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STEPHEN URBANSKI UNBUCH, Kapitel 7: Oktober 2017, Story:Â Elbvieh
âEs mĂŒsste in jedem Haus einen Arzt gebenâ, meint Frederik und drĂŒckt zu. âDaher Hausarztâ, winsele ich. Kreische ich. Heule ich. Frederik kann Akupressur. Shiatsu. Frederik ĂŒbt stumpfen Druck aus mit seinen Fingern an bestimmten Stellen meines welkenden Körpers. Oberkörper, BWS, hinten. Muskel. Hart wie Kruppstahl. Oberkörper, hinten unten links. Nerv. Verklemmt wie Nachkriegsgenerationen. Als noch nichts besprochen wurde. Als noch nicht gesprochen wurde darĂŒber. Als noch nicht gesprochen wurde ĂŒber Sex. Sex von vorn. Sex von hinten. Sex von oben. Sex von der Seite. Sex mit der Muskulatur des linken Unterschenkels. âDa sitzt die Wut, da sitzt die Aggressionâ, meint Frederik und drĂŒckt zu. Ich schreie vor Schmerz. Sex mit FuĂsohlen. âSpĂŒrst du es?â, meint Frederik und ich kann sein Grinsen buchstĂ€blich anfassen, wĂ€hrend ich brĂŒlle vor Lachen. âWusste nicht, dass man so kitzelig sein kannâ, bringe ich hervor. âDu weiĂt nichtsâ, meint Frederik. Und wo er Recht hat, hat er Recht. âWusstest du, dass Alain die Elbphilharmonie angepinkelt hat?â, frage ich, als wir wenig spĂ€ter in der KĂŒche sitzen und in Ruhe Kette rauchen. âIch weiĂ nichtsâ, meint Frederik. âIst nĂ€chtens hin, auf das GebĂ€ude zu, hat sein Ding an der Mauer rausgeholt und abgestrahlt.â âInteressantâ, meint Frederik und er meint es nicht so. âEin Wachmann kam und fand das gar nicht lustig, der wollte die Polizei rufenâ, sage ich. âDie Polizei Hamburg?â, fragt Frederik. âAuchâ, sage ich. âInteressantâ, meint Frederik und er meint es nicht so. âDas ist alles, was ich zu geben habe, hat Alain gesagt, was den Wachmann zunĂ€chst nicht wirklich ĂŒberzeugte. Er hatte sein Ding schon in der Hand, der Wachmann, sein Wischding. Digger, das ist Kunst, hat Alain dann gerufen! Woraufhin der Wachmann lĂ€chelte und sein Ding wieder einsteckte, sein Schmierding.â âEs sind noch BrĂŒder unterwegs da drauĂenâ, meint Frederik. âEs sind noch BrĂŒder im Geiste unterwegs da drauĂenâ, setzt Frederik nach. âApropos BrĂŒder, apropos Geistâ, sage ich, âneulich ein paar Jungs auf der StraĂe gehört.â âInteressantâ, meint Frederik und er meint es so. âWie die reden heutzutageâ, sage ich und grinse. âWir hörenâ, meint Frederik und gĂ€hnt demonstrativ. âDigger, bist du Bot?â, sage ich und grinse. âBin ich was!?â, meint Frederik und kĂ€mpft mit seiner Fassungslosigkeit. âGenauâ, sage ich und grinse. âWie fĂŒhlst du dich jetzt?â, fragt Frederik. âEs ist warmâ, sage ich und lĂ€chele. âSoll soâ, sagt Frederik. âDanke, mein Freundâ, sage ich und nicke still. âSoll soâ, sagt der.
Digger, das ist kunst!
against it
Urbanski: ELISABETH WELTKRIEG, Kapitel 3: Storno, Story: Weiterungen
Du wachst auf und denkst ĂŒber dein Leben nach. Du wachst auf und denkst darĂŒber nach, wie und mit wem du dein weiteres Leben gestalten möchtest. Du wachst auf und denkst darĂŒber nach, wovon du deinen Lebensunterhalt bestreiten sollst. Du wachst auf und denkst darĂŒber nach, womit du deinen Lebensunterhalt bestreiten könntest. Du wachst auf und dir ist nach blankem Stahl, nach schwarzem Schuss zum FrĂŒhstĂŒck. Du wachst auf und verlangst nach deiner Henkersmahlzeit. Sobald du den Deckel beiseite schiebst, sagst du, egal zu welcher Tageszeit, sagst du. Wohin du auch kommst, das Loch ist schon da, bereit, dich zu verschlucken, entschlossen, dich nie wieder herzugeben. Wo du jetzt bist, da war ich vor Jahren.
Und bin es zuweilen noch. Wir, die wir in einem System vegetieren, das seine eigenen Verlierer produziert, wir, die wir in einem System leben, das seine Verlierer fĂŒrs Versagen bestraft, ein System, das seine Versager aus ganzem Herzen hasst, stattdessen vorgebliche Sieger und Gewinner mit allen Mitteln protegiert, wir, die wir uns in der Konsequenz nach jeder kleinen Atzung verzehren, nach einer, die nichts kosten darf, nach einer von warmer Hand, wir, die wir aus den Mitten unserer Fahrrinnen gerissen wurden, wir, die wir Schiffbruch erlitten, wir, die wir vor unwirtlichen Gestaden zu ertrinken drohen, wir, die wir viel zu oft auf nichts und niemanden mehr zu hoffen wagen, was wird aus uns, mein Freund, was nur, was?
Ich kann nur fĂŒr mich sprechen, ich sage: Urbanski hat mich gerettet bis hierhin. Denn wisse, wann immer ich erwache, befĂ€llt mich das Grauen, befĂ€llt mich die nackte Angst, Angst vor dem Tag und seinen Stunden, Angst vor den Menschen, Angst vor Verletzungen, vor DemĂŒtigungen und weiterer Schmach. Angst vor der nĂ€chsten Headline, Angst davor, keine mehr zu haben, keine neue mehr zu finden. Urbanski ist es, der hinter mir steht, der mich antreibt und sagt: Los, fahr den Rechner hoch, setz dich hin und arbeite. Arbeite hart. Arbeite hĂ€rter, noch hĂ€rter, gib dich nicht zufrieden, gib dich nie zufrieden, niemals. Mach weiter, immer weiter, solang der gute Strom flieĂt und Laptops funktionieren. Mach weiter, trotz deiner verschĂ€rften Wohnhaftbedingungen. Lebe, lerne und lege alles hinein, alles. Wie lautet deine nĂ€chste Ăberschrift, mein Freund? Zwei habe ich noch, Stand heute, Stand Freitag, den 6. Januar 2017 bei kaltgepressten acht Grad minus: âAutohaus Gegnerâ und âEigenlachenâ. Mehr habe ich nicht anzubieten.
Noch nicht.
bleib im fluĂ, nicht am.
Ăj
from âStar Reachâ No.1 (1974) by Jim Starlin
Destroy Racism
kraftwerk artist unknown
Tear Gas Return