zweck, zweckfrei, zwecklos...
Es war ein schöner Abend zum Spazierengehen. Nach mehreren kalten und wolkenreichen Tagen kam dann doch die Wärme. Ich schnappte meine Kamera, um ein paar Bilder beim Sonnenuntergang zu machen. Das ist mein neues Hobby, was mich völlig in Beschlag nimmt. Also wanderte ich durch die Straßen auf der Suche nach einem interessanten Bildmotiv. Mein Ziel waren die Bauernfelder am Rande der Stadt.
Der Weg führte mich an einer Wiese mit einigen Bäumen am Rand vorbei. Gerade passierte ich einen Baum, da hörte ich ein Kreischen. Mehrere Dohlen von mir aufgeschreckt flogen vom Baum. Unwillkürlich musste ich an Dohlen denken. Wozu gab es sie? Sie scheinen nicht besonders nützlich zu sein, jedenfalls für den Menschen. Was die Natur angeht, so fiel mir auch nicht viel ein. Ich kenne sie nur als streitsüchtig und räuberisch. Warum hat Gott also die Dohle erschaffen? Da wurde ich von einer Gegenfrage in meinem Alles-muss-einen-Zweck-haben-Denken ertappt. Muss denn alles einen Nutzen haben? Funktion?
Vor einigen Wochen hörte ich mehrere Vorträge und las darüber, dass der Mensch einen zweckfreien Raum braucht und auch Zeiten, in denen er nichts tut. Es ist für den Menschen überlebensnotwendig, dass er einfach sein kann. In dieser Zeit kann sich die Seele entspannen, es kommen verdrängte Fragen hoch, kreative Ideen fallen ein. Es war als ob Gott mir sagen würde: „Es geht nicht um irgendeinen Zweck, eine Funktion. Es geht um Sein. Ich will, dass es Dohlen gibt, einfach so.“ Als ob Gott schmunzeln würde. Auch ich musste schmunzeln und erblickte das erste Bildmotiv, eine Feldblume am Straßenrand. Unauffällig, doch in ihrer Zartheit und Form wunderschön!
















