4. Dezember 2023
Der weiß doch nicht mal, wie meine Laufwerke heißen
Im Traum bekomme ich eine Mail, eine unangenehme Mischung aus Aggression und "ich möchte dich kennenlernen". Der Absender teilt mir mit, dass er meinen Laptop gehackt hat und ich mich bei ihm melden muss, wenn ich wissen will, wie ich wieder an meine Daten komme.
Es ist zwar wirklich gerade irgendwas seltsam an meinem Laptop, aber gehackt, das glaube ich nicht. Denn es ist der Laptop, den ich real vor siebenundzwanzig Jahren hatte, ein drei Kilo schwerer AcerNote, auf dem Windows 3.1 läuft, mit Disketten. Der Verbrecher weiß doch nicht mal, wie meine Laufwerke heißen, denke ich. Im Traum heißt das eine Laufwerk B:, und das ist für diesen Hackvorgang wichtig, oder ich glaube das jedenfalls. Auch sonst ist auf diesem Gerät bestimmt alles anders, als Hacker von 2023 es erwarten, außerdem habe ich Backups von allem. Ich mache mir wenig Sorgen.
Eigentlich war ich gerade damit beschäftigt, mit diesem Laptop ein ganz neues Speichermedium auszuprobieren. Es ist etwa 5 x 5 cm groß, nur so dick wie eine stabile Plastikfolie und zum Teil, vor allem am Rand, transparent. Der nicht transparente Rest sieht aus wie eine Mischung aus Photovoltaikpanel und QR-Code, und wenn ich das Speichermedium mit Daten beschreibe, kann ich sehen, wie sich diese Zellen füllen. Der alte Laptop hat im Traum einen passenden Slot dafür an der Vorderkante des Gehäuses, dort, wo bei meinem allerersten, noch viel älteren Computer die zwei Diskettenlaufwerke waren.
Mein Kollege Harald N. hat dem Angreifer inzwischen schon höflich-abweisend geantwortet: Er glaubt auch nicht, dass mein Laptop gehackt worden ist, denn er kann ihn in seinem Netzwerk noch sehen und <noch irgendwelche anderen Argumente>. Ich freue mich, denn ich lese aus der Mail, dass Harald selbstverständlich davon ausgeht, dass ich aktuelle Backups habe und dass er genau wie ich an die Unhackbarkeit meiner Verhältnisse glaubt. Auch wenn das vor allem an meiner uralten Technik liegt.
(Kathrin Passig)













