“Für uns ist Farbe Material” - kt.COLOR
“kt.COLOR stellt im Manufakturbetrieb hochpigmentierte Farben her, die im Licht überraschende Wirkungen, im Raum verblüffend harmonische Stimmungen entfalten. Die kt.COLOR Pigmentschatzkammer ist weltweit einmalig. Viele Pigmente sind natürlichen Ursprungs, andere werden eigens für die Schweizer Firma hergestellt. kt.COLOR Farben werden mit Gebindesiegel und Echtheitszertifikat ausgeliefert. kt.COLOR Farben gibt es ausschliesslich bei kt.COLOR.”
- kt.COLOR über sich selbst, auf ihrer Webseite
Während unserem Besuch bei ktcolor zeigt uns Gründerin Katrin Trautwein ihr Andersdenken auf: Wie sie die konventionelle Meinung über Farbwirkung aufbrechen und stellt uns ihren eigenen, auf le Corbusiers Polychromie basierenden, Farbkonzepter vor.
“Farbton ist ein einziger Aspekt von der Farbwahl, aber noch lange nicht der einzige. Man hat Farbe auf den Farbton reduziert.”
Rot ist agressiv, Blau ist beruhigend und Scharz ist Tot, das sei doch alles fertiger Quatsch. Die Fragen seien total falsch gestellt, wir gingen an der Sache vorbei. Katrin macht mit uns ein Experiment:
Erdbeere: weisslich, grünlich, leicht rötlich = “unreife Erdbeere”
Fleisch: weisslich, grünlich, leicht rötlich = “iiih!”
“Die Farbe sagt uns immer in Zusammenhang mit der Form etwas – immer!”
Die Natur ist nie unperfekt in ihrer Farbe. Man nimmt sie nie als hässlich wahr.
Wir nehmen die Welt als Reflektionen von Licht wahr.
Überlegen, wie Farbe wirklich wirkt.
“Farbe = Licht + Oberfläche + Ich”
Farbe ist nicht einfach eine Wahrnehmung
ktcolors beschreibt das Problem, dass man Farbe als eine Wahrnehmung bezeichnet und dann es somit zu etwas subjektiven wird. Und über etwas subjektives kann man sich zu Tode diskutieren. Dann geht man davon aus, dass es neutrale Umgebungen gibt. Man will subjektiv keinen Fehler machen, also landet man wieder bei “neutralen”, “langweiligen” Farben. Da, will ktcolors einen Unterschied machen.
Irritationen (Umgebungen im Widerspruch zur inneren Erwartung) absorbieren Energie. Energie, um diese Umgebung auszuwerten und verstehen. “Geschluckte” Energie ist nicht verfügbar um zu Lernen oder zu Lesen oder lieben oder für die Sachen, die wir machen wollen. Selbstverständlichkeiten kann ich ablenken und mich dann den Millionen anderen Reizen in meinem Sehumfeld widmen.
“Wir wollen eigentlich eine Architektur bilden, die so selbstverständlich wirkt, dass der Mensch sich auf seine Aufgaben konzentrieren kann … dh. die Kontrastumgebung richtig gestalten”.
Die Frage, die also allem voran geht: “Was will der Mensch im Raum machen?”
Die Farbkontraste in unserer Umgebung erzeugen ein emotionales Umfeld: entweder fühle ich mich darin wohl oder nicht. Hier, muss man gestalterisch ansetzen.
Farbkontraste - Unsere Gestaltungsmittel
Gestaltungsmittel die wir zur Verfügung haben: (wir nehmen immer den zuerst- vor dem zweit-genannten wahr, zb. hell vor dunkel)
Hell-Dunkel Kontraste: Das wichtigste: den Blick lenken. “Wir sind wie die Motten: Wir sind sofort dabei, Helligkeit zu erkennen.”
Natürlich-Synthetisch: Kunstwiese - natürliche Wiese, Laminat - Parkett; unsere Farbbilder sind intim geprägt von der Natur —> Irritation fällt auf
Die Art und Weise, wie das Licht in den Raum zurückkommt und dann auch in mein Auge, das gibt mir den Eindruck von Materialität und Haptik, von Hinsitzen wollen oder nicht Hinsitzen wollen, von Stabilität etc.. Und da funktioniert Farbe als Material.
“Unsere Wahrnehmung wird immer ausgelöst vom Material.”
Das Steicheln-wollen gehört genauso zum Erlebnisraum dazu, wie dass es eine Bewunderung auslöst. “Wir gehen zurück zu den wirklich funkelnden, leuchtenden, schwierigen, diffizilen Körnern, weil die im Raum ein ganz andere Wirkung haben – das ist ktcolor”.
"Es kommt auf die Pigmente an!“
Vergleich 2x gleicher Farbton, gleiches Bindemittel, aber andere Pigmentierung: Es macht einen grossen Unterschied.
Da fängt das Farbkonzept an Konturen zu gewinnen: Materialisierung.
Was macht Farbkonzepte gut?
Es ist die atmosphärische Frage. Es gibt keine neutralen Positionen, weder beim Licht, noch bei der Farbe. Es gibt Farben, die sind generell neutraler als andere zb. Weiss gegenüber Rot (im Sinn von weniger auffallend oder weniger aufdringlich).
“Farbe + Licht kreiert Atmosphäre.”
Nennung von interessanten Beispielen. Learnings daraus:
Je höher der Gelbanteil in einer Farbe, desto mehr strahlt sie einem entgegen.
Je höher der Gelbanteil in einer Farbe, desto labiler wirkt sie. (Farbe kippt stärker)
Im Schatten steigert sich die blaugrüne Farbe. Im Vergleich verliert die gelbe Farbe an ihrer Sättigung
Begründung: Wenn man durch Spektrometer schaut ist die gelbe Portion vom Tageslicht ist nur ein schmaler Streifen. Farbwiedergabe ist im Tageslicht viel besser als zb. mit Leuchtstofflampen. —> Bild Farbwiedergabe
Je nach Licht wird eine Farbe gestärkt oder geschwächt. Es gibt Licht- und Schattenfarben (Zb. Gelb braucht die Sonne, um sich ganz entfalten zu können)
Immer darauf achten, wo man das Farbmuster anschaut! —> Farbmuster direkt an Objekt halten, welches daneben kommt (Tür, Fensterrahmen)
Farb- und Lichtkonzept muss man immer zusammen planen! Es hängt immer voneinander ab
Dunkel kann noch dunkler wirken, in Relation zu anderen Farben. —> Immer auf den Kontext achten.
Erst unbunte Farben planen, dann bunte
Dunkel gestalten, was man nicht sehen will. —> Niedrige decke. Helles zieht den blick an! // Gleichfarbigkeit und dunkles lasst Sachen verschwinden. —> Aufmerksamkeit lenken.
Farben einen Namen zu geben, erhöht ihren Wert
Was macht der Mensch in diesem Raum?
Welche Atmosphäre will man erzielen?
Was für Licht hat man (zb. LED hat mehr Blau > blaue Farbe wirkt stärker)
Wann bin ich im Raum? --> Sonne, Schatten