2014 und 2018
Audiotranskription damals (bis 2017) und heute (2017/2018 im Winter)
2014 muss ich ca. 30 Stunden Interviewmaterial transkribieren, d.h. Aufnahmen, die ich während verschiedener Interviews gemacht habe, verschrifltlichen.
In meine Fall handelt es sich um Interviews, die ich für meine Dissertation geführt habe, und die zur Feinanalyse schriftlich vorliegen müssen. Transkription findet aber an vielen Orten statt – prominent natürlich im Journalismus, wenn z.B. Interviews abgedruckt werden.
Über die professionelle Erstellung – eben z.B. im Printjournalismus – kann ich nichts sagen, aber im Privaten / in der Wissenschaft lief es damals so ab:
Man besorgt sich möglichst bequeme Kopfhörer, sofern man nicht alleine zuhause arbeitet,
durchsucht den Markt nach Software, die einem beim Transkribieren hilft,
wird fündig, setzt sich an den Schreibtisch und legt los.
Die marktübliche Software hilft insofern, dass sie ein Textfeld und einen Audioplayer bietet, in dem sich die Aufnahmen sehr langsam abspielen lassen (beispielsweise 5x so langsam wie das eigentliche Sprechtempo). Außerdem lassen sich viele Shortcuts zum Stoppen, Wiederholen und Weiterspielen programmieren, mit denen man im Idealfall unterbrechungsfrei und zügig arbeiten kann.
Wenn man das alles eingerichtet hat und frohen Mutes begonnen hat, hört man gleich wieder auf und weint ein bisschen, weil man feststellt, dass es einfach eine unglaubliche Arbeit ist:
Dauert es ewig. als LaiIn hat man zu Beginn oftmals eine Quote von vielleicht 1:10, d.h. für eine Minute gesprochenen Text benötigt man 10 Minuten zum Mitschreiben. Das wird mit der Zeit in der Regel schneller, jedoch, abhängig von Sprache, Sprechtempo, Aufnahmequalität und Tippgeschwindigkeit, nur insignifikant (Profis schaffen 1:3, habe ich damals gelesen).
Ist es unglaublich dröge. Stunde um Stunde um Stunde sitzt man da und tippt und kommt ja mit der eigentlichen Arbeit dadurch nicht weiter (natürlich ist die Transkription ein wichtiger Bestandteil, um das Interviewmaterial kennenzulernen, aber es fühlt sich genauso natürlich ab der 20. Minute nur noch an besonders spannenden Stellen danach an).
Kann man nichts nebenher machen. Das ist fast das Härteste. Während viele andere Arbeiten zumindest das Musikhören / Kaffeetrinken / Rauchen nebenbei erlauben, ist man bei der Transkription komplett auf sich gestellt. Der Rechner, die Kopfhörer, das Interview, die Finger auf der Tastatur. Wochenlang.
Also setzt man sich hin und durchwühlt den Markt nach digitalen und humanen Helferleins. Natürlich gibt es Firmen, die Audiotranskription anbieten, jedoch liegen die Kosten hierfür meist außerhalb des Budgets der/des üblichen DoktorandIn.
Und es gab schon damals Apps, die Speech-to-Text anboten, also gesprochene Sprache in Text umwandelten, jedoch war die Qualität meist so schlecht, dass die Nachbearbeitung des Textes wieder unverhältnismäßig viel Zeit in Anspruch genommen hätte.
Vor ein paar Wochen geisterte nun ein Link durch mein Internet, der in einem kurzen Video zeigt, dass Google Docs in seinen Tools eine Lösung anbietet. Man spricht Text ein und Google schreibt ihn in das Dokument. Es passiert also genau das, was alle anderen Apps auch anbieten. Aber – und das ist der entscheidende Unterschied – es funktioniert! Und das nicht nur in Englisch, sondern in ganz vielen verschiedenen Sprachen (das Video zeigt Englisch, Deutsch und Mandarin als Beispiele).
Das ist die Zukunft! Das macht alles einfacher! Ich bin so begeistert, dass ich nicht mal mehr allzu traurig darüber bin, dass ich es erst jetzt gefunden habe, ungefähr drei Jahre nachdem ich diese Software herbeisehnte wie eine Vierjährige Weihnachten.
(Ninu)










