Man trägt seine Geschichte nicht wie ein offenes Buch, sondern wie einen Mantel aus unsichtbaren Nähten. Komplexe posttraumatische Belastungsstörung ist kein einzelner Blitz, sondern ein Wetter, das lange blieb. Erinnerungen kommen nicht als Bilder, sondern als Körper: ein schneller Atem, ein Zittern, das keine Ursache zu haben scheint. Nähe ist ein Rätsel, Distanz ein Schutzraum.
Die Zeit hat Risse. Gestern klingt lauter als heute, und das Jetzt braucht Übung. Man lernt, dass diese Wachsamkeit einst klug war, ein Werkzeug zum Überleben. Nun darf es langsam abgelegt werden, wie schwere Stiefel nach einer langen Wanderung.
Es gibt Tage, an denen die Stimme im Inneren hart urteilt. Dann übt man Freundlichkeit wie eine neue Sprache: leise, mit Akzent, aber ehrlich. Heilung ist kein Ziel, sondern ein Rhythmus. Ein Schritt vor, ein Atemzug, ein Name für das Gefühl. Und manchmal, ganz unspektakulär, ein Morgen, der nicht wehtut.















