Lucien Delacroix betritt einen Raum nicht – er verändert ihn.
Es ist keine Lautstärke, keine Geste, die Aufmerksamkeit auf ihn zieht, sondern etwas Subtileres: eine ruhige Schwere in der Luft, als würde die Welt unbewusst kurz den Atem anhalten. Maßgeschneiderte Anzüge liegen an ihm wie eine zweite Haut, dunkles Haar stets ordentlich, die Haltung makellos. Er wirkt wie jemand, der nie gelernt hat, sich zu beeilen, weil Zeit für ihn nie eine Bedrohung war.
Seine Casinos tragen seinen Namen, doch sie sind mehr als bloße Geschäfte. Sie sind Bühnen. Orte, an denen Hoffnung, Verzweiflung und Gier in leuchtenden Farben tanzen. Lucien wandert durch diese Hallen mit der Gelassenheit eines Mannes, der jede Karte im Spiel kennt, lange bevor sie aufgedeckt wird. Er hört das Zittern in Stimmen, sieht das Flackern in Blicken, spürt das Gewicht unausgesprochener Wünsche – und sammelt sie wie andere Menschen Kunstwerke.
Er ist ein Vampir, aber nicht der, den Legenden beschreiben. Das Sonnenlicht vernichtet ihn nicht. Es liegt auf seiner Haut wie eine leise Erinnerung an einen alten Fluch, erträglich, aber nie ganz vergessen. Der Grund dafür ist Magie – uralt, gefährlich und tief in seinem Wesen verankert. Lucien beherrscht sie mit derselben Disziplin, mit der er sich selbst kontrolliert: Illusionen, die Wirklichkeit weichzeichnen, Gedanken, die sich sanft in fremde Köpfe legen, Wahrscheinlichkeiten, die sich seinem Willen beugen.
Seine Höflichkeit ist makellos. Er spricht mit ruhiger Stimme, hört aufmerksam zu, wahrt stets Contenance. Menschen fühlen sich in seiner Nähe sicher – ein fataler Irrtum. Denn hinter der Eleganz liegt etwas anderes: ein scharfes, präzises Bewusstsein für Macht. Lucien wird selten laut, wird fast nie impulsiv. Aber wenn er handelt, dann endgültig. Seine Grausamkeit ist keine Explosion, sondern ein sauberer Schnitt.
Er tötet nicht aus Lust, nicht aus Hunger allein. Er handelt aus Prinzip. Aus Loyalität zu seinen eigenen Regeln. Wer diese Regeln respektiert, findet in ihm einen verlässlichen Verbündeten. Wer sie bricht, begegnet einer Seite von Lucien Delacroix, über die niemand gern spricht – und die nur wenige überleben, um davon zu erzählen.
Unsterblichkeit hat ihn nicht verhärtet, aber sie hat ihn distanzierter gemacht. Er erinnert sich an Gesichter, die längst vergessen sind, an Hände, die einst die seinen hielten und nun nur noch Staub sind. Vielleicht ist es genau diese Erinnerung, die ihn so diszipliniert, so kontrolliert, so… würdevoll macht. Gefühle erlaubt er sich selten. Bindungen noch seltener. Doch wenn jemand es schafft, durch die Fassade aus Seide und Stahl zu dringen, dann mit einer Intensität, die ebenso gefährlich wie berauschend ist.
Lucien Delacroix ist kein Monster der Schatten.
Er ist ein Gentleman der Dunkelheit.
Und jeder, der ihm begegnet, spielt bereits ein Spiel, dessen Regeln nur er vollständig kennt.
















