Der Radioredakteur hat jetzt auch die leisen Passagen schön
Das ist der Zoom H6. Das ist großartig und kostet 350 Euro. Das ist eine Technik, die vor 20 Jahren nur in einen Ü-Wagen gepasst hätte. Ich nehm damit Konzerte auf. Das Zoom 6 ist jetzt the latest, da kannst du auch den Mikrofonkopf noch tauschen. Es fing mal an mit dem Zoom, dann kam der Zweier, dann kam der Vierer, das ist jetzt der Sechser.
Das hier (im Bild rechts) ist ein reines Stereomikro. Du kannst das hier tauschen, und dann ist das hier (im Bild links) auch ein Stereomikro, aber das hat drei Mikros, eins in der Mitte und zwei nach links und rechts. Da kannst du was machen, was du sonst nur von Fotos kennst: Du kriegst das Raw-Format und du kannst am Computer nachträglich die Stereoachse korrigieren. Das kannst du ja normalerweise nicht. Wenn ein Auto vorbeifährt, dann kann ich nichts mehr machen. Wenn ich das Mikro hier habe, dann kann ich das vorbeifahrende Auto am Computer noch ein bisschen runterpegeln, weil der Stereokanal separat aufgenommen worden ist.
Das Tolle an diesem Zoom ist, und jahrelang habe ich darauf gewartet, dass jemand so eine eine fantastische Idee hat – dabei ist die total simpel, nämlich ja nur eine Softwareidee –, dass der alles zweimal aufnimmt. Der nimmt das einmal auf dem Pegel auf, den ich eingestellt habe, und der macht eine Backupspur von minus 20 Dezibel. Normalerweise würdest du entweder rumpegeln die ganze Zeit, lauter und leiser werden, so hat man das früher gemacht. Oder du hast eine Automatik, die das runterpegelt. Die hat aber immer eine Latenz. Das heißt, du lachst laut, und für eine Zehntelsekunde oder so was kommt dann das, was du danach sagst, zu leise, weil es weggedämpft wurde. Also diese Automatiken sind ziemlich scheiße, die haben wir früher auch immer bei den Geräten ausgeschaltet, weil diese Latenz uns wahnsinnig gemacht hat. Jetzt muss ich mich um nichts mehr kümmern. Ich nehm meistens ziemlich hochausgesteuert auf, dann hab ich auch die leisen Passagen schön.
Tatsächlich hat keins der anderen Aufnahmegeräte, jedenfalls wüsste ich bis heute keines, so eine Backupfunktion. Und die anderen sind alle viel teurer. Die Sonys kosten um die 1000 Euro. 350 Euro für so ein Gerät, das finde ich unfassbar, weil normalerweise schon ein gutes Mikrofon 350 Euro kostet.
Ist das dein Privatbesitz? Oder stellt das der Sender?
Das ist mein Privatbesitz. Ich bin ja technikaffin und ich kaufe gerne neue Sachen, auch überflüssige Sachen ...
Und du benutzt dein Privatgerät für ein öffentlich-rechtliches Radio, weil dein Privatgerät besser ist?
Ja, natürlich. Ja, erstens, weil es besser ist – unsere Technik sagt allerdings was anderes. Die habe ich mal gefragt, was denn der Unterschied von dem Zoom und dem 600 Euro teureren Sony ist. Die sagten: “Viel besser verarbeitet!” Stimmt. Das Zoom ist Plastik, Sony ist halt in Metall. Und dann kommt irgendwas in den oberen Frequenzwertmessungen, die kein Mensch hören kann, das ist dann halt so Technikertalk. Natürlich kauft das Radio die teureren Geräte, ist ja klar. Aber da musst du jedesmal zum Ausleihen hin ...
Dass es so lange gedauert hat, bis jemand auf diese einfache Idee gekommen ist – war das vielleicht auch eine Frage von Speicherplatzkosten? Also ist es einfach lange Zeit nicht gegangen, weil da so viele Daten anfallen?
Wahrscheinlich, wahrscheinlich. Wenn ich jetzt mit dir eine Stunde aufnehme in dieser Doppelfunktion, sind das 2 GB oder so was. Jetzt ist da eine 36-GB-Foto-Flashkarte drin, die muss auch schnell sein, sonst hast du Speicherprobleme, aber das gab's natürlich früher nicht. Ich nehme an, deswegen kamen die nicht auf diese Idee.
Seit wann gibt's das Gerät?
Das ist, glaube ich, jetzt zwei Jahre alt.
(Florian Felix Weyh, aufgezeichnet von Kathrin Passig)