Das liegt wahrscheinlich an der zugewandten Interpretations des Geschehens, die von einem Irrtum ausgeht, nachdem von keinem von Euch eine Reaktion auf den Aktivistenbegriff Terf kam.
Wenn Alexander gesagt hĂ€tte, dass Annika von der LĂŒgenpresse angegriffen worden wĂ€re, hĂ€ttet Ihr sicherlich widersprochen, weil klar ist, welche Denke hinter dem Begriff steht. So Ă€hnlich ist das bei Terf auch. Dahinter steht die Vorstellung, Biologie sei bloĂ ein gesellschaftliches Konstrukt, Geschlecht ein Spektrum, Sex spiele keine Rolle, Gender sei das wahre Kriterium und wer das leugne, sei transphob und Faschist. Das ist vielen Leuten aber nicht klar und bei Leuten, die AufklĂ€rung gegen Schwurbel betreiben, wĂŒrde ich mal davon ausgehen, dass die selbstverstandlich fĂŒr die Rechte von transidenten Menschen eintreten, so zu sein, wie sie sind - da brauchen wir nicht drĂŒber zu reden, da sind wir uns absolut einig - aber eben nicht ĂŒber die tatsĂ€chlichen Grenzen hinaus.
Ein Mann ist keine echte Frau, nur weil er sich so empfindet und das hat Folgen, zum Beispiel dass Lesben weiterhin nicht auf ihn stehen und er gleich trainierten Frauen im Sport gegenĂŒber qua Geschlecht einen Vorteil hat. Um aufzuzeigen, dass Ihr hier Euch hier selbst in SchwurblernĂ€he rĂŒckt, wurde dann eben unter so einer Diskussion getaggt. Entweder es kommt dann "Ja, das ist Quatsch" oder der Beweis, dass MĂ€nner wirklich Frauen sind. Oder gar nichts, wie von den anderen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man hĂ€ufiger getaggt wird, wenn man sich derart exponiert, aber es ist eben so, dass die Biologie sich nicht verleugnen lĂ€sst. Deswegen kommen ja nach dem "Frauengehirn im MĂ€nnerkörper" ErklĂ€rungen wie die Genderseele von Georgine Kellermann, die völlig vom Körper gelöste GeschlechtsidentitĂ€t, die in Deutschland juristisch durchgebracht werden soll oder eben das Argument, dass Menschen ihre ZustĂ€nde andern können, weil Quanten das auch können. (Das war Alok Veit-Menon wenn ich mich recht entsinne. Definitiv aber die englischen Transaktivisten.) In den Argumentationen kommt man so aber nicht weiter, deswegen werden insbesondere Frauen, die sich fĂŒr Frauenrechte einsetzen (noch einmal: Es geht hier um FrauenrĂ€ume wie Toiletten, Umkleiden, GefĂ€ngnisse, Sport, aber auch um Lesben, die immer noch mit MĂ€nnern zu tun haben, die wollen, dass sie deren sexuelle Fantasien erfĂŒllen, indem sie einfach sagen, sie seien lesbisch, frĂŒher als begleitenden Witz, aber immer noch mit "Mein Penis ist weiblich und Du musst das einfach nur mal ausprobieren und wenn Du nicht mit mir schlĂ€fst, weiĂt Du ja gar nicht, ob Du das nicht vielleicht doch magst.") als Terf abklassifiziert, das mit Transphobie und Menschenfeindlichkeit verbunden und einfach behauptet, Terfs seien ohnehin Nazis und Faschisten, weil das ja unfair sei, keine MĂ€nner als Frauen zu akzeptieren, besonders weil die Biologie ja ein gesellschaftliches Konstrukt sei usw usf.
Wie gehaltvoll diese VorwĂŒrfe sind, kann man zB an JK Rowling sehen - da ist halt nix mit Transphobie zu finden und trotzdem wird sie dafĂŒr gecancelt. Oder in Deutschland Marie-Luise Vollbrecht. Einfach ein Vortrag ĂŒber das Geschlecht und zack, sie ist die groĂe Terf, vor der man sich in acht nehmen muss und die (ĂŒberspitzt gesagt) durch die Gegend rennt und transidente Menschen umbringen will. Nur dass das halt nicht stimmt und auch erkennbar ist, dazu noch die wissenschaftliche Einigkeit in Bezug auf Geschlecht. Dann hat sie nichts anderes geschrieben als zB auch Volker Beck vertritt, nĂ€mlich die Einzigartigkeit der Shoah hervorzuheben, indem darauf verwiesen wird, dass transidente MĂ€nner nicht in dem AusmaĂ verfolgt wurden wie Juden - trotzdem ist sie jetzt voll Nazi und Faschist. Volker Beck selbstverstĂ€ndlich nicht, er hat es zB als GrĂŒner nicht so mit der sexuellen Selbstbestimmung und findet, dass transidente MĂ€nner das Recht haben, als echte Lesben anerkannt zu werden und Lesben Girldick sucken sollen. Hier ist ĂŒbrigens eine weitere Variante des angeblichen Beweises, dass MĂ€nner auch Frauen sein können, verwendet worden: Im Vorfeld zu diesem Vortragscanceling sind Dana Mahr und Marie-Luise Vollbrecht schon einmal aneinander geraten - Dana Mahr behauptete, eine besondere Konstellation von IntersexualitĂ€t aufzuweisen. Marie-Luise Vollbrecht nahm ihr das nicht so wirklich ab und fragte nach der Veröffentlichung des Falles.
Bei allem VerstĂ€ndnis fĂŒr die Frustration, nicht ernst genommen zu werden und standig zu hören, dass die bitte beweisen mögen, das andere Geschlecht zu sein, es kann nicht die Lösung sein, die RealitĂ€t deswegen zu verdrehen und Frauen ihr Geschlecht zu nehmen. Und ja, auch ich fordere Beweise dafĂŒr ein, dass ein Mann wirklich eine Frau ist - weil mir gegenĂŒber der Anspruch formuliert wird, ihn tatsĂ€chlich zu hundert Prozent als Frau zu behandeln - wider besseren Wissens. Ich habe kein Problem damit, Frau Kellermann zu sagen, ich habe aber ein Problem damit, wenn Frau Kellermann sagt, sie hĂ€tte Karriere als Frau gemacht - meine Mutter ist im selben Alter und musste ob ihres Geschlechtes einiges einstecken und ist gegen WĂ€nde gerannt, die MĂ€nnern offen standen.
Eigentlich sind da Beweise fĂŒr die Biologieleugnung gefordert, mittlerweile geht der Aktivismus aber so weit, dass das eigentlich dem Transsein zugrunde liegende Merkmal Disphorie gar keine Rolle mehr spielt. Und zack, kommt es zu weiteren Problemen, weil es zB viele MĂ€nner gibt, die den Fetisch haben, als Frau gesehen zu werden und dadurch erregt werden. Die sind nicht trans, haben aber jetzt gerade viel SpaĂ und werden noch mehr SpaĂ haben, wenn das Selbstbestimmungsgesetz durchgeht. Ich bin aber nicht dafĂŒr zustandig, andereb ihre sexuelle Befriedigung zu verschaffen, Dazu kommen die Taktiker, die ĂŒbergriffig sind, zB die Vergewaltiger, die sich in FrauengefĂ€ngnisse verlegen lassen wollen oder die, die einfach mal freien Zugang zu Frauenunkleiden, -toiletten und -duschen brauchen. Hinzu kommen ganz simple Feststellungen: Die ĂŒberwiegende Mehrheit der Jugendlichen, die Disphorie empfinden, sind einfach bloĂ homosexuell und werden glĂŒckliche Menschen, dazu kommen psychische Krankheiten mit entsprechender KomorbiditĂ€ten von Körpermissempfundungen und heutzutage soziale Medien und Co, wo ohnehin der eigene Körper permanent massiv in Frage gestellt und begutachtet wird. Selbst mit Aufrechterhaltung einer Diagnosstellung statt einfacher Selbstbestimmung, wie sie von Aktivisten aktuell gefordert wird, ist die Formel Disphorie = Trans viel zu simpel. Das ist so ein Wust von Möglichkeiten der Fehldiagnose mit teilweise schwerwiegenden Folgen, dass ich es tatsĂ€chlich mittlerweile in Frage stelle, ob mein GegenĂŒber wirklich transident ist, wenn er sich beispielsweise so gibt wie Frau Ganserer (und kann mich hier auf PersiaX berufen, ein transidenter Mann, der genau dasselbe tut).
Und genau deswegen bin ich auch gegen das Selbstbestimmungsgesetz. Es geht zu weit, es gibt keine vom Körper gelöste GeschlechtsidentitĂ€t und die Behauptung, das Transsexuellengesetz sei grundrechtswidrig stimmt nicht, da die grundrechtswidrigen Passagen nicht mehr angewendet werden dĂŒrfen. Refomieren und Prozesse fĂŒr die Betroffenen verbessern? Sofort! Aber nicht auf Kosten von anderen Menschen und mit so groĂer Gefahr der Ausnutzung und Fehlbehandlung. Und vor allen Dingen unter Beachtung wissenschaftlicher Erkenntisse: Pubertatsblocker sind keine Bonsche und nachdem, was ich bislang gehört habe, nutzen sie transidenten jungen MĂ€nnern, bei denen klar ist, dass sie transident sind. Aber das sind auch die einzigen. Und mit ehrlicher AufklĂ€rung, zB in Bezug auf die SexualitĂ€t: Nur weil ich mich als Lesbe empfinde, heiĂt das nicht, dass ich eine bin, ergo werde ich als transidenter Mann auf einem Lesbentreffen keine Partnerin finden. Oder: Eine Neovagina ist etwas anderes als eine Vagina und bedarf anderer Pflege. Oder: Als transidenter Mann habe ich andere Probleme als als Frau, zB weil ich wegen anderer Dinge diskriminiert werde. Die Frau stöĂt auf Grund ihrer potentiellen GebĂ€hrfĂ€higkeit möglicherweise gegen glĂ€serne Decken, der transidente Mann wird beim Karrierepoker ĂŒbergangen, weil man ihn fĂŒr pervers und nicht reprĂ€sentabel genug hĂ€lt.
Das Thema ist noch viel umfangreicher, bei Alexander ist es zB witzig, dass er immer von nahezu naturwissenschaftlich arbeitender Psychologie schwafelt, die deutschen Psychologen aber an einer affirmativen Behandlung fĂŒr transidente Menschen arbeitet - was bedeutet, dass zB PubertĂ€tsblocker als die Lösung verkauft werden, mit denen man die PubertĂ€t so lange auf Pause stellen kann, bis man weiĂ, welches Geschlecht man hat. Ich habe wenig Ahnung von Psychologie, aber dass das Bullshit ist, weiĂ sogar ich nach den Lesen eines Buches ĂŒber Entwicklungspsychologie von vor ein paar Jahren.
Alexander und die ganze Gruppe können selbstverstandlich fĂŒr Transrechte eintreten - aber jedem von Euch muss klar sein, dass Terf ein Kampfbegriff ist, der mit Biologieleugnung (und Gewalt gegen Frauen) einhergeht und wenn Ihr Euch dann trotzdem neben Biologieleugner stellt, dann könnt Ihr auch erklĂ€ren, warum denn zB keine Frau an die Sportrekorde der MĂ€nner heranreicht, wenn doch Geschlecht keine Rolle spielt? (Um mal wieder an den Ausgang des Geschehens zurĂŒck zu kommen.)