17:23 08/11/2024
An den*die anonyme Mitleser*In: Auch wenn es etwas abstrus klingt danke ich dir für deine Sorgen und finde es toll, dass du dir Sorgen machst. Toll finden? Klingt etwas komisch - ich meine damit, dass es mich froh macht, dass es da draußen noch jemanden gibt, der sich Sorgen um mich macht und dem ich demnach etwas "bedeute". Ich gehe erstmal nicht davon aus, dass du mir einen reindrücken wolltest - falls doch, solltest du deine Norm- und Wertvorstellungen überdenken.
Dieser Blog wurde von mir genutzt um "Gedanken ins Internet herauszuschreien", um mit diversen Traumapunkten besser umgehen zu können, um sie einmal verbalisiert zu haben. Das Ganze kann als die Nebenwirkung meiner Therapie angesehen werden. Verbalisierungen fallen mir schwer - wie wahrscheinlich so jeder Person. Es ist schwer das in Worte zu fassen, was man gerade denkt. So wird auch im therapeutischen Rahmen gerne mit Schriftstücken und Notizen gearbeitet um den Gedanken Ausdruck zu verleihen. Genau das war dieser Blog, es hat sich etwas leichter angefühlt, "plötzlich alles so leicht, als ging es von selbst" nachdem die Gedanken ins Internet geschrieben wurden. In eine anonyme Umgebung, in der mich keiner kennt. Du scheinst mich jedoch zu kennen, deswegen möchte ich dir Folgendes sagen, da du scheinbar eines der Vielen Ichs, welche im Strahl der Zeit existieren und umherirren, noch kennst. Du denkst mich in meinem jetzigen Zustand zu kennen und meine Texte deuten zu können. Aber wie jeder Mensch habe ich mich etwas weiterentwickelt, wie jeder Mensch bin ich nicht mehr "ich vor 5 Jahren". Aber um dir die Sorgen etwas zu nehmen:
Mir geht es den Umständen entsprechend gut, die Behandlung einer PTBS ist alles andere als angenehm und toll oder, um es mit anderen Worten zu sagen, "Eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes ist zu erwarten". Es ist erwartbar, dass es einem in einer akuten Therapiephase nicht gut geht, es ist erwartbar, dass es Tiefpunkte gibt - das sind die Nebenwirkungen von Therapie. Die Frage ist hier nicht, wie tief es geht, die Frage ist, was du hast um der Tiefe zu entkommen. Was hast du, um dich zu stabilisieren und was hast du, um durch diese so dunkle und anstrengende Zeit zu kommen? Also, was konnte ich mir aufbauen, was habe ich nun? Du weißt das sicher nicht, deswegen hast du dir Sorgen gemacht. Ich möchte es dir aber nun so mitteilen um mich selbst für dich einzuordnen:
Ich habe eine unglaublich tolle Therapeutin, welche sich für mich einsetzt und zu jeder Zeit erreichbar ist. Ich mache Fortschritte - egal wie klein sie sein mögen - in meiner Persönlichkeitsentwicklung und meiner Gedankenwelt. Mein engster Kreis besteht aus Menschen, die mir so unglaublich viel bedeuten, dass ich von ihnen als Familie spreche - frei nach dem Leitsatz "Everyone i love is here"! Danke an all die Süßmäuse, die mich unterstützen, sich meine Probleme anhören und in jeder Situation für mich da sind, mich zum lachen bringen und mir zeigen, wie schön diese Welt sein kann. Danke.
Du merkst, ich kann aus Ressourcen schöpfen, die mir helfen durch diese Therapie und die Gedanken zu stolpern, Personen, die nur einen Anruf weit entfernt sind, Personen denen ich wirklich etwas bedeute. So wie Ahzumjot bereits andeutete: Es braucht nicht mehr als einen Anruf und ich sitze sofort im ADAC Postbus nach Hamburg oder im ICE straight nach Frankfurt
Everyone i love is here - und trotzdem geht es mir manchmal nicht so gut. Trotzdem geht es mir gerade nicht so gut. Trotzdem kommen Gedanken auf, die dem widerstreben. Aber weißt du was? Das ist nicht so schlimm, denn ich weiß: "es braucht nicht mehr als einen Anruf" und "everyone i love is here". Und weißt du noch was? Es ist okay, dass es mir nicht gut geht, es ist okay, dass ich manchmal nicht weiter weiß und auf abstrakte Weise ist es auch okay, dass sich Symptomatiken wie die Selbstverletzung wieder anbahnen. Es ist okay, dass ich mal weine, mal schreie und mal regungslos bin. Es ist okay, dass mich Geschehnisse triggern, es ist okay sich den Raum zu nehmen, wenn man diesen braucht. Denn die Akzeptanz, dass es einem nicht gut geht und die Hoffnungslosigkeit, die mit der Konfrontation der Trigger einhergeht, zeigt mir, dass ich anfangen kann zu heilen und das ich mich auf einem guten Weg befinde. "Es wird nie schlimmer als es damals war"
Und auch wenn es manchmal dunkel wird und ich mich frage "where is my mind", so wird immer Licht da sein. L,M,B,D,N,P,L - all diese Buchstaben stehen für Personen, welche mir dieses Licht geben. Und ich finde jeder sollte wissen, dass jede dunkle Nacht ein helles Ende haben wird. Alles wird irgendwann gut, und wenn es nicht gut ist, kann es auch nicht das Ende sein.
Falls du dir anhaltend Sorgen machst steht es dir jeder Zeit offen mir zu schreiben. Da du mich ja kennen solltest weißt du auch, wie du mich erreichen kannst. Wie ich oben ja bereits sagte: Danke für deine Sorgen. Ich denke, dass es vielen Personen auf der Welt besser gehen würde, wenn es mehr aufmerksame Personen wie dich geben würde. Vieles könnte verhindert werden, wenn -wir- genauer hinschauen würden. Ich wünsche dir nur das Beste und sollte es dir nicht gut gehen oder du möchtest dich vergewissern, dass es mir auch gut geht - meine Nachrichten stehen dir Jederzeit offen.
Nur das Beste für dich und deine Zukunft, xoxo












