Meine erste große Klasse seit der Yogalehrer-Ausbildung und die große Kuchen-Schlemmerei
Donnerstag, 29. Januar 2015
Endlich war es so weit - die erste große Gruppe seit meiner Yogalehrer-Ausbildung hatte sich für heute angemeldet! War schon seit Sonam mir gestern die Nachricht geschickt hat, eine Mittelstufen-Klasse vorzubereiten, aufgeregt. Wir wussten nur, dass sie irgendwann zwischen acht und neun Uhr auftauchen. Mami und ich haben alle Yogamatten vorbereitet, Blöcke und Decken verteilt. Die Gurte gingen aus - Sonams Tante hat drei Yogamatten und Zubehör mit genommen. Tja, dann halt keine Asanas, die einen Gurt benötigen…
Der Raum war gesteckt voll, mehr als zwölf Leute unterzukriegen wäre unmöglich gewesen. Und dann haben wir gewartet - nicht so toll in dem eiskalten Zimmer. Keine Ahnung, warum Sonam nicht gesagt hat, sie sollen um acht Uhr da sein… wenn heute Schüler gekommen wären, hätte ich ein Problem gehabt! Kurz nach halb neun haben wir Stimmen gehört, und acht Menschen sind in die Yogaschule gekommen. Hab dann schnell mit Mami zwei Matten weg geräumt, um mehr Platz zu schaffen, und dann kamen auch schon die ersten Studenten in den Raum.
Es war eine Familie aus England, die mit Geschwistern und Cousinen durch Indien reisen. Wow, ein spannendes Gefühl, in so viele neue Gesichter zu schauen, die mich erwartungsvoll anblicken. Habe die Stunde mit Kapalabathi (Breath of Fire) und Wechselatmung begonnen, und dann ein schönes Warm-Up gemacht. Bei den Sonnengrüßen habe ich das Chaturanga vorgemacht und konnte zum Glück einige nach außen gedrehte Ellbogen-Stellungen ausmerzen. Danach habe ich einen Flow aus Krieger 1, 2, 3, dem Tänzer, dem Adler und Ganesha gemacht, und dann war auch schon Cool-Down Zeit! Die Klasse verging wie im Flug!
Ausgerechnet die kühl wirkende Frau, vor deren Meinung ich echt Respekt hatte, kam nach der Klasse auf mich zu, hat sich bedankt und gemeint, es war eine sehr schöne Klasse. Hab mich so gefreut! Auch ein paar andere haben sich bedankt und gemeint, es hat ihnen gefallen. PUH. Aber immer wieder, wenn ich da vorne auf meiner Matte bin, fühle ich mich genau am richtigen Platz - und ich weiß, dass ich damit irgendwann mein Geld verdienen werde. Es fühlt sich einfach richtig und wahr an und bereitet mir keinerlei Mühe (von der physischen Anstrengung abgesehen). Die Worte fließen nur so aus mir heraus, genau wie die Ideen, was ich als nächstes mache! Ich bin so dankbar, endlich meine Berufung gefunden zu haben.
Gegen halb elf sind wir heim und haben uns ausgehungert ans Frühstückswerk gemacht. Das Wetter war heute nicht so toll, ziemlich kühl und bewölkt, also haben wir beschlossen, zur Peace Pagoda zu laufen. Beinahe hätte ich den Weg nicht mehr gefunden, aber zuletzt waren wir doch richtig. Wir wurden von einem Straßenhund begleitet, der uns bis zum Tempel nicht mehr von der Seite gewichen ist. Wir sind sogar an dem wunderschönen, aber leider völlig zerfallenen Zauberhaus vorbei gekommen, in dem ich mit Samik war! Hatte gehofft, es Mami zeigen zu können, solange sie hier ist. Im japanischen Tempel waren heute leider keine Trommeln ausgelegt, und auch der nette, Mantren chantende Mönch war nicht da.
Und dennoch, die Atmosphäre in diesem Tempel ist einfach wundervoll - so ruhig und friedlich! Der perfekte Meditationsplatz. Nach einer Weile bin ich mit Mami zur beeindruckenden Peace Pagoda gelaufen, wo sie die großen goldenen Buddhas bewundert hat. Auf dem Rückweg hat uns doch glatt wieder der Hund begleitet, der schlafend im Gras gelegen hat, solange wir die Tempel besichtigt haben. Irgendwo auf dem Weg ist er uns dann aber plötzlich abhanden gekommen. Gegen zwei Uhr waren wir daheim und haben den fabelhaften Chai-Karotten- und Bananen-Walnuss-Kuchen gegessen, dazu selbst gemachten Chai-Tee nach Hampus-Art. Danach haben wir uns ins Bett gekuschelt, Mami hat ein bißchen gedöst (soooo schön - das macht sie sonst ja NIE), und ich im super spannenden historischen Roman gelesen.
Kurz vor fünf Uhr sind wir hoch zur Schule, haben zwanzig Minuten mit Ganga meditiert und sind danach in die Stadt gelaufen. Wir brauchten nämlich noch frische Tomaten und Käse. Letzteren habe ich für den kleinen Burger aufgebraucht, den ich uns am nachmittag gemacht habe. Heute mit geschmolzenem Käse, gebratenen Tomaten, Gurkenscheiben, Koriander und Erdnussbutter. In einem nepalesischen Geschäft hat Mami ein wunderschönes Holz-Om gefunden, dass seinen Platz in meinem ehemaligen Kinderzimmer, dass nun in einen Yogaraum umfunktioniert wurde, finden wird. Abends habe ich Wirsing mit Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Tomatenwürfeln und Erdnüssen angebraten, dazu gab es eine in Masala-Gewürzen marinierte Kartoffel-Pfanne mit Erbsen, roter Beete und Koriander.