9) Epilog der Hoffnung
Der Konvoi ist aufgelöst, die Bestandteile ticken ab sofort nicht mehr zusammen, sondern nach ihrer jeweils eigenen Uhr. Ein Teil der Gruppe wählt die schnellste Variante und fliegt zurück nach Deutschland. Die Trucks sind seit gestern auf dem Weg zurück, die türkischen Fahrer haben im Zweifelsfall keinen Blick für die Schönheit der Landschaft, sie müssen versuchen, die Actros-Sattelzugmaschinen so schnell wie möglich wieder in Stuttgart bzw. Berlin abzuliefern. Wir wählen eine andere Variante: Umwege!
Das Dilemma eines Bildreporters: Die offiziellen Flüchtlingslager sind streng abgeriegelt, hier gewährt die Türkei nur in seltenen Ausnahmefällen Einblick. Aber wir wollen den syrischen Flüchtlingen ein Gesicht geben. Und nach ein paar Stunden Suche finden wir Menschen, die in der Türkei Zuflucht gefunden haben. Syrer aus Aleppo, Homs, Az’Az oder kleinen Dörfern, deren Namen niemand kennt. Sie verdingen sich bei türkischen Bauern während der Olivenernte oder leben in einfachen Unterkünften am nordöstlichen Stadtrand von Reyhanli. Die Erwachsenen sind meist nachdenklich, eine junge Mutter bettelt fast aggressiv um Geld. Viele der Kinder sind fröhlich, verdrängen den Schmerz und die Erinnerungen. Bis auf den fünfjährigen Hammad, dessen kleiner Körper übersät ist von Narben – er wurde von Granatsplittern verletzt und scheint zu ahnen, dass er an diesen Verletzungen sein Leben lang leiden wird.
Viele Straßen wurden befahren. Es waren Straßen voller Krieg, Entsetzen und Elend; aber auch der Hilfe und des Aufbruchs. Und wenn der Konvoi für diese Menschen ein bisschen Hoffnung bringen konnte, war die Reise ein voller Erfolg...












