Es ist anders. Anders als gedacht und anders als gehofft. Auf einmal sind 9 Monate Schwangerschaft vorbei - 9 Monate, indenen du versucht hast zu realisieren, was da gerade in dir passiert. Vorbei - und dann hast du von jetzt auf gleich, ein Baby im Arm. Dein Baby. Du hast gedacht, du weinst vor Glück wenn du es siehst, hast gedacht du bist überwältigt vor lauter Liebe. Hast gedacht, jetzt muss ich glücklich sein. Aber nichts davon trifft zu. Ich hab dich das erste mal gesehen und habe nicht geweint, war nicht stolz und es war keine Liebe auf den ersten Blick. Ich war einfach leer. Leer vor Erschöpfung - leer vor Überwältigung - leer von allem. Überfordert mit der Situation. Ich war alleine im Krankenhaus, hatte schmerzen die ich unterdrückte, denn ich dachte man muss „stark“ sein. Überfordert. Müde. Kaputt und traurig. Einfach einsam. Ich hatte solche Schmerzen, aber hab mich nicht getraut, es zuzugeben. Nachzugeben. Nach zwei Tagen Krankenhaus, endlich nachhause dachte ich. Zuhause ist es aber nicht besser. Nein, im Gegenteil- ich fühle mich noch mehr alleine, kaputt, traurig - tief traurig, überfordert, einfach müde. Warum kann ich dich nicht einfach lieben ? Es ist alles so unfassbar gleichgültig geworden, mir einfach alles egal. Ich hab mir das alles anders vorgestellt - ganz anders. Bin ich keine gute Mama ? Bin ich überhaupt eine ? Werde ich jemals eine sein ? Bzw. mich so fühlen ? Hört das alles wieder auf ? Ich habe Angst davor. Habe Angst, dass es wie früher wird - ich merke ja jetzt schon das ich wieder nichts essen kann, Ekel davor bekomme, mich selbst wieder nicht mag & nicht anschauen kann. Warum bin ich so ? Ist jetzt so mein Leben ?
Tage wie heute, sind Tage an denen man sich fragt ob man wirklich bereit war Mama zu werden... ob man wirklich eine gute Mama sein kann. Man fühlt sich so machtlos wenn das Kind weint und man nicht helfen kann. Man schreit und weiß das es falsch ist, doch man schreit weil man es nicht mehr ertragen kann sich so machtlos und hilflos zu fühlen. Man liebt dieses kleine Wesen so sehr dass seine schreie einen innerlich zerreißen. Man will helfen doch kann nicht denn den Schmerz kann man ihm nicht nehmen, wenn es auch noch so sehr möchte. Es geht nicht.
Die Begleiterscheinung einer Zwillingsschwangerschaft mit Sorgen, ob die Eltern nach der Geburt auch mit der Doppelerziehung der Zwillinge klar kommen, ist verständlich. Ob dies jedoch zur Wochenbettdepression führen kann, jedoch nicht eindeutig. Normalerweise entsteht die sie bedingt durch die hormonelle Umstellung während der Geburt und nachgeburtlichen Phase. Diese kann und sollte durch entsprechende Therapie behandelt werden. Dass eine Doppelschwangerschaft dazu verstärkt beiträgt, müsste zu untersuchen sein.
Eine Mehrfachsschwangerschaft hingegen entsteht natürlich oder bzw. "unnatürlich" durch hormelle Behaltung, wenn eine Schwangerschaft medizinisch forciert werden soll. Ob die mehrere Kinder gleichzeitig eher erwünscht sind, also die Freude darüber groß ist, oder die Sorgen überwiegen, liegt an den jeweiligen Paaren. Auf jeden Fall bleibt klar, dass eine Mehrarbeit durch parallele Doppelversorgung der Geschwister entsteht. War vorher die Planung vorhanden, nur ein Kind zu versorgen, wirft dies natürlich jene vollständig "über den Haufen".
Dies sollte die Eltern jedoch nicht beängstigen. Vor allen nicht vor einr oben angesprochenen Wochenbett-Depression Angst machen. Wie angesprochen, die hat andere Ursachen und kann behandelt werden. Besonders bei Mehrlingsschwangerschaften sollte darauf aufmerksam geachtet werden, dass diese frühzeitig erkannt und behandelt wird, um nicht wirklich eine familiäre Krise durch die Extra-Versorgung der Kinder entstehen zu lassen. Ein Rat mehr kann nicht schaden und sollte unbedingt eingeholt werden. Im Krankenhaus selbst gibt es dazu nicht nur die behandelnden Ärzte, sondern auch die Sozialarbeiter(innen).
[Das ist der Versuch einer poetischen Kurzgeschichte (?), eine Sau, die ich euch Perlen vor die Füße werfe. Da es etwas anders ist als mein übliches Geschreibsel, verstecke ich es hinter einem More.]
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„Nichts als Fett und Speichel, nichts als Dreck.“
Und erschrockene Blicke und vor den Mund gehaltene Hände und abfälliges Kopfschütteln und eine Menge Tod.
Sobald auf dem Bildschirm etwas Pochendes zu sehen war, etwas, das annähernd an ein Menschenknäul erinnerte, musste Saskia sich abwenden. Die Frauenärztin fuhr noch immer mit dem Ultraschallgerät über ihren Bauch, zeigte erfreut auf das verschwommene Wesen und Saskias Kiefer verkrampften sich immer stärker, je mehr Einzelheiten Dr. Steinigt ihr erklärte. Ein Wabern und Wurmen auf dem Bildschirm, grüngeschwärztes Irrlichtflackern, sodass Saskia die Augen schließen musste.
[Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein.]
Das, was nie passieren sollte, was ihr die Innereien stärker zermalmte als später der heranwachsende Fötus, war unauffällig in sie gekrochen: weiterhin monatliche Blutungen und die Einnahme der Pille, ein flacher Bauch, vielleicht nur ein wenig rundlicher im Gesicht, keine Übelkeit oder Gemütsschwankungen, die nicht auch auf die Antidepressiva geschoben werden könnten – ein Kuckuck im Nest. Als die Schwangerschaft bekannt wurde, war es zu spät für eine Abtreibung, zu spät um Saskias Balance aufrechtzuerhalten.
[Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter: plumps!]
Als die Krankenschwester ihr einen rotverschrumpelten Wurm ans Herz legen wollte, tat Saskia so, als sei sie vor Erschöpfung eingeschlafen. Beim ersten Schrei war ihr klar gewesen, dass sie nie dazu in der Lage sein würde, es zu berühren oder ihm ein Leben aufzubauen; das Geheul war ihr ins Hirn gefahren, nervenzerstückelnder Echoschmerz, und sie hatte die Augen zusammenkneifen müssen, bis es grellweißrot hinter ihren Lidern blitzte. Ob sie Schmerzen hätte, wurde sie gefragt, und sie nahm die Morphindosis dankend an, um aus der Gegenwart zu driften.
„Nichts als ein Parasit, ein Blutegel, der fremde Wärme frisst.“
Und eine Gerichtsverhandlung und vorwurfsvolles Kamerageblitze und sich abwendende Bekannte und eine ganze Menge Tod.
Direkt nach der Geburt hörte Saskia auf, zu essen, nahm nichts mehr zu sich, um auch nichts abgeben zu können an das Wesen, das schon neun Monate von ihr gestohlen hatte. Tabletten agierten und reagierten in ihr so stark, dass zwischen Apathie und Wahn alles möglich war. Sie rollte sich, nur mit Unterwäsche bekleidet, in Schneewehen zusammen, als könne das die Gefühle einfrieren, als bedeckte der Schnee nicht nur ihre Glieder sondern auch ihre Vergangenheit. Sie blieb nie im selben Raum wie das Kind, dem sie diese Bezeichnung nicht zugestand, sah es nicht an, ballte ihre Hände zu Fäusten, um nichts anderes damit zu tun. Sie mied scharfe und schwere Gegenstände, mied alles, was sie verführen konnte.
[Messer, Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nichts.]
Ihre Lider lagen morgens schwer, zogen sie ins Laken, aus dem Leben heraus; es kam nur irres Rot hindurch, das ihr falsche Gründe suggerierte, wundfarbene Lösungen für ihre Lage, und eines Tages schwappten sie über. Das erste Mal seit Monaten duschte sie sich, trat dann vor den großen Wandspiegel und übte zu lächeln, übte, gesund zu wirken. Sie ließ sich berühren und beglückwünschen, simulierte schleichende Heilung, sie loglächelte sich in das Vertrauen der anderen zurück und ging bei erster Gelegenheit mit dem Kinderwagen spazieren. Über Feldwege, weiter hinter die schneebedeckten Auen, wo all das Weiß sie blendete und sie der irrlichternen Helligkeit in einen Wald folgte. Zwischen Randgebüsch und dornigem Unterholz hob sie ihr Kind aus dem Wagen und hielt es zum ersten Mal im Arm.
[Fällt er in die Hecken, fressen ihn die Schnecken.]
Es war ein harter Winter und so fieberhaft alle auch aufsprangen und schrien, als sie allein nach Hause kam, war doch keiner schnell genug. Saskia lächelte nicht mehr, weil es nicht nötig war, absoluter Gemütsruhe Ausdruck zu verleihen. Sie schrie auch nicht, als jemandes Ohrfeige sie gegen eine Wand warf, und protestierte nicht, als man sie abführte.
„Nichts als Ruhe und Freiheit, nichts als Glück.“
Und Vorwürfe und In-die-Bewusstlosigkeit-geprügelt-Werden und Ungläubigkeit und eine ganze Menge Tod.