Ein neuer Beitrag (Evolve - Packende Monsterjagd mit zweifelhafter Langzeitmotivation – Review) wurde auf Der Comic Blog veröffentlicht.
New Post has been published on http://www.dercomicblog.de/?p=476
Evolve - Packende Monsterjagd mit zweifelhafter Langzeitmotivation – Review
Evolve – Packende Monsterjagd mit zweifelhafter Langzeitmotivation – Review
Die Turtle Rock Studios und 2K Games haben nun den Monstershooter “Evolve” auf den Markt gebracht. Da wird es Zeit den hochgelobten Titel einem Test zu unterziehen.
Im vergangenen Jahr haben die Turtle Rock Studios mit “Evolve” sowohl auf der E3, als auch auf der Gamescom die Preise für das beste Spiel gewonnen. Daher war die Erwartungshaltung an den First-Person-Shooter deutlich hoch. Im Februar dieses Jahres erschien “Evolve” für die PlayStation 4, Xbox One und den PC. Doch kann der Multiplayershooter das halten, was es seit Monaten verspricht?
Jäger oder Monster – Die Wahl ist einem selbst überlassen
In “Evolve” dreht sich alles um Mehrspielerpartien. Auf der einen Seite befindet sich ein Team aus vier Jägern und auf der anderen Seite ein überdimensionales Monster. Das Ziel ist dabei denkbar einfach, lösche das gegnerische Team aus.
Dabei haben die Spieler stets die Wahl, ob sie als Jäger spielen oder sich in die Rolle des Monsters begeben. Somit kann man erstmals selbst der Endgegner sein, der einem sonst immer das Leben zur Hölle macht.
Die Turtle Rock Studios haben in uns mit einer Vielzahl von Monstern beschenkt und die Anzahl wächst stetig, denn mit den neuen DLC’s bekommen wir weitere Exemplare zum spielen. Jedes Wesen hat dabei die Auswahl aus vier Spezialattacken, die die Vorzüge des Monsters unterstreichen. Während der Goliath recht behäbig agiert, kann er z.B. mit einem gezielten Felswurf übermäßig Schaden austeilen. Darüber hinaus kann man springen, klettern, schleichen und das Terrain zu seinem Vorteil nutzen.Zudem verfügen die Monster über einen ausgeprägten Geruchssinn, der nicht nur die Tiere in der Umgebung aufspürt, sondern auch die Jäger anzeigt, sobald sie sich in der Nähe befinden.
Goliath setzt gerne ein kleines Lagerfeuer[/caption]
Allerdings haben sich die Entwickler noch einen weiteren netten Clou ausgedacht. Denn wie der Name des Spiels andeutet, geht es hier um eine “Weiterentwicklung”.
Die Monster starten in ihrer schwächsten Variante und sind zu dem Zeitpunkt noch eine recht leichte Beute. Jedoch ändert sich das, sobald sie sich selbst auf die Jagd nach den Tieren begeben, die auf der ganzen Karte verteilt sind. Durch das Fressen von Tieren erhalten die Monster nicht nur einen zusätzlichen Schutzschild, sondern auch die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln und ihre Fähigkeiten zu verstärken.
Dem Monster stellen sich dann die Jäger gegenüber, die in vier Klassen aufgeteilt sind. Neben dem Medic, der klassischerweise für die Heilung und Wiederbelebung der Gruppe zuständig ist, kann man sich für einen Assault, Support oder Trapper entscheiden. Während der Assault ein typischer Damage Dealer ist und versucht so schnell wie möglich das Monster mit schweren Waffen zu Boden zu strecken, muss der Support die Gruppe mit Buffs versorgen, die einem entweder einen Schild geben oder den Schaden verstärken. Der Trapper muss hingegen Fallen stellen und das Monster auf den weitläufigen Karten finden. Sobald der Trapper das Monster entdeckt hat, kann er es für eine bestimmte Zeit in eine sogenannte “mobile Arena” einsperren und von da in der Gruppe angreifen. Die Arena löst sich nach einer bestimmten Zeit selbständig auf oder kann durch die Kampfunfähigkeit des Trappers durchbrochen werden. Und auch bei den Jägern gilt, dass jeder Charakter seine Eigenarten und unterschiedliche Fähigkeiten besitzt. Damit man auch mit den teils flinken Monstern mithalten und auch Klippen erklimmen kann, wurden alle Jäger mit einem Jetpack ausgestattet, welches nur begrenzt über Treibstoff verfügt. Jedoch füllt sich dieser im Gegensatz zur Lebensenergie wieder automatisch auf. Insgesamt enthält “Evolve” zwölf Jäger, wovon drei für jede Klasse zur Verfügung stehen.
Das Wichtigste bei “Evolve” ist eine gute Spielbalance und zum größten Teil gelingt dies auch den Turtle Rock Studios. Sämtliche Klassen sind bedeutend, sodass man es sofort bemerkt, wenn ein Teamkollege seine Rolle nicht vollständig ausfüllt. Wenn ein Sanitäter es nicht schafft sein Team am Leben zu halten, dann ist es für das Monster ein Leichtes das Team auszuradieren. Gleiches gilt, wenn es die anderen Klassen nicht schaffen ihre Vorteile auszuspielen. Da “Evolve” jedoch hauptsächlich ein Multiplayertitel ist, muss man sich entweder mit Freunden eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen oder mit zufälligen Mitspielern zufriedengeben. Einmal mehr gilt, dass der Erfolg des Titels mit der Community steht und fällt.
Auch Evolve umfasst ein Rangsystem
“Evolve” bietet insgesamt 16 Karten, wovon vier lediglich im Modus “Verteidigen” spielbar sind. Die übrigen zwölf Karten werden für die restlichen Spielmodi “Jagd”, “Rettung” und “Nest” genutzt. Dabei muss man sich daran gewöhnen größtenteils im Dschungel unterwegs zu sein, der nur mit wenigen markanten Orten gespickt ist, was eine Orientierung einzig anhand von optischen Fixpunkten extrem erschwert. Dafür steht einem lediglich eine simple 2D-Karte zur Verfügung, die in Echtzeit nur die Standorte der Teamkollegen aufzeigt. Somit kann es schnell passieren, dass man die Orientierung verliert und beinahe ziellos umherirrt. Vor allem, wenn man auf Karten spielt, die zudem mit widrigen Wetterbedingungen versehen wurden, die wiederum die Sicht erschweren. “Ist das das Monster oder nur ein komisch geformter Baum?” geistert einem schon einmal durch den Sinn, wenn man auf gut zwanzig Metern nur noch Schemen erkennt.
Der rote Faden, der sich durch das Leveldesign von “Evolve” zieht, sorgt durchaus für eine dichte Atmosphäre. Jedoch ist das Risiko groß, dass relativ schnell eine Eintönigkeit vorherrscht, sobald man sich am Dschungel “satt gesehen” hat.
Von Ladezeiten und anderen Problemen
Aus technischer Hinsicht ist “Evolve” durchaus solide. Das Spiel läuft in 1080p und größtenteils stabilen 30 Bildern pro Sekunde. Wie schon in der Betaphase kann man bei einer größeren Portion an Explosionen durchaus einen Einbruch der Bildrate feststellen.
Optisch bietet die CryEngine durchaus einige schöne Momente, jedoch sollte man keinen Hochgenuss erwarten. Denn “Evolve” ist dreckig und gefährlich. Hier sollte man nicht mit schönen Panoramen rechnen. Stattdessen kann man sich auf schnellere Bilder einstellen, wobei hier und da immer mal einige Kanten am Flimmern sind.
Soundtechnisch sollte man sich auf ein sehr basslastiges Erlebnis einstellen, welches einem auch eine gezielte Lokalisation des Monsters ermöglicht, wenn man das Donnern der Schritte vernimmt. Einen packenden Soundtrack sollte man wiederum nicht erwarten. Stattdessen dröhnt eine simple Elektrokost aus den Boxen. Schön ist allerdings die Möglichkeit die Soundsprache im Spiel anzupassen. “Evolve” ist im Übrigen vollständig auf Deutsch lokalisiert worden.
Das Matchmaking ist bisher aufgrund teils ausufernder Ladezeiten verbesserungswürdig. Die Turtle Rock Studios setzen bei “Evolve” sowohl auf Peer-to-Peer als auch auf ein Serversystem, um eine stabile Verbindung zu garantieren. Dies funktioniert größtenteils ganz gut. Allerdings kann es beim P2P durchaus zu unschönen Lags kommen, sobald sich das Monster entwickelt oder zuviel auf der Karte passiert. Nach einer Runde kann es schon einmal eineinhalb bis zwei Minuten dauern bis die nächste Partie beginnt. Dies kann bei einer durchschnittlichen Matchdauer von rund zehn Minuten durchaus frustrieren.
Wenn man dann noch bedenkt, dass die Turtle Rock Studios einen 3 GB-großen Day One-Patch veröffentlicht haben, um unter anderem die Ladezeiten zu verkürzen, fragt man sich, ob sich das je bessern wird.
Die größte Ungewissheit, die sich um “Evolve” dreht, ist die Langzeitmotivation. Hat “Evolve” das Potential sich auf lange Sicht im durchaus gesättigten Markt an Multiplayertiteln festzusetzen? Spielerische Qualität ist durchaus gegeben, allerdings kann das einzigartige Spielkonzept auch für schnellen Frust und Eintönigkeit sorgen. Denn seine wahre Klasse entfaltet “Evolve” lediglich, wenn man in einer Gruppe zusammenspielt. Zwar mag es hier und da Runden geben, die auch auf öffentlichen Servern gut funktionieren, trotzdem wird man sich die Mühe machen und auf die Suche nach Mitspielern begeben müssen, die regelmäßig mit einem in die Schlacht ziehen. Für Einzelgänger ist “Evolve” nur bedingt geeignet.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die bisher sehr überschaubare Anzahl an Spielmodi langfristig motiviert. Zwar haben die Turtle Rock Studios bekanntgegeben, dass man nach und nach weitere Spielmodi kostenlos ins Spiel integrieren wird, nichtsdestotrotz sind es die ersten Wochen nach dem Launch, die die Zukunft eines Multiplayertitels bestimmen.
Zudem haben die Entwickler bereits angekündigt, dass in den nächsten Monaten weitere kostenlose Karten kommen sollen. Außerdem wurden schon vier weitere Jäger und mit dem Behemoth ein weiteres Monster bestätigt. Während der Behemoth allen Vorbestellern kostenfrei zur Verfügung gestellt wird, wird jeder weitere Jäger mit 7,50 Euro zu Buche schlagen. Wer den Titel jedoch erst später kaufen möchte, wird auch für den Behemoth 15 Euro bezahlen müssen.
“Evolve” ist ein spielerisch gut ausbalancierter Shooter, der mit seinem eigenwilligen Spieldesign für frischen Wind im angestaubten Shootergenre sorgt. Die Kämpfe sind packend und die Kampagne ist abwechslungsreich. Allerdings gibt es weiterhin Probleme beim Matchmaking und das Spieldesign erfordert eine Suche nach geeigneten Mitspielern. Darüber hinaus muss man resümieren, dass der Titel für Einzelspieler nicht sonderlich geeignet ist. Zudem ist das teils bedächtige Pacing nicht für jedermann geeignet. Wer jedoch auf der Suche nach einem neuen klassenbasierten Shooter ist, der auch ein taktisches Vorgehen verlangt und gleichzeitig kein Problem mit teils langatmigen Partien hat, sollte bei “Evolve” zuschlagen.
Diese Rezension wurde uns gebracht von unserem Freien Redaktuer Bassler