Als ich langsam zu mir kam, spürte ich ein unangenehmes Ziehen in meinem Nacken. Schwerfällig hob ich den Kopf und stöhnte dabei leise vor Schmerz auf, während ich langsam die Augen öffnete und einige Male blinzeln musste, um in der spärlich beleuchteten Umgebung etwas erkennen zu können.
Es war ein dunkler, kleiner Raum und wie in jedem schlechten Horror- oder Krimifilm, baumelte eine einzelne, schwach leuchtende Glühbirne an einem Stromkabel von der Decke. Fast lachte ich über dieses Klischee, mahnte mich jedoch dazu, leise zu sein.
Mir wurde bewusst, dass ich auf einem Holzstuhl saß, die Hände hinter meinem Rücken mit einem rauen Seil gefesselt, die Füße jeweils links und rechts an die Beine des Stuhls mit Handschellen befestigt. Jetzt konnte ich aufgrund des weiteren Klischees ein Augenverdrehen nicht verkneifen. Dumpf vernahm ich hinter der Tür, die scheinbar hinter mir zu meiner Rechten war, einige männliche Stimmen, die angeregt miteinander diskutierten – die genauen Worte konnte ich jedoch nicht ausmachen. Ich versuchte stattdessen mich wieder auf den Raum zu konzentrieren, und mir weitere Einzelheiten einzuprägen, doch aufgrund des schwachen Lichts konnte ich nicht mehr als einen Tisch in der hinteren Ecke erkennen und einem Eimer. Zumindest vermutete ich, dass es ein Eimer war.
Ich versuchte mich daran zu erinnern, wie ich hierher gekommen war, doch die genauen Details waren verschwommen. Eigentlich war bei diesem Einsatz alles gut verlaufen, ich hatte mich unauffällig verhalten, Abstand gehalten und immer darauf geachtet, dass ich nicht entdeckt wurde. Entweder war mir doch ein Fehler unterlaufen, oder aber–
„Na, sieh mal einer an, wer aus dem Reich der Träume aufgewacht ist“, ertönte eine der Stimmen hinter mir und ich zuckte erschrocken zusammen. Langsame, schwere Schritte zu meiner Rechten, bis der Mann direkt vor mir stand und sich vornüber beugte, um auf Augenhöhe mit mir zu sein. „Dann kannst du uns ja jetzt auch verraten, warum du uns die letzten drei Tage so intensiv beobachtet hast.“
Doch diese Stimme war neu und keine von denen, die ich in den letzten drei Tagen gehört hatte.
Egal, was sie mir noch antun wollten, ich würde nicht nachgeben. Egal, wie lange meine Kollegen noch brauchen würden, um dieses Versteck zu finden, sie würden mich nicht brechen.
Ich hatte gerade einen tiefen Atemzug genommen, als mein Kopf wieder unter Wasser gedrückt wurde. Wasser drang in meinen Mund, welchen ich schnell wieder schloss, was allerdings nur dazu führte, dass ich das Wasser verschluckte. Hustend wollte ich es wieder ausspucken, schluckte aber nur noch mehr. Mit dem ganzen Körper zappelte ich, versuchte mich aus dem festen Griff zu befreien, doch nach unzähligen Minuten dieser Folter schwand meine Kraft dahin.
Mein Kopf wurde wieder zurück gerissen und diesmal ließ man mich auf den Boden fallen. Schnell rollte ich mich auf die Seite und spuckte und hustete das Wasser aus, das ich geschluckt hatte. Meine Kehle brannte, jeder Atemzug tat mehr weh als der vorige. Mein Körper zitterte vor Kälte durch das Wasser, vor Erschöpfung.
„Willst du nicht endlich reden?“, fragte mich derjenige, der meinen Kopf die ganze Zeit unter Wasser gehalten hatte, als er neben mir in die Hocke ging und mich mittlerweile genervt und wütend anblickte.
Ich hob meinen Kopf, funkelte so wütend zurück, wie ich es noch schaffte und brachte ein heiseres „Fick dich“ über die Lippen. Der Mann erhob sich mit einem Lachen – und dann landete sein Fuß mit voller Wucht in meinem Magen. Ich keuchte auf, mir blieb die Luft weg und ich krümmte mich vor Schmerzen. Sie würden mich umbringen müssen, bevor ich auch nur ein Wort aus plapperte. Auf den ersten Tritt folgten ein, zwei, drei weitere, bis ich irgendwann aufhörte zu zählen und das Bewusstsein verlor.
Wieder war ich auf diesen Stuhl gefesselt, als ich das nächste Mal zu mir kam, diesmal hing ich jedoch wie ein nasser Mehlsack auf diesem. Mir fehlte jegliche Kraft, um mich aufrecht zu halten. Jeder Muskel, jedes Gelenk, jedes Körperteil schmerzte und ich wusste nicht, wie lange ich das noch durchhalten konnte. Wie lange sie diese Folter überhaupt noch durchziehen wollten. Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, doch ich vermutete, dass man mich vor mindestens drei Tagen entführt hatte. Und seit zwei Tagen wurde ich so lange gefoltert, bis ich das Bewusstsein verlor. Und sobald ich wieder wach war, startete die nächste Runde. Für jede Runde hatten sie sich bisher etwas Neues ausgedacht, ich fragte mich, was sie sich wohl für die nächste ausgedacht hatten.
Müde öffnete ich die Augen und blickte auf meine Beine. Ich erwartete, dass sie mir in merkwürdigen Winkeln vom Körper hingen, doch sie waren scheinbar nicht gebrochen. Stattdessen war meine Hose nass und dunkel gefärbt. Scham überkam mich, als mein erster Gedanke war, dass ich mir in die Hose gemacht haben musste. Doch abgesehen von dem Wasser, das ich bei den Foltern geschluckt hatte, hatte ich nicht einmal einen Liter getrunken, meine Blase konnte also nicht so voll sein. Nein, das hier war etwas anderes.
Die Stimme ließ mich zusammen zucken, da ich nicht damit gerechnet hatte, dass noch jemand mit mir im Raum war. Als ich meinen Kopf langsam und unter Schmerzen anhob, sah ich, dass einer der Männer mit verschränkten Armen an dem Tisch mir gegenüber lehnte und jemandem zunickte, der hinter mir stehen musste.
„Diesmal hast du dir aber Zeit gelassen, Prinzessin“, sagte der Mann höhnisch, als er hinter mir hervor kam, einen weiteren Stuhl heran zog und diesen so drehte, dass die Rückenlehne zu mir zeigte. Er setzte sich breitbeinig darauf und legte einen Arm auf der Rückenlehne ab. Sein Blick wanderte meinen Körper auf und ab, als würde er nach einer Stelle suchen, die er noch nicht geschunden hatte. Dabei entdeckte er auch meine dunkel gefärbte Hose.
Genervt murrte er: „Jetzt hast du auch noch meinen Stuhl ruinier-“ Er hielt jedoch inne und legte den Kopf schräg, als er etwas entdeckte, das ich nicht sehen konnte. „Haben wir dich so dehydriert, dass du schon Blut pinkelst?“
Ich wollte die Stirn runzeln, doch auch dies verursachte Schmerzen, also ließ ich es sein. Dass die meisten Männer nicht viel Ahnung von weiblicher Anatomie hatten, war mir bereits bekannt, doch auch er musste wissen, dass man bei Dehydration kein Blut ausschied, sondern der Urin nur sehr dunkel gefärbt war und auf einen deutlichen Wassermangel hinwies.
Nein. Das war kein Urin, wurde mir schmerzlich bewusst. Entweder sie hatten gewusst, was sie taten und die Tritte waren wohl platziert gewesen – oder aber es war ein Versehen.