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@ablagep
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Stockholm, September 2012.
Gamla Uppsala, September 2012.
Gamla Uppsala, September 2012.
Diese tatsĂ€chliche Erweiterung der BedĂŒrfnisse entspricht der notwendingen zivlisatorischen Funktion des Kapitals. Insofern die ablehnende Haltung gegenĂŒber der 'Konsumgesellschaft' von der gerechtfertigten Verurteilung der Kommerzialisierung und Entmenschlichung des Konsums in eine allgemeine Ablehnung der BedĂŒrfnis- und Konsumerweiterung ĂŒbergeht [...], dreht sie die Schraube vom wissenschaftlichen zum utopischen Sozialismus, vom historischen Materialismus zum historischen Idealismus zurĂŒck [...]. Ablehnung der kapitalistischen Konsumgesellschaft kann in diesem rationalen marxistischen Sinne nur bedeuten: Ablehnung all jener Formen des Konsums und der GĂŒtererzeugung, die weiterhin die Entwicklung der Menschen einschrĂ€nken, einengen; Umkehrung des VerhĂ€ltnis zwischen GĂŒterproduktion und menschlicher Arbeit, welches durch die Warenform bedingt ist, indem nun nicht mehr der maximale Privatprofit fĂŒr jede einzelne Erzeugereinheit Hauptziel der WirtschaftstĂ€tigkeit sind, sondern die optimale SelbsttĂ€tigkeit der einzelnen Menschen.
Ernest Mandel: Der SpÀtkapitalismus, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1972, S. 339 - 340.
The Green Party has reduced the struggle for universal emancipation to the small change of âorganicâ and âfair tradeâ consumerism. The harmless memory of a dissident past now serves as an inexhaustible source of legitimacy, not just for their own actions, but for German power and the state apparatus itself. Reality is turned upside down: it is not the Greens who have changed, apparently, but the worldâmaking yesterdayâs opposition to war the moral source for âhumanitarian interventionâ today. [...] Let the conservatives wage war under the banner of national interests; the Greens will dispatch the army in the name of a just and righteous âworld government of the enlightenedâ. This is not to imply that the Greens deliberately do the opposite of what they pretend; on the contraryâand much more chillingâthey may mean it.
Joachim Jachnow: What's Become of the German Greens? In: New Left Review, 81: 213, http://newleftreview.org/II/81/joachim-jachnow-what-s-become-of-the-german-greens.
pingu <3
Seems legit.
âDer Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er in eigener Person spricht. Gib ihm eine Maske, und er sagt die Wahrheit.â - Oscar Wilde
Ergraute Erinnerungen im Sanierungsgebiet
Wir saĂen in einem CafĂ© in unserer Heimatstadt, einer von uns lebte noch hier, die anderen beiden waren weggezogen. Es war einer jener berĂŒhmten Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, an denen das Leben meist eine Spur langsamer verlĂ€uft â der Konsum von alkoholischen und nicht-alkoholischen GetrĂ€nken in entsprechenden Einrichtungen, in der viel besungenen, gar manchmal abgeschriebenen, Ăffentlichkeit hingegen brummte.
Der gemeinsame Akt des Erinnerns an die eigene Schulzeit steht oft im Mittelpunkt der Konversation zwischen alten Freunden. Belustigt, manchmal aber auch beĂ€ngstigt wird der Blick zurĂŒck gewagt. Es ist ein ZurĂŒck in die Zeit der eigenen Ahnungslosigkeit und der eigenen NaivitĂ€t, die einen in der Retrospektive anspringt.
In unserem GesprĂ€ch kamen wir auch auf jene fernen Begebenheiten unseres glĂŒcklicherweise verflossenen Grundschulalltages zu sprechen. Manchmal ist das gemeinsame Erinnern auch Aufarbeitung eines kollektiven Traumas: In diesem Fall jenes Vorganges, an welchem eine ganze Grundschulklasse mit dem RĂŒcken an der Wand stehend, spĂ€ter sitzend, zweistĂŒndiges GebrĂŒlle der zustĂ€ndigen PĂ€dagogin erleiden mussten. Eine Eruption, die dardurch ausgelöst wurde, dass MĂ€ppchen, Blöcke und BĂŒcher allzu unordentlich ĂŒber den gesamten Tisch verteilt gewesen waren, als wir den Raum verlassen hatten.
Die Paranoia jenes besonderen Falls eines personalpolitischen Fehlgriffes begleitete uns von diesem Zeitpunkt noch zwei weitere Jahre lang. Damals wie heute lĂ€sst uns jene Persönlichkeit mit einem Lachen zurĂŒck. Das Lachen war in jener Vorzeit keines der Verzweiflung, sondern eines der Befreiung. Was den Blick heute Ă€ndert, ist die Analyse: Heute besteht das Humoristische, was wir an dieser Gelegenheit finden, eher in dem damalige UnverstĂ€ndnis der GefĂ€hrlichkeit dessen, was da vor uns saĂ, stand und schrie. Und ein bisschen UnglĂ€ubigkeit blieb auch zurĂŒck, genauso aber auch Stolz ebenso in widrigen Situationen einen modus vivendi gefunden zu haben â und das GefĂŒhl, dass jene VorgĂ€nge in unserer Klasse, bestehend aus ostdeutschen Kindern mit Eltern, von denen sich viele jede Gemeinheit und Zumutung von groĂen und kleinen AutoritĂ€ten gefallen lieĂen, wohl in dem Stadtteil unseres HeimatstĂ€dtchen heute nicht mehr ohne Protest vor sich gehen wĂŒrde.
Diese gute Nachricht hat im Kern aber auch etwas tragisches â die einfachen Ostdeutschen sind aus dem vormals unsanierten Altbau lĂ€ngst in die Plattenbauviertel abgedrĂ€ngt worden. Der nostalgische Blick auf eben jene Schulklasse, deren Teil wir waren, ist auch verbunden mit einem Blick auf einen grauen, unsanierten Stadtteil mit holprigen Kopfsteinpflaster, unĂ€sthetischen StraĂenlaternen und vollgeschissenen Gehwegen. WĂ€hrend die Erinnerung vergraut, ist der Stadtteil endgĂŒltig in der Einheitsfarbe des Sanierungsgebietes gelb erstrahlt.
Die schönsten Abstinenzler-Songs, III: Have Heart - The Machinist.
Die schönsten Anti-Drogensongs, II: Minor Threat - Bottled Violence.
Die schönsten Anti-Drogensongs, I: Refused - The Malboro Man Is Dead.
System Bolaget made me do it.
I.1 Mitten im GedrĂ€nge entdecke ich, dass es hier auch einen Handwagen zum Abtransport von Bierpaletten zu erwerben gibt. Die mich durch GĂ€nge schiebenen Massen, die nebenbei die verpackten Bierdosen umher wuchten, befinden sich mit mir in einem Duty-Free Shop auf einem FĂ€hrschiff von Stockholm nach Tallinn. WĂ€hrend ich vor Beck's TĂŒrmen stehe und Richtung Wodka abgedrĂ€ngt werde, erinnere ich an meine sommerlichen FĂ€hrĂŒberfahrten als unbedarfter Jugendlicher von Rostock nach Schweden. Mit Interesse beobachtete ich damals die mit BierkĂ€sten gut gefĂŒllten schwedischen Autos. Ein paar Jahre spĂ€ter verstehe ich die HamsterkĂ€ufe sehr gut.
I.2 Im Gegensatz zum geneigten Konsumenten in Berlin, der abends schnell in den SpĂ€tkauf oder den Supermarkt geht, um eine (gekĂŒhlte) Flasche Sternburg Export zu erwerben, ist dieser Vorgang in Schweden beschwerlicher. Zwar gibt es Bier im Supermarkt, allerdings mit reduziertem Alkoholgehalt: Ein Geschmackserlebnis wie ein mit Wasser gestreckter Spuckschluck Pilsator. Wer kein Spuckschluck-Gesöff will, muss zu System Bolaget â sinngemĂ€Ă ĂŒbersetzt heiĂt das SpaĂverderber. Die freundlich ausgeleuchteten LĂ€den mit Angestellten in olivgrĂŒnen Leibchen schlieĂen in der Woche um 19 Uhr. Am Samstag werden gar um 15 Uhr die RolllĂ€den heruntergelassen, also dann, wenn der Neuköllner Hipster in der entfernten deutschen GroĂstadt gerade sein Espresso-KĂ€nnchen auf den Herd stellt, um die EindrĂŒcke von einer Party mit GrönlĂ€ndischen Panflöten-Dubstep vom Vorabend zu verarbeiten. AuĂerdem ist SpieĂer Bolaget teuer: Am preisgĂŒnstigsten ist dĂ€nisches Dosenbier fĂŒr mehr als einen Euro. Insofern muss es also niemanden verwundern, dass auch Oma auf der FĂ€hre noch eine pfandfreie Palette Dosenbier fĂŒr 10⏠in den Korb ihres Rollators geschmissen bekommt.
I.3 Die Vielfalt der Transportmöglichkeiten, die eineinhalb Tage spĂ€ter beim Importieren der steuerfreien GĂŒter nach Schweden entwickelt werden sollten, war beeindruckend (ich beobachtete die VorgĂ€nge sitzend aus der Kabine): Paletten in der Hand, elegant balanciert wegen des jederzeit im ReiĂen begriffenes Pappgriffes, Paletten gelehnt auf den ausziehbaren Griff des Rollkoffers, in der Ablage des Kinderwagens oder tatsĂ€chlich auf einem der Handwagen aus dem selbsternannten Supermarkt am Deck, der auĂer SĂŒĂigkeiten und Wurst nichts essbares fĂŒhrte. WĂ€hrend ich meine 24 Dosen A. Le Coq zu diesem Zeitpunkt im Rucksack verstaut hatte, waren manche Menschen schlechter dran. Der FuĂgĂ€ngerweg vom Schiff an Land fĂŒhrte durch einen metallenen Kasten mit Bodenschwellen, die fĂŒr den Besitzer eines vollgepackten Palettenwagens Ă€uĂerst schwierig zu bewĂ€ltigen sein sollten.
II.1 Im obersten Bereich des FĂ€hrschiffes gibt es ein sogenanntes Sonnendeck. Bei der Abfahrt in Stockholm war es schon dunkel, die Temperaturen um 0 Grad und â so vernahmen wir â am Zwischenstopp der Reise, Tallinn, lĂ€ge schon Schnee. Mit dem Sonnendeck verbunden war die Disko Ibiza, von der das Prospekt versprach, dass in ihr die Hits des letzten Sommers gespielt werden wĂŒrden.
II.2 Den Charakter der Fleischbeschauung, den solche Einrichtungen mit sich bringen, versuchte man im Ibiza Club nicht einmal architektonisch zu leugnen: Um die TanzflĂ€che waren metallene Tische montiert, auf denen der an der Bar erworbene Drink abgestellt werden konnte. Um den Gaffern am Metalltisch ein Kaschieren des alkoholgeschwĂ€ngerten Abcheckens zu ermöglichen, waren am anderen Ende der kleinen TanzflĂ€che Bildschirme montiert, auf denen die Musikvideos zu den akustischen Schrecklichkeiten des Board-DJs zu sehen waren. Doch: Selbst fĂŒr jene, die sich fĂŒr das Glotzen an der Seitenlinie nicht aus der Kabine bewegen wollten, war gesorgt. In AbstĂ€nden von 15 Sekunden prĂ€sentierte das Board-TV Bilder aus dem Sea Pub, der Tangolounge (in der sich niemand befand, weil keine Musik gespielt wurde, der aber an den Seiten des gefilmten Bereich Kicker besaĂ), dem groĂen Veranstaltungsraum (in dem freilich Abba gesungen wurde) und eben dem Ibiza-Club.
III. Am nĂ€chsten Morgen lese ich die Sicherheitshinweise in der Kabine: Es ist verboten, so entnehme ich der Beschreibung, in dieser Alkohol zu konsumieren. Angesichts dieses schĂ€ndlichen Aktes, gestern begangen in der Gruppe, fĂŒhle ich mich fĂŒr einen kurzen Moment sehr schuldig. Besoffen eine Rettungsweste auf einem sinkenden Schiff anzuziehen wĂ€re tatsĂ€chlich ein sehr schwieriges Unterfangen gewesen. Um BuĂe zu tun, gehe ich auf das eisige Sonnendeck und beobachte die Einfahrt ins eingeschneite Tallinn, atme die frische kalte Luft durch meine Nase und spĂŒre den Wind, der mir derart ins Gesicht weht, dass meine Augen zu trĂ€nen beginnen.
IV. Auf der RĂŒckfahrt am Samstag Abend möchte niemand mit mir Bingo spielen gehen, dabei wĂ€re das doch eine schöne Abrundung einer sehr kurzen Kreuzfahrt fĂŒr einen Spottpreis von 3⏠gewesen. Stattdessen schauen wir kurze Zeit schwedisches Fernsehen. Auf irgendeinem Programm lĂ€uft ein britischer sozialer Brennpunktfilm mit Untertiteln. Da alle 10 Sekunden irgendwer irgendwen als cunt beschimpfte, wurde quasi automatisch das schwedisch Ăquivalent fitta ins Hirn eingepflanzt. Und da sage einmal jemand, eine Reise wĂŒrde nicht bilden.