Über Softwarequalität und die Weiterentwicklung von Evernote in 2014
Gestern habe ich die Art Geburtstagsgeschenk erhalten, die ich nicht bekommen möchte: Einen aufrichtig geschriebenen Blog-Post von Jason Kincaid, der einen Qualitätsrückgang der Evernote Software in den vergangenen Monaten beklagt. Ich könnte jetzt kleinlich auf jedes Detail eingehen, aber Jasons Artikel war vor allem eines: schmerzhaft und frustrierend, denn im Großen und Ganzen hat er Recht. Das werden wir in Ordnung bringen.
Die letzten Jahre waren fantastisch für Evernote. Wir sind als Unternehmen, als Gemeinschaft und als Produkt enorm gewachsen. Und dieser Wachstum hält an. Allerdings kommt irgendwann die Zeit für ein aufstrebendes Start-Up, in der man kurz inne halten muss, um nach innen, statt wie sonst nach oben zu schauen. Eine Zeit, in der es wichtiger ist, vorhandene Funktionen auszubauen und zu verbessern, als neue zu entwickeln; seine Nutzer zufrieden zu stellen, statt ständig um neue zu werben und sich auf die eigentliche Richtung zu konzentrieren, als auf die Geschwindigkeit. Das ist nur logisch, jedoch atmen Start-Up’s Wachstum. Die Drosselung von Geschwindigkeit und das Hinterfragen von Details scheint vielen von uns unnatürlich. Trotzdem haben es die weltbesten Unternehmen geschafft, die kontinuierliche Qualitätsverbesserung zu einem festen Bestandteil ihrer DANN zu machen. Apple, Google, Amazon, Twitter und Tesla wissen, wie es funktioniert. Und wir bald auch. Das ist unser zentrales Thema für 2014: Die ständige Verbesserung der Kernkompetenz von Evernote.
Das haben wir nicht gerade erst entschieden. Wir haben bereits vor ein paar Monaten begonnen, unsere Produktqualität zu verbessern. Der ausschlaggebende Moment war dabei die frustrierende Markteinführung der iOS 7 Version. Zwar konnten wir viele neue Nutzer gewinnen, aber die überstürzte Neuausrichtung der App hatte für die neue Plattform Stabilitätsprobleme zur Folge, die unverhältnismäßig viele treue Nutzer getroffen haben, uns eingeschlossen. Unseren Mitarbeitern, die selbst erfahrene Evernote-Nutzer sind, liegt es sehr am Herzen, Evernote ständig zu verbessern; nicht zuletzt zugunsten unserer eigenen Produktivität. Ich habe noch nie Menschen erlebt, die mehr Spaß dabei hatten, Bugs zu beheben.
Qualitätsverbesserungen muss man zeigen und nicht nur darüber reden. Darum wollten wir das Thema erst gegen Ende 2014 kommunizieren. Dennoch traf Jasons Artikel zu sehr ins Mark, als dass ich ihn unkommentiert lassen konnte. Deshalb möchte ich offen sein und darlegen was in den vergangenen Monaten bei uns geschehen ist und wir im kommenden Jahr vorhaben.
Zur Zeit arbeiten 164 Ingenieure und Designer bei Evernote. 150 von ihnen beschäftigen sich gerade mit unseren Kern-Softwareprodukten. 2014 wird sich die Anzahl unserer Mitarbeiter noch etwas erhöhen, das Verhältnis bleibt jedoch unverändert: Etwa 90 % unserer Mitarbeiter werden sich weiterhin für die Verbesserung unseres Hauptproduktes einsetzen.
Die letzten zwei Monate: Stabilität
Seit dem letzten November ist die Verbesserung der Stabilität und Leistung unserer Haupt-Apps höchste Priorität, vor allem für unsere treuen Nutzer mit vielen Notizen. Wir haben bereits große Fortschritte gemacht, Evernote ist jetzt weniger fehleranfällig als noch vor zwei Monaten.
Wir freuen uns, bereits die ersten Ergebnisse dieser Bemühung in den App Store Bewertungen zu sehen. Als wir zum Beispiel im November mit den Verbesserungen begonnen haben, wurde Evernote für iOS 7 mit niederschmetternden 2 Sternen bewertet. Heute hingegen sind es 4,5. Gleichzeitig halbierten sich die Support-Anfragen von durchschnittlich 366 täglich auf jetzt 148. Wir erreichten ähnliche Verbesserungen bei vielen anderen unserer Apps. Der Erfolg unserer Bemühungen macht mich stolz. Gute Bewertungen allein bedeuten aber nicht, dass unsere Arbeit damit beendet ist. Es gibt immer noch zahlreiche Verbesserungen in Sachen Stabilität und Leistung, die wir angehen werden.
Das sind zwar die neuesten Verbesserungen, jedoch wirkt sich die Wahrnehmung von Stabilität nur langsam auf die allgemeine Zufriedenheit aus. Überzeugt ist man erst, nachdem man die App einige Monate nutzt. Das heißt, auch wenn sich Evernote schon jetzt enorm verbessert hat, braucht es Zeit um im Bewusstsein der Nutzer anzukommen. Uns ist bewusst, dass wir dieses hohe Qualitätslevel über längere Zeit aufrechterhalten müssen, wenn Evernote wirklich als hochwertiges Produkt wahrgenommen werden soll.
In naher Zukunft: Design und Einfachheit
Nachdem wir unseren Stabilitäts- und Performancezielen näher kamen, richteten wir unser Augemerk auf ein weiteres wichtiges Merkmal für Qualität: Großartiges Design. Über die kommenden Monate werden wir neue Versionen aller Apps veröffentlichen, die all das beinhalten, von dem wir jetzt wissen, dass es funktioniert. Alle unsere Apps werden über die nächsten Monate merklich verbessert und für die Nutzererfahrung vereinfacht. Die fünf wichtigsten Funktionien dabei sind Notizerstellung, Navigation, Suche, Synchronisation und gemeinsames Arbeiten.
Unsere neue Philosophie ist es, jede Stelle unseres Produktes ausfindig zu machen, die es erfordert, Einfachheit und Effizienz abzuwägen und den einfachsten und gleichzeitig effizientesten Ansatz zu finden. Erst wenn der Konflikt gelöst ist, haben wir eine guten Kompromiss gefunden.
Gestern wurde ich 42 Jahre alt. In der klassischen westlichen Literatur sagt man, das dies ein Jahr ist, in dem das Leben, das Universum und alles andere anfangen, Sinn zu ergeben. Ich dachte nicht, dass es so beginnt, freue mich aber, die Chance zu haben euch mitzuteilen, an was wir in den vergangenen Monaten gearbeitet haben und worauf wir 2014 unseren Fokus legen.
Ich danke Jason und den Millionen Evernote-Nutzern, die uns täglich ihr Vertrauen schenken und unsere Arbeit für ein besseres Evernote unterstützen. Unser Ziel ist nicht, ein Produkt zu entwickeln, das nur gut genug ist. Unser Ziel ist ein weltklasse Produkt zu schaffen, das mit seiner Technik und seinem Design besticht und die Liebe und Loyalität seiner Nutzer Wert ist.
Wir selbst sind die größten Evernote-Nutzer und finden es wichtig, mit dem was du selbst erschaffst, zufrieden zu sein.
Das wird ein großartiges Jahr.
PS: Um auf Jasons Bedenken zum Schutz der Privatsphäre bei Mac Helper einzugehen:
Es gibt kein inhärentes Problem bei dem Schutz der Privatsphäre, aber Jasons Artikel hat uns auf einen Bug im Menü des Helper Quick Note Features für Mac aufmerksam gemacht. Dieser Fehler führte zu einer zusätzlichen Version der Quick Notes, die im Aktivitätsprotokoll der Festplatte gespeichert wurde. Das allein ist zwar kein ernstes Problem, aber unser Support-Team hat fälschlicherweise angenommen, dass mit der Übermittlung des Protokolls per Mail keine sensiblen Daten übermittelt werden. Wir haben sofort drei Änderungen vorgenommen: (1) Der Menü Bug wurde behoben. Die direkte Download-Version von Evernote für Mac ist jetzt verfügbar. (2) Es erscheint jetzt eine Nachricht, wenn du das E-Mail-Protokoll anklickst, mit dem Hinweis, dass dein Protokoll Informationen über dein Konto enthält, wie z.B. Notiz- oder Notizbuchnamen, sowie weitere Metadaten. Diese helfen unserem Support-Team dabei, deine Anfrage zu beantworten und Evernote zu verbessern. Diesen Hinweis kannst du jederzeit ausschalten. (3) Wir haben unser Support-Team im Umgang mit sensiblen Daten geschult, so dass ihr jederzeit darauf hingewiesen werdet, wenn eine solche Situation entsteht.