herbst. Und Olma.
I became rather good at self-medication, which, of course, never really helped.
Dieser Satz ... Er schwirrte in ihrem Kopf umher und liess sie nicht los. Warum? Weil er so schön war (sie hatte es ja, dieses Faible für schöne Sätze)? So prägnant? So zutreffend? Sie wusste es nicht, aber der Satz schwirrte. Und schwirrte. In Englisch. Krempelte den Kopf um, alles war englisch. Und vor dem Fenster zog der graue Morgen vorbei. Ein bleierner Himmel wurde langsam hell, einzelne zerrissene Nebelschwaden waberten über die Felder.
Keine gewöhnliche Entdeckung: Orakel zum Welttag des Buches
Ein Orakel offenbart Antworten auf Fragen, die in aller Regel die Zukunft betreffen. Das braucht auch nicht gleich das Orakel von Delphi oder der altägyptische König der Götter Amun zu sein, Bücher können das nämlich auch! Zum heutigen Welttag des Buches eine Anregung:
Man nehme ein beliebiges Buch, schlage Seite 5 auf und lese den 5. Satz. Ganz ähnlich wie berühmte Orakelsprüche werden Fragen beantwortet und der Raum für Interpretationen (und weitere Fragen) geöffnet. Zum Beispiel:
1. Wie wird sich die Liebe entwickeln?
«Dies war keine gewöhnliche Entdeckung.» 1
2. Wie wird sich meine Gesundheit entwickeln?
«Genaugenommen wohnte Konrad Lang nicht in der Villa, sondern in einem Pförtnerhäuschen, einem kalten, feuchten Maueranbau im Schatten des Pinienwäldchens, das die Einfahrt säumte.» 2
3. Welche Aussichten habe ich im Beruf?
«Der hoffnungsvolle Dichter schrieb unter der Bank gerade sein achtes Gedicht, Lehrer Ondráš erwischte ihn dabei, nahm das Heft an sich, schlug es Hugo um den Kopf, überlas flüchtig die Verse seines Schülers und sagte: [...]» 3
4. Wie werden sich meine Finanzen entwickeln?
«Sie müssen mir aufmerksam zuhören.» 4
5. Wie wird meine Zukunft ganz generell aussehen?
«Diese Nacht, diese Worte, dann die gestellten Fragen und die Antwort auf diese Fragen – nun wird sich alles für alle Menschen so sehr ändern, dass sie sich selber nicht wiedererkennen werden, aber vorerst ändert sich nichts; alles bleibt so ruhig, so aussergewöhnlich ruhig über dem Wasser mit der nahenden Dämmerung, und vor ihrer schönen weissen Farbe raucht der Kamin eines grossen Schiffes, das man nicht sieht.» 5
Die Bücher
1 «Das Tagebuch von Edward dem Hamster, 1990 – 1990», von Miriam Elia & Ezra Elia, Fischer Taschenbibliothek 2017
2 «Small World» von Martin Suter; Diogenes Taschenbuch, 1999
3 «Maiandacht» von Ota Filip, Fischer Taschenbuchverlag, 1980
4 «Die Zeitmaschine» von H. G. Wells, Diogenes, 1974
5 «Sturz in die Sonne» von C. F. Ramuz, Limmat Verlag, 2023
«Das ist so cringe! Ich meine, das ist doch voll peinlich! Die L., das ist ihre Freundin aus Zürich, war auch dort. Sollen sie doch nach Zürich, die müssen doch nicht bei uns in den Ausgang!»
«Voll! Da fragt man sich: Wo ist die Ehre?»
«Voll! So cringe … Dass der noch mit denen rumhängt. In seinem Dorf … Peinlich.»
«Und S. erst. Die hat ja gar keine Chance, einen Neuen kennenzulernen, wenn der immer dabei ist.»
«Ehrenlos!»
Eines Nebelmorgens am Stadelhofen: Badeentchen, die als Werbetragende herhalten müssen. Es ist früh, ich warte auf Tante Frieda, super busy Businessmenschen warten drauf, am Rad zu drehen.
Dadaisten hätten vielleicht auch Einwegpasswörter abgelehnt, hätte es die 1916 schon gegeben. Die OTPs, nicht die Dadaisten. Die gabs schon, 1916 haben sich Emmy, Hugo, Hans und Co. nämlich im Cabaret Voltaire zusammengesetzt und an allem gezweifelt.
Im April vor einem Jahr, da war einer noch da, der es heute nicht mehr ist. Und eine noch nicht, die es heute ist. Und einer noch nicht Planung, der in wenigen Tagen sein wird.
Die Frauenkirche werden sie beide sehen. Nicht mehr als Trümmerhaufen zwar, so wie er sie gesehen hat als er kam, aber als mächtiges Mahnmal, wie er sie gesehen hat, bevor er ging.
LiteraTour d‘Horizon | Zehn Sätze aus zehn Büchern
Neulich bei Twitter: «Lesesafari – Schlage in zehn beliebigen Büchern aus deinem Regal S. 126 auf und lies den ersten kompletten Satz. Was hast du Spannendes entdeckt?»
Entdeckt habe ich dabei mehr als Spannendes, viele schöne Sätze zum Beispiel, pure Poesie im Nachschlagewerk, Merkwürdigkeiten in der «Erziehungskunst» und eine über einhundert Jahre alte Widmung.
So wanderten und ritten sie etwa eine Meile.
Geoffrey Trease – Die Reise nach Varna (1996)
Aber die Traurigkeit stieg höher und erreichte seine Knie.
Régis de Sá Moreira – Das geheime Leben der Bücher (2004)
Die Wolken wichen schneller, als wir zu hoffen wagten.
Walter Heuer, Max Flückiger, Peter Gallmann – Richtiges Deutsch; Vollständige Grammatik und Rechtschreiblehre unter Berücksichtigung der aktuellen Rechtschreibreform; Kapitel «Die Konkjunktion» (2004, 26. Auflage)
Erfahrungsgemäss wirkt auf junge Sünder dieser Art oft heilend, somit heilsam, wenn sie in Sorge, Kreuz, schwere Bemühungen kommen, welche ihr ganzes Sinnen und Denken gewaltsam in Anspruch nehmen.
Alban Stolz – Erziehungskunst (1921)
Ist dir, Jüngling! denn bei dem Beschauen der Landschaften alter Meister nicht ganz wunderbarlich zu Mute geworden?
E.T.A. Hoffmann – Nachstücke. Erster Teil; Die Jesuitenkirche in G. (1817; in der Reclam-Ausgabe von 1999)
Die Archivmappe ergab, dass es in Kymenlaakso noch mindestens zwei Personen mit Selbstmordabsichten lebten.
Arto Paasilinna – Der wunderbare Massenselbstmord (2002)
«Und wie war das mit diesem eigenartigen Menschen, dem Gärtner?» erkundigte sich Mr. Hitchcock.
Alfred Hitchcock – Die ??? und der weinende Sarg (1988)
(Die Seite 126 ist übrigens die letzte Seite dieses Buches.)
Der Anruf meiner Frau erreichte mich im Nachbarort.
Roland Gallusser – Die Einsamkeit des Landarztes; Erzählungen (1978)
Er liess sich eine tüchtige Mauleselin anschirren, versah sich mit Geld, Kleinodien und einigen Lebensmitteln, und nachdem er seinen Leuten gesagt hatte, er wolle ganz allein auf ein paar Tage verreisen, ritt er fort.
Dalziels illustrierte «Tausend und eine Nacht» (nicht nach 1893; Widmung von Hand: «Für Hermann Haagen zu Weihnachten 1893 von Gotthard Keller»)
Derweil lag Gian die Brughi auf seiner Ruhestätte, die struppigen roten Haare voller trockener Blätter hingen ihm über die Stirn, die grünen Augen röteten sich durch die Anstrengung, und so las er und las, während er die Kinnbacken beim eifrigen Buchstabieren bewegte und einen mit Spucke benetzten Finger in die Höhe hielt, um gleich die nächste Seite umwenden zu können.
Italo Calvino – Der Baron auf den Bäumen (1984)
LiteraTour d‘Horizon | Was ist das?
«LiteraTour d‘Horizon»: Was ist das? Tour d‘Horizon bedeutet so viel wie «Überblick, Blickfeld», und die Literatour ist eine Wortschöpfung aus der Literatur und – eben – der Tour.
In loser Folge erscheinen in der LiteraTour d‘Horizon Buchbesprechungen, meist von Wiederentdeckungen, hin und wieder auch von Neuerscheinungen und -entdeckungen. Dabei geht es mir nicht darum, brillante Verrisse zu schreiben, sondern das, woran ich Gefallen finde, zu erzählen. Für die Besprechung der Werke werde ich nicht bezahlt und auch sonst in keiner Weise unterstützt. Die LiteraTour d‘Horizon ist vielmehr ein Liebhaberprojekt und der Versuch, schöne Werke aus den Bücherkisten zu holen und zugänglich zu machen.
Lese- und Besprechungstipps nehme ich allerdings gerne entgegen. Wer mag, darf mir auch Leseexemplare schicken, wobei ich mir ausdrücklich vorbehalte, von einer Besprechung abzusehen.
Sinder scho mol im Appezellerland gsi? Döt, wo sich Hügel a Hügel reihet, herzigi Holzhüsli verstreut uf saftig-grüene Wiese umestönd und id Sunne blinzled und de Säntis – «de Berg» – über allem wachet? Wenn nöd, denn müender mol döt ane. Isch nämli schö döt. Und vor allem hens choge guets Esse. Und was es au hend: En liebenswürdige und mengmol au chli glatte Dialekt und eis vo mine Schwiizer Lieblingsmärli. Und da verzelli eu ez do. Natürli so, wie ichs in Erinnerig ha und uf Sanggallerdütsch, nöd – wies eigentlich richt wär – uf Appezellerdütsch. Nume eis chani säge, z‘Innerrhode sägets a mengs Ort «Sönd wöllkomm» und nöd wie mer do «sind willkomme». Wie au immer, ez wömmer mol lose, wa de Ries Säntis so agstellt het.
Es isch scho choge lang her, döt het de Ries Säntis im Appezellerland gwohnt. Mengs Lüüt säged em au Sämtis, aber mir wönd bim Name bliibe, wo de Berg au het. De Ries isch e so choge gross gsi, dass s‘ganz Schwendibachtal sis Bett gsi isch und dass er d‘Meglisalp het chöne als Chopfchüssi neh. Da isch natürli super gsi, will die gad im Summer uh schö weich und volle Blüemli gsi isch. Im Winter hetter aber mfall au nöd gfrore, so en Ries kennt sich schliesslich us mit Wind und Wetter und weiss ganz gnau, wieme sich im Schnee so bettet, dass au de schö warm git … Wenner denn am Morge amel ufgstande isch, denn heter sich zersch amel mit em Ellboge abgstützt, de Chopf id Hand gno und volle Freud und Zfriedeheit über sis Appezellerland glueged. Und denn heter sich amel gad no meh gfreut, wells eifach e so choge schö gsi sich. A eim Morge heter sich aber denkt, dass es doch schö wär, wenn er e paar Menschli um sich ume hetti. Die hetter nämli scho vo sine Reise kennt, die chline, luschtige Gschöpfli, wo am Morge amel umgewuslet sind wie varruckt und mit dem Tagwerch agfange hend. Am Obed sins denn meischtens müed gsi und is Bett gkeit, so viel hens gschaffed. E paar uf all Fäll, sind nämli nöd all Menschli gliich gsi. Da hetter uf sine Reise au scho gseh gha und au de Ries Säntis selber isch ez nöd gad de gschaffigscht gsi. Er isch gern eifach chli umeglege, het Sunne, Mond und Stern beobachtet und
au gern fein gesse. Uf all fäll sind die einte Menschli nämli mengmol ersch um de Mittag ume ufgschtande, hend sich ersch mol gschtreckt und in Tag blinzled, bevors denn wiitergmacht hend mit dem, wos z‘mizd i de Nacht ufghört hend. Do hets zum Bischpiel Döktere drunder gha, wo i de Nacht no bi de Chranke gsi sind oder Menschli, wo Kunscht gmacht hend. Aber die chömmer süs e anders Mol go bsueche.
De Ries Säntis het aso chli schtudiert und überleit, wiener da ez eso chönt mache mit dene Menschli. Waner nämli scho gha het, sind ganz viel Tier. Uf de Weide hets en Huufe Chüe gha, viel grossi bruuni, aber au gschecketi und därig, wo en wiisse Streife um de Buuch gha hend. Dene heter denn «Gortchueh» gseit, «Gort», wie en Gurt, aso, en Gürtel, wo mir üs au um de Buuch schnalled. Und de Ries Säntis het au ganz viel Geisse gha und e paar Schöf. Und waner au no gha het: En Huufe Bläss. Da sind die herzige Hünd, meischtens sins schwarz-wiiss und hend no bizeli gel-bruuni Stelle im Fell. Mengmol hens richtigi Augebraue und chönd eim aluege und blinzle, als wäreds ganz eso wie mir. Mengs Lüüt säged ene au «Wädlibiisser» – und, i muess es zuegeh, da macheds mengmol au. Aso, id Wädli biisse. Aber eigentli nöd richtig. Da macheds au nume, wells Hirtehünd sind. Die passed vor allem ufd Schöf und ufd Geisse uf, wenn die ellei dusse sind. Und wennses mönd zämetriibe, zum Bischpiel well ez denn glii e Gwitter chunt, denn kläffeds wie wild und renneds um die Herde ume wie varruckt. Und schnapped mengmol au noch de Tier. Nöd bös, nume zum säge: «Ez mach emol vorwärts, es chunt ez denn gad go gwittere! Me mönd ez go underschto!» Und wemme son Bläss dihei heit, denn verwechslet de sin Mensch halt mengmol mit eme Schof …
Wo de Ries Säntis so a sine Tier umeschtudiert und überleit, wiener da echt chönt aschtelle, dass er au e paar Menschli um sich ume chönt ha, chunt em plötzlich s‘Montafon in Sinn. Da isch e Tal z‘Öschtriich, gar nöd so wiit weg vonem. Döt isch er au scho paar Mol gsi und weiss, dass es döt ganz herzigi Dörfli mit ganz herzige Hüsli git. Und döt wohned en Huufe Menschli, wo no chli luschtiger reded als er selber. Und do chunts em plötzlich in Sinn: «I chönt jo bi de Montafoner Zwerg e paar Hüsli bschtelle!» Er weiss nämli, dass die erschte herzige Hüsli döt im Montafon vo de gschickte Zwerge gmacht worde sind, d‘Mensche hend denn vo ene glernt, wie da goht und wieme sone Hüsli richtig baut. «Und wenni denn e paar Hüsli do anestell, zum Bischpiel neb d‘Megglisalp, denn giz do au sone schös Dörfli und denn chömed sicher aud Menschli do ane go wohne!» So überleits de Ries Säntis luut und verschreckt mit sinere luute Schtimm gad e paar Schöf, wo bi em um de Ellboge gschliche sind. Aber sie kenned en jo und sind nume ganz churz vaschrocke, wells nöd demit grechnet hend, dass de Ries Säntis am Morge früeh scho so luut isch. Da isch er nämli eigentli nie. Er ghört zwor zu dene, wo immer früeh wach sind – so isch da mit de Riese: die sind gross und bruuched viel z‘Esse und z‘Trinke, aber nume ganz wenig Schlof, nöd wie mir Mensche. Bi üs ischs jo so: Je chlinner dass mer sind, desto meh müemmer schlofe. Aso, wenni ez säg «chlinner», denn meini eigentli «jünger». Babys schlofed jo uh viel, Chind denn e chli weniger, aber immer no viel und die Erwachsene denn chli weniger. Und die ganz alte Lütlis, die schlofed mengmol nume no ganz wenig.
Uf all fäll freut sich de Ries Säntis gad so fesch über sini Idee, dass er fasch nos z‘Morge vergesse het, weller am liebschte gad sofort losmarschiert wär. Aber nume fasch, isch jo schliesslich fasch die wichtigischt Mohlzyt am Tag. Er holt aso s‘Brot und de Chäs, nimmt no en Öpfel dezue und e grosses, grosses Glas Milch. Und wills gad e chli en chliine Feschttag isch füren, nimmt er sich au no e Täfeli Schoggi, woner ganz langsam uf de Zunge schmelze loht, vorers abeschluckt. Isch ebe scho öppis guets, sone Schoggi. Aber z‘viel söttme denn au nöd devo esse, da weiss er jo und drum gnüsst ers so choge fesch. Woner da alles schnabuliert het, packt er sin grosse Rucksack, nämli nimmt er sich gnueg Wasser für d‘Wanderig mit und nomel z‘Esse. Brot und Chäs und gad nomel en Öpfel und will ers so gern het, packt er au no paar Rüebli ii. Die chame nämli au ganz guet roh esse. Sind fein und gsund. Drü riesegrossi Tafle Schoggi packt er au no ii, aber nöd für sich, da sölls Gschenk sii fürd Montafoner Zwerg, wonem die Hüsli sölled baue. Und denn marschiert er los. Willer e so choge lange Bei und vor allem wellers so pressant het, isch er au ger nöd lang underwegs wie süs amel und hets Montafon scho um de Mittag ume erreicht. Da mol hetter ez au ger nöd so fesch uf d‘Menschli i de herzige Dörfer glueged, aber em einte oder de andere hetter denn gliich zuegwunke, woner dra vorbicho isch. Und denn isch er denn ebe scho um de Mittag ume gad am richtige Berg, de heisst nämli «Mittagsspitze» und döt isch de Iigang zum Zwergeriich.
Er pöpperled süüferli an Bergspitz und obwohl er ganz, ganz vorsichtig pöpperled het, verschrecked e paar Gämse und gumped hurtig devo und rugeled e paar grossi Stei de Berg durab. Aber da macht zum Glück nüd, isch nämli uf säbere Siite, wo niemer wohnt. Churz druf abe goht ganz une am Fuess vo de Mittagsspitz s‘Zwergetor uf und de Chef höchschtpersönlich chunt em Ries Säntis go Hoi säge. Sie plaudered bizeli, verzelled sich, wies ihne so goht und wa sit em letschte Bsuech vom Ries Säntis im Montafon alles eso passiert isch, bevor denn den Ries Säntis endli cha loslege. «Du, Chef», seit er denn, «i hett ez no choge gern so paar Hüsli, wie die, woner für eui Menschli gmacht hend. Die sind eso herzig, die würed au no guet zu mer is Appezellerland passe. Und wenni denn paar vo dene Hüsli hetti, denn würed denn sicher au zu mer paar Menschli cho und ufd Chüeh und d‘Geisse und d‘Schöf ufpasse. Und de eint oder ander Bläss würeds sicher au no ufneh. Und i het eifach en Riesespass a dem Gewusel und Getue und Gemache!» De Chef vo de Zwerge lached und seit, da sig alles kei Problem. Zuefällig hegeds soger no paar vo dene Hüüsli uf Vorrot, wos im Moment do nieneds chöned anestelle. Aso, wenn de Ries Säntis die gad wöll ilade, denn chönger no hüt Obed bi sich dihei zrugg sii und die Hüsli ufstelle. Do freut sich de Ries Säntis so fesch, dass er vor luuter Freud fasch ufgumpet wär. Aber denn chunt em gad no in Sinn, dass er jo en Ries isch und dass da vilich nöd e so guet wär, wenner do eifach wür umegumpe. Woner da vor vielne, vielne Johre zum letzte Mol gmacht het – und döt isch er im Vergliich zu ez no en chline Bueb gsi – döt het nämli gad d‘Erde chli bebt. Aso freut er sich eifach so und grübled die grosse Schoggitafle us sim Rucksack, woner em Chefzwerg git. Er seit fasch tuusig Mol «danke» und ladt d‘Hüsli ii, wo würklich gad wie für ihn parat gstande sind. Und denn isch er au scho wieder ufem Heiweg. Es isch nonig spot, woner underwegs e chlini Pause macht.
Er isch scho zwor scho fasch bi sich dihei, aber er merkt, dass er scho zimli müed isch. «Kei Wunder», denkter sich, «i ha jo usserd em z‘Morge au ger nüd meh gesse!» Und drum höcklet er sich ane, packt Brot, Chäs, Öpfel und Rüebli us und mampft, waner so debii het. Lang bliibt er aber nöd sitze, weller nämli gliich hei will, dass er endli sini Hüsli cha ufstelle. Und scho isch er wieder ufgstande, het de Rucksack mit de Hüsli über d‘Schultere gworfe und lauft wieder los. Ez hetters aber ase pressant gha, dass er ger nüme gnau glueged het, woner sich de Rucksack agschnallt het. Und so ischs passiert, dass er de Rucksack a de eine Bergkante ufgrisse het und ez während er lauft, d‘Hüsli einzeln us eme lange Riss purzled. Ersch, woner wieder im Schwendibachtal achunt, merkt er, dass de Rucksack scho fasch leer sch. Do verschrickt er natürli z‘ersch gad emol e Rundi, aber woner hindere lueged, gseht er no im letzte Sunneliecht, dass die Hüsli alli einzeln und verstreut über s‘Appezllerland lieged. Do isch er gad beruhigt und überleit, dass er die denn morn chöng go zämesammle. Ez wirds nämli denn scho wieder Nacht und dunkel und im Dunkle sött me nöd go Hüsli zämelese. «Die chlaut scho niemer», seit er sich, bevor er sich wie jedi Nacht uf sis blüemlete Chopfchüssi leit und trotz allem ganz zfriede ischloft. I de Nacht träumt er vo sim Dorf, wo mit vielne fröhliche Menschli gfüllt isch, wo tag i, tag us umewusled und luschtigi Sache mached. Woners nögscht mol verwached isch es scho zimli spot, isch ebe gliich en strenge Tag gsi mit dere Wanderig is Montafon und dem Heischleppe vo all dene Hüsli, und cha sine Auge chum glaube, woner um sich lueged. Die verschtreute Hüsli im Appezellerland sind alli scho bsetzt, überall wohned Menschli drin. Er weiss ger nöd, wie da so schnell het chöne go! Eini vo sine Lieblingschüeh verzellt em denn e Wiili spöter, dass er ebe nöd nume ei Nacht gschlofe hegi, nanei, e ganzi Wuche heger tüüf und fesch pfuused – und gschnarchled. Do hegs denn au gad mol agfange gwittere, aber da sig nöd schlimm gsi, well denn scho die erschte Menschli ume gsi seged, wo d‘Chüe in Schtall brocht heged. Und denn siged immer meh Menschli cho, bis jedes vo dene verschtreute Hüsli besetzt gsi seg. Es heged sogar scho paar agfange, selber Hüsli baue, wellsne do so guet gfalle heg. Do isch de Ries Säntis so choge zfriede und froh, dass er gar nüme viel cha säge usserd e luuts, fründlichs: «Sönd wöllkomm!»
Übrigens, döt, wo de Ries Säntis amel sind Ellboge abgstützt het, döt hets e sone Tolle im Bode geh und döt isch hüt de Seealpsee.
💡 Märli oder Sag?
Ob d‘Gschicht vom Ries Säntis es Märli oder e Sag isch, da dörfeder selber entscheide. Die beide Gschichtsforme sind nämli zimli gliich. Wemmer so id Schuelbüecher inelueged, denn heissts amel, e Märli seg frei erfunde, meischtens vo Märliverzeller oder sogar vo Glehrte, und e Sag sig e Gschicht, wo meischtens vom Volch selber verzellt wore isch und mindestens öppis Wohrs drin heg. Ez isch es natürli so, dass me de Ries Säntis nüme chönd froge, obs en überhaupt mol geh heg, well, wenns en denn mol geh hetti, denn wär er scho lang nüme do. Oder irgendwo versteckt am pfuuse. Aber wamer sicher wüssed: De Seealpsee, de gits. Und s‘Schwendibachtal und d‘Megglisalp gad au. Und d‘Hüsli im Appezellerland sind würkli verstreut, da mönder eu mol go aluege, wenners nonig gmacht hend.