"NeutralitĂ€t gibt es nicht, darĂŒber besteht Einigkeit. Auch nicht im Journalismus. Jeder hat eine Meinung, eine Haltung. Schon durch die Auswahl, was sie berichten und was nicht, zeigen Medien ihre Einstellung."
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@andreashelsper
"NeutralitĂ€t gibt es nicht, darĂŒber besteht Einigkeit. Auch nicht im Journalismus. Jeder hat eine Meinung, eine Haltung. Schon durch die Auswahl, was sie berichten und was nicht, zeigen Medien ihre Einstellung."
Buchtipp: RADIKAL von Yassin Musharbash
Im November haben Unbekannte auf einer Moschee-Baustelle in Leipzig fĂŒnf blutige Schweineköpfe auf Holzpflöcke gespieĂt. Der Proteste gegen die erste Moschee in Ostdeutschland - auĂerhalb von Berlin - nimmt damit zunehmend radikale ZĂŒge an. Zu den Gegnern der Moschee gehört auch Achim Solbach, der vor einer "Flutung Europas mit orientalischen und negroiden StĂ€mmen" und vor einer "Kulturvernichtung durch Kulturvermischung" warnt - und Mitglied der AfD ist. Islamhass wird bĂŒrgerlich. So weit die RealitĂ€t.
Das ganze erinnert beÀngstigend an den Thriller "RADIKAL von Yassin Musharbash. Zum Inhalt: Lutfi Latif ist neu gewÀhlter Bundestagsabgeordneter und "die deutsche Antwort auf Barack Obama": ein charismatischer Intellektueller mit Àgyptischen Wurzeln und dem Potenzial, die deutsche Islamdebatte komplett aufzurollen. Doch er wird ermordet - bei einem Auftritt im ZDF-Morgenmagazin. Ein Bekennervideo taucht wenige Stunden spÀter auf, entsprechend ist Stimmung ist die Stimmung im Land. Doch eigentlich ist alles anders.
RADIKAL ist spannend und realistisch. Und interessant vor allem auch, weil Musharbash absoluter Experte zum Thema Terrorismus ist und sich im Berliner Politik- und Medienbetrieb bestens auskennt. Er ist selbst Islamwissenschaftler und Journalist, arbeitete fĂŒr Spiegel Online und heute fĂŒr das Investigativ-Ressort der ZEIT.
Absolut lesenswert fĂŒr alle, die sich fĂŒr die deutsche Politik interessieren.
RADIKAL bei Amazon
Profil von Yassin Musharbash bei Zeit.de - mit einer Ăbersicht zu seinen Artikeln
(y)
"Wer sich auf Reisen begibt und seine LektĂŒreerfahrung dabei von Batterien und Bildschirmen abhĂ€ngig macht, verlĂ€sst nie die Steckdosenzone. Nur mit richtigen BĂŒchern aus Papier gelangt man bis ans Ende der Welt."
Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten!
Oscar Wilde
Mal wieder etwas schreiben, heute zum aktuellen Pferdefleischskandal. Billiges Pferdefleisch, in Teilen mit RĂŒckstĂ€nden von Doping- und Arzneimittel belastet, wird als Rindfleisch deklariert. Zu finden in Lasagne, Sauce Bolognese, Köttbullar und anderen Hackfleischprodukten. Wo liegt das Problem? Der Trend zu Billig-Produkten, so meint es zum Beispiel foodwatch, sei es jedenfalls nicht. Verbraucherinnen und Verbraucher mĂŒssten sich darauf verlassen, dass auch drin sei, was drauf stehe. Typisch foodwatch, ist doch Etikettenschwindel eines von deren Kernthemen. Stimmt schon, und wiederum nicht. Denn welche QualitĂ€t kann eine TiefkĂŒhllasagne fĂŒr 1,29 - abzĂŒglich der Mehrwertsteuer, dem Anteil fĂŒr den Handel, ... - denn haben? Sternekoch Vincent Klink fordert in der ZEIT völlig zu Recht, dass mehr ĂŒber das Essen nachgedacht wird. Und empfiehlt Menschen, die es nicht tun, den Verzicht auf Fleisch.
Denn auch mehr Kontrollen können Betrug nicht gĂ€nzlich verhindern. Es kommt also auf die einzelnen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger an. Denn sie und er haben die Wahl, Produkte regional zu kaufen oder Transparenz zu belohnen. Genau das macht followfish: Der Fisch soll nicht nur nachhaltig, sondern genau das auch ĂŒberprĂŒfbar sein. Ăber ein Online-Tracking-System kann jeder Kunde sein Fischprodukt sozusagen bis zum Fang zurĂŒckverfolgen. 2011 gehörte followfish zu den PreistrĂ€gern beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis. In Sachen QualitĂ€t und Transparenz gibt es also auch positive Beispiele. Fehlt nur noch, dass mehr nachgedacht wird.
Noch kennen wir keine exakten Zahlen, doch an zahlreichen Checkpoints wurden Soldaten gesehen, die kaum Ă€lter als zehn Jahre sind. Traurige Gewissheit ist auch, dass alle Rebellengruppen in Mali fĂŒr die KĂ€mpfe gegen die Regierungstruppen Kindersoldaten rekrutiert haben. âWir hoffen aufrichtig, dass die EuropĂ€ische Union unsere Sorgen hören und teilen wirdâ, betont unser Kollege und EU-Vertreter Marius Wanders. âWir kennen FĂ€lle solch schwerer Menschenrechtsverletzungen. Nun mĂŒssen Mechanismen in Gang gesetzt werden, um den weiteren Einsatz von Kindersoldaten zu verhindern.â
Ein leidenschaftlicher Journalist kann kaum einen Artikel schreiben, ohne im Unterbewusstsein die Wirklichkeit Àndern zu wollen.
Rudolf Augstein
Ziel der Partnerschaft sei es, Kulturveranstaltungen zu unterstĂŒtzen und sie Pekings Bewohnern zugĂ€nglich zu machen, sagte ein Daimler-Sprecher der taz. âEs war und ist nicht unsere Absicht, damit politische Botschaften zu verbinden.â
An Klarheit ist diese politische Botschaft kaum zu ĂŒbertreffen.
GroĂes Kino im Herbst
Scheisse, denk ich mir, wenn ich aus dem Fenster sehe. Herbst. Ach, was soll es. Der Herbst wird groĂ, zumindest im Kino. Ich freue mich auf:Â
Holy Motors, gestartet am 30. AugustÂ
To Rome with Love von Woody Allen, gestartet am 6. September
Liebe, startet am 20. September
On The Road â Unterwegs, startet am 4. Oktober
Paris Manhattan, weder von noch mit, aber eine Hommage an Allen, startet am 4. Oktober
Die Vermessung der Welt, startet am 18. Oktober (nach einem Roman von Daniel Kehlmann)Â
Oh Boy, startet am am 1. November
Skyfall, der neue James Bond startet am 1. November
Cloud Atlas von Tom Tykwer, startet am 15. November (Roman: "Der Wolkenatlas" von David Mitchell)
Der Hobbit startet am 13. Dezember
Das ganze hat aber noch etwas Zeit, denn ab morgen soll das Wetter wieder besser werden.
Niko ist Ende zwanzig und hat vor einiger Zeit seinem Studium ade gesagt. Seitdem lebt er in den Tag hinein, driftet schlaflos durch die StraĂen seiner Stadt und wundert sich ĂŒber die Menschen seiner Umgebung. Niko ist ein Flaneur und Zuhörer, dem die Menschen ihre Geschichten erzĂ€hlen. Mit stiller Neugier beobachtet er sie bei der BewĂ€ltigung des tĂ€glichen Lebens. Bis zu diesem turbulenten Tag: Seine Freundin zieht einen Schlussstrich, sein Vater dreht ihm den Geldhahn zu und ein Psychologe attestiert ihm "emotionale Unausgeglichenheit". Eine sonderbare Schönheit namens Julika konfrontiert ihn mit den Wunden der gemeinsamen Vergangenheit, sein neuer Nachbar schĂŒttet ihm bei Schnaps und Buletten sein Herz aus und in der ganzen Stadt scheint es keinen "normalen" Kaffee mehr zu geben.
Das ist die Geschichte von OH BOY, einem, X-Verleih zufolge, "selbstironischen Portrait eines jungen Mannes und der Stadt, in der er lebt - Berlin", in eindringlicher Schwarz-WeiĂ-Ăsthetik zwischen Melancholie und Humor". Der Trailer jedenfalls klingt spannend.
âSoweit die Knie tragenâ von Rory Stewart
Lange habe ich nicht mehr geschrieben, doch das hat jetzt jetzt ein Ende. RegelmĂ€Ăig, aber in unregelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden werde ich ab sofort einige BĂŒcher vorstellen.
Den Anfang macht: âSoweit die Knie tragenâ von Rory Stewart. Als junger Historiker hat sich der Autor im Jahr 2001 kurz nach dem Einmarsch der internationalen Truppen auf den Weg nach und durch Afghanistan gemacht - und ist 1000 Kilometer zu FuĂ von Herat nach Kabul gelaufen. Der Bericht ist spannend, komisch und traurig, ein ehrliche ErzĂ€hlung ĂŒber das Land und seine Bewohner. Welche Bedeutung etwa hat die rosaroten Klopapierrolle am Rucksack eines Geheimdienstmitarbeiters?Â
Rory Stewart, spĂ€ter Beamter im Irak und heute Mitglied des britischen Unterhauses, hat ein beeindruckendes Buch geschrieben. Vieles hilft, Afghanistan zu verstehen. Im Original heiĂt das Buch passend The Places in Between, wesentlich passender als der deutsche Titel, der mit dem Buch eigentlich nichts zu tun hat. The Places in Between, das sind die Orte und die Landschaft zwischen Herat und Kabul, kaum bewohnbares Hochgebirge ohne wirkliche Infrastruktur. Rory Stewart verlangt nur Unterkunft und etwas Nahrung, und hat doch allerhand Probleme. Trotz alledem ist das Buch eine LiebeserklĂ€rung, an das Land und seine Bewohner.Â
Rory Stewart: So weit die Knie tragen. Mein FuĂmarsch durch Afghanistan. Aus dem Englischen von GiĂČ Waeckerlin Induni. Piper Verlag, 400 Seiten, Kartiniert, 10,95 âŹÂ .