Warum willst du Erzieherin werden?
Das wurde ich am Anfang meiner Ausbildung von vielen gefragt. Lehrer, andere Schüler, Bekannte, Ausbilder und so weiter. Meine Antwort war meist, weil ich Kinder liebe und gerne mit ihnen arbeite. Nun, 3 Jahre später, als Sozialpädagogische Assistentin mit knapp einem Jahr Berufserfahrung in einer Kita, am Start zur Erzieherausbildung, weiß ich endlich die wahre Antwort auf diese Frage.
Ich möchte Erzieherin werden, weil ich Kindern eine schöne Zeit bieten will. Eine Zeit in Krippe, Kindergarten, Schule oder Jugendeinrichtung, an die sie sich gerne zurück erinnern.
Eine Zeit, mit Spaß, viel Lachen, neuen Erfahrungen, vielen Freunden. Eine Zeit, ohne Angst, Gewalt, Einsamkeit und Sorgen.
Eine Zeit, in der sie Kinder sein dürfen, in denen sie sich dreckig machen, Quatsch machen, ausprobieren können, Grenzen austesten können, ohne Angst vor den Folgen haben zu müssen.
Ich möchte den Kindern zeigen, wie schön die Welt ist, ganz egal, was sie bisher erleben mussten und wie grausam die Welt oder die Menschen darauf zu ihnen waren.
Ich möchte sie stärken, ihnen selbstvertrauen schenken, damit sie die Person sein können, die sie sein wollen.
Ich möchte Ihnen Dinge näherbringen, ihnen helfen, neues zu lernen, Sachen zu erforschen, helfen, aus ihren Fehlern zu lernen und es immer wieder neu zu versuchen, aufzustehen, auch wenn es zum scheitern aussieht, nicht aufgeben!
Denn wenn man fest daran glaubt, dass man etwas schaffen kann, sich nicht unterkriegen lässt, dann kann man alles schaffen, was man will.
Und wenn es dabei heißt, dass ich gegen den Willen der Eltern, erlaube, dass ihr kleiner Junge, Kleider und Röcke trägt, mit Puppen spielt oder das Mädchen mit Autos spielt und eine Ritterrüstung trägt, sich ein Kind dreckig macht mit Schlamm oder Farbe, obwohl es nicht dreckig werden soll, dann nehme ich das in Kauf, denn in keinem Gesetz steht, dass Kinder das nicht dürfen, dass sie nichts vom anderen Geschlecht ausprobieren dürfen.
Und wenn das heißt, dass ich einem Kind von 2 oder 3 Jahren erklären soll, was der Unterschied zwischen Jungs und Mädchen ist, oder was sie zwischen den Beinen haben, dann sage ich es ihnen und nehme dafür die richtigen Begriffe, anstatt Verschönerungen zu nutzen. Es heißt nunmal Penis und Scheide, das ist ganz normal, dafür braucht man sich nicht schämen.
Ich bin dabei mein Beruf zu meinem Leben zu machen. Ich arbeite nicht, wegen des Geldes, stehe nicht mit dem Gedanken auf: och nö erst Mitte des Monats, noch so lange, bis ich Gehalt bekomme. Nein.
Ich arbeite, weil es mir Spaß macht, den Kindern ein Lachen ins Gesicht zu zaubern, das strahlen ihrer Augen zu sehen, wenn sie etwas allein geschafft haben.
Kinder sind unsere Zukunft. Geld ermöglicht uns einiges und ohne Geld haben wir keine große Chance auf eine Zukunft. Doch wenn wir sterben ist es nicht das Geld, was uns in Erinnerung hält. Es sind unsere Kinder, die ein Teil von uns sind. Sie nehmen uns mit in ihre Zukunft.
Unsere Kinder müssen nicht besser sein als wir, nicht unsere Träume und Wünsche erfüllen, nicht das Leben leben, was wir gern gehabt hätten, sie sollen ihr Leben leben, so, wie sie es wollen. Unsere Aufgabe ist es, sie zu begleiten, bis sie bereit sind, ihren Weg allein zu beschreiten, ihnen zu helfen, bis sie in der Lage sind, sich selbst zu helfen.
Ich würde für jedes Kind, welches ich betreue jederzeit alles geben. Ganz egal, ob ich es gern habe, nervig finde oder es mich ständig auf die Palme bringt. Wenn es in Not wäre, in Gefahr, würde ich es retten, ganz egal, ob ich dafür mit einem Bein im Knast stehen würde, oder im Krankenhaus landen würde.
Als Erzieher oder Erzieherin sind einem oft in gewissen Situationen die Hände gebunden. Vor allem, wenn es um Themen, wie häusliche Gewalt oder ähnliches geht. Doch wenn ich, Zeuge einer solchen Tat werden würde, würde ich mir sofort das Kind schnappen, sofern dies möglich, und es zuerst in Sicherheit bringen. Auch, wenn ich mich damit strafbar mache. Erst, wenn ich wüsste, dass dem Kind nichts mehr geschehen kann, es ihm soweit gut geht, würde ich die Polizei rufen. Denn wenn ich auf die Polizei warte und dem Kind währenddessen womöglich schlimme Dinge passieren, könnte ich mir das nie verzeihen.
Und an jeden Erzieher und jede Erzieherin, der sich beschwert, dass er so viel arbeiten muss und es ihm keiner dankt, dann sage ich nur folgendes.
Schau dir die Kinder an. Sie danken es dir jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, dass du für sie da bist und sie begleitest.
Jeder, der sich sagt:ich arbeite nur, wegen dem Geld, dem sage ich:
Such dir einen anderen Job.
Denn wer nur wegen des Geldes arbeitet, vor allem in sozialen Berufen, der sollte wo anders arbeiten.
Und an jeden, der sagt, Erzieher und Erzieherinnen sitzen ja nur rum spielen ein bisschen und trinken Kaffee...
Wir machen so vieles mehr. Wir lesen vor, erläutern, erklären, interpretieren, denken uns Sachen aus, basteln, malen, kuscheln, helfen beim Essen, trösten, machen Quatsch, experimentieren, überwinden unsere eigenen Ängste, um sie nicht an die Kinder weiter zu geben, singen, tanzen, albern herum, machen uns zum Clown, zur Fee, zum Geist, Ritter, Schnecke, Einhorn und vieles mehr. Beobachten die Kinder, fördern und fordern sie in allen möglichen Bereichen, stehen ihnen in schweren lebenssituationen zur Seite, geben Ratschläge und Tipps, helfen, wickeln, gehen gemeinsam auf Toilette, machen Dinge 20 mal hintereinander, obwohl wir nicht wollen, bereiten Kinder auf die Schule vor, bringen Ihnen sprechen bei, achten darauf, dass jedes Kind gleich behandelt wird, schlichten Streit, hören bei Problemen, Traurigkeit oder auch schönen Erlebnissen zu, planen Geburtstage, Partys, Feiertage, lassen uns in Sand einbuddeln, machen uns nass, bemalen uns mit Farbe, lassen uns mit Glitzer bestreuen oder zu Boden werfen. Lassen uns beleidigen, hauen, beschimpfen, treten, anspucken, anhusten, anniesen, anpinkeln, anschreien. Nebenbei halten wirr noch Elterngespräche, Teamsitzungen, Planen Ausflüge, Räumen auf, in corona Zeiten desinfizieren wir alles, merken uns, welchem Kind was gehört, schmieren die Kinder mit sonnencreme ein, überreden die Kinder Gemüse, Fisch oder eine Suppe zumindest zu probieren, passen auf, dass sie nichts essen, wogegen sie allergisch sind, dass sie nichts essen, was ungesund oder gar schädlich ist, passen auf, dass sie sich nicht schwer verletzen. Gucken im Garten regelmäßig nach giftigen Pflanzen oder welchen, an denen die Kinder sich verletzen können, putzen Nasen, waschen und desinfizieren regelmäßig unsere Hände, merken uns viele Namen, Geburtstage, lieblingsdinge, und andere individuelle Informationen der Kinder, führen Hefte und Zettel über den Fortschritt der Kinder, beraten Eltern, klären sie auf und informieren sie. Tragen krippenkinder oder auch ältere Kinder herum, heben sie hoch,
Und bei all diesen Sachen gibt es sicherlich noch 1000 andere Sachen, die ich jetzt gerade vergessen habe.
Und ganz ganz unten auf der Liste steht rumsitzen und Kaffee trinken.
Ich gebe zu, der Beruf Erzieherin ist anstrengend ja. Doch ich könnte mir nichts schöneres vorstellen.














