Wenn der Tag in die Hose geht ...
6:30 Uhr in Dortmund. Es wird Zeit, dass ich mich auf den Weg nach Solingen mache, schließlich habe ich Frühdienst im Kindergarten und will weder Kolleginnen noch Kinder und Eltern unnötig warten lassen.
6:32 Uhr immer noch in Dortmund. Es fängt an zu schneien, nicht ein bisschen, sondern gleich mal so richtig. Die Voraussetzungen für ein pünktliche Ankunft am Arbeitsplatz verschlechtern sich gerade rapide.
7:01 Uhr in Wuppertal. Wechsel von der A43 auf die A46. Meine Vorahnungen werden bestätigt, denn hier haben sich alle versammelt, die die Ankunft der weißen Flocken gebührend feiern wollen. Um die Freude nicht zu trüben, haben die lokalen und regionalen Radiosender sich entschieden, gar nicht erst mit einer entsprechenden Staumeldung dazwischenzufunken.
7:43 Uhr in Solingen. Mit nur 13 Minuten Verspätung fahre ich auf den Kindergartenparkplatz. Angesichts der zunehmend schlechter gewordenen Verkehrslage eigentlich noch fast pünktlich. Gleich mal Ausschau nach den Wagen der Kolleginnen aus meiner Schicht halten. Nicht einer davon zu sehen. Das gibt es doch gar nicht, Montag Morgen und die komplette Schicht ist krank? Na super, das wird ja ein toller Tag werden!
7:46 Uhr im Kindergarten. Eine Kollegin aus dem Spätdienst ist schon da und öffnet mir die Tür. Ich denke: "Prima, da hat sich gleich mal jemand darum gekümmert, dass überhaupt jemand in der Einrichtung ist."
7:47 Uhr im Flur. Frage an die Kollegin: "Sind die alle krank?" Antwort: "Bis jetzt habe ich noch nichts gehört."
7:48 Uhr im Therapieraum. Ich schlage den Kopf mehrfach hintereinander auf die Liege. Gerade ist in mir die Erkenntnis gereift: ich habe überhaupt keinen Frühdienst, ich habe Spätdienst! Ich hätte ausschlafen können! Ich bin nicht zu spät, ich bin viel zu früh! Argh!
11:24 Uhr auf dem Bauteppich. Mit Engelszungen rede ich auf einen kleinen Jungen mit Down-Syndrom ein. Seit mehreren Minuten versuche ich nun schon, ihn dazu zu bewegen, endlich sein Puzzle einzuräumen. Erfolglos, mein Bitten wird konsequent ignoriert.
11:26 Uhr Noch immer auf eben jenem Bauteppich. Und noch immer keine Reaktion, mein Gegenüber verharrt in kompletter Regungslosigkeit.
11:27 Uhr Der Bauteppich ist der gleiche, mein Gesichtsausdruck aber ein anderer. Die oben erwähnte Regungslosigkeit hat ihren Grund und der ist ganz eng mit der nassen Strumpfhose des Kindes verbunden. Kein Grund zur Aufregung, das kommt im Kindergartenalltag ständig vor.
11:28 Uhr Der Bauteppich ist nun nicht mehr ganz der gleiche, er hat sich nämlich partiell in einen Urinsumpf verwandelt. Leider zunächst unbemerkt von mir und leider genau an der Stelle an der ich gerade sitze bzw. jetzt lieber nicht mehr sitzen will.
11:29 Uhr im Gruppenraum. Meine Jeans nass, meine Unterhose feucht und ich kann guten Gewissens behaupten: "Ich war's nicht!" Der Lösungsansatz "Neue Klamotten anziehen" kann direkt verworfen werden. Im Gegensatz zu den Kindern habe ich nämlich keine Wechselwäsche im Kindergarten.
11:31 Uhr auf der Mitarbeitertoilette. Unter Zuhilfenahme eine Haartrockners, dessen Leistung allerdings besser in Milliwatt ausgedrückt würde, gelingt es mir, den Zustand meiner Klamotten langsam zu verbessern. Mit meiner Laune gelingt das nicht.
15:30 Uhr im Therapieraum. Ich packe meine Sachen, gucke nochmal in den Kalender, wann ich morgen Dienstbeginn habe und freue mich darauf, in einer Stunde zu Hause endlich frische Sachen anziehen zu können.
Und morgen bringe ich dann auch mal Wechselwäsche mit in den Kindergarten!