Canis lupus
Vor einigen Tagen hat er sein Rudel verlassen. Im leisen Trab streift er geschmeidig durch das Dickicht des Waldes, bis er auf eine kleine Lichtung stößt. Sein Kopf senkt sich und er schaut mit einiger Furcht die sich nur von seinem Gesicht entnehmen ließ wenn er einem bereits gut bekannt war. Die stille auf der Lichtung war trügerisch. So pirschte er mit spitzen Pfoten, langsam etwas stockig, auf das Zentrum der Lichtung zu.
In der Mitte der Lichtung lag eine vor vielen vielen Jahren, vom Sturm entwurzelte Kiefer. Diese hatte sich einige begrünte Äste erhalten können. Doch sah er von dem grün wenig. Das trübe weiche Mondlicht tauchte alles in ein stahlgrau. Als er die Kiefer erreicht hatte ließ er einen Ast von der Kiefer über seinen Rücken streifen. Die Nadeln kämmten seinen Rücken. Langsam bewegte er sich auf den großen Wurzelballen der Kiefer zu. Links von ihm glitt der Stamm auf Hüfthöhe an ihm vorbei. Als plötzlich ein zarter Windhauch einen bekannten Geruch in seine Nase trug. Es war, es war, sein Kopf bewegte sich nach links und rechts, er schnüffelte. Rechts nein, links von mir, seine Augen zogen sich zu schmalen schlitzen zusammen als er behutsam um die Ecke am Wurzelballen spähte. Er erfasste mit seinen scharfen Augen ein kleines Reh, dass an Grashalmen knappere. Spontan spannte sich sein Rücken und sein Vorderkörper ging etwas herunter. Er pirschte um die Ecke, er näherte sich in dem Hinterteil des Rehs, um sich darin fest zu verbeißen. Mit einem energiegeladenen Satz erreichte er sein Opfer, die Pfoten mit den Krallen streiften über den Rücken, er verbiss sich gezielt in den Hinterschenkel des Rehs, beide gingen zu Boden. Das Reh strampelte panisch, doch hatte es einfach keine Fluchtmöglichkeit. Dies war sein erste Beute. Auf seinen folgenden Streifzügen sollte noch weitere folgen. Dies entsprach jeoch ganz seiner Natur denn er war ein über Jahrtausende gefürchteter Jäger. Allerdings ist er auf der Suche nach einem eigenen Revier und einer Partnerin.
Diese kurze und viele andere Geschichten erzählen von dem Leben des Canis lupus, dem Wolf. Dieser wurde im 15 Jahrhundert in fast ganz Europa streng verfolgt. Dies führte fast zu seiner gesamten Ausrottung in Europa. Heute jedoch ist der Wolf streng geschützt. Durch die Öffnung der Grenzen innerhalb der Europäischen-Union ist der Wolf nun auf Wanderschaft, er ist dabei neue alte Lebensräume zu erobern. In dem Landkreis in dem ich lebe, gibt es momentan Drei offiziell bestätigte Wolfsrudel, ein Viertes Rudel über das spekuliert wird, konnte bisher noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Die Regionale Presse berichtet öfters über die Wölfe, der Schwerpunkt in der Berichterstattung liegt jedoch bei der "Entnahme" und dem damit verbundenen geforderten "Wolfsmanagement". Bei der Entnahme geht es darum Tiere die auffällig geworden sind zu töten. Bei dem Wolfsmanagement geht es auch zu einem Teil auch um das töten, doch beinhaltet das Thema eine Forderung nach einer Obergrenze für Wölfe. Diese würde wenn sie beschlossen würde zu einem gewissen Automatismus führen. Was die geregelte regelmäßigen Tötung von Tieren beinhalten würde. Diesem stehen jedoch nicht nur dem Europäischem-Recht entgegen, denn im Internationalen-Recht (Washingtoner Artenschutzabkommen) und darüber hinaus im deutschem Tierschutzgesetz ist der Wolf streng geschützt. Dieser unterliegt nicht dem Jagdrecht und darf nicht bejagt werden, außer im Bundesland Sachsen (jedoch ist dort das ganze Jahr über Schonzeit für die Tiere). Selbst die Entnahme von dem Wolf, dem der Name Kurti gegeben wurde, hat schon gegen geltende Abkommen und gesetzte verstoßen.
Ob der Wolf aus der kurzen Vorgeschichte eine Gefährtin finden wird steht noch offen, er hat jedoch eine große Chance ein Revier zu finden und ein Rudel zu gründen. Solang der Mensch diese Wesen in ruhe lässt.










