Schulterzucken
Schulterzucken Dieses hey ich hab dich gar nicht gesehen - Eventuell ja die größte Lüge meines Lebens. Ja ich wollte dir aus dem Weg gehen, vielleicht weniger dir als der Begegnung mit Erinnerungen und Gefühlen und Gedanken. Und jetzt sitzen wir hier und ich sauge an meiner Fanta obwohl ich Fanta eigentlich gar nicht mag, aber das hab ich dir nie gesagt. Ich hab dir auch nie gesagt, dass ich Sellerie nicht mag und Desperate Housewifes nie angesehen habe. Und trotzdem sitzen wir hier und haben so viele Worte zwischen uns, die wir wohl beide spüren aber niemand traut sich danach zu greifen, aus Angst Wände einzureißen, die man gerade mühsam aufgebaut hatte. Aus Angst zu viele Konjunktive verwenden zu müssen, zu viele "wenns" und "würdes" und "könntest" und "hättest". Und "wölltest". Auch wenn das Wort eigentlich gar nicht existiert und es mich jedes Mal zur Weißglut getrieben hat, wenn ich es von dir gehört habe. Aber auch das hab ich dir nie gesagt. Und was das jetzt ist - ich kanns dir nicht sagen. Wieder schweigst du mich an, wie immer schon, weil ein großer starker Mann ja seine Sachen alleine regeln kann. Wollen wir noch eins? Ja klar, immer wollten wir noch eins, und noch eins und noch eins. Bis wir irgendwann vergessen haben, dass wir noch so viel zu bereden haben. Wir füllen Lücken mit Dingen die dort eigentlich gar nicht hinpassen, wie bei einem Puzzle wo ein Stück fehlt. Wir füllen Lücken mit Emojis und Schulterzucken und abgewandten Blicken. Immernoch problematisch Menschen in die Augen zu sehen. Genauso schlimm wie fremde Menschen anzurufen oder im Restaurant zu sagen, dass es nicht geschmeckt hat. Aber das habe ich dir auch nie gesagt. Der Strohhalm sticht mir in die Lippe. Orangenprickeln auf der Zunge während mir Zigarettenrauch in der Nase beißt. Bittersüß - genau wie unsere Zeit.
















